An den Tag, als die Diagnose kam, erinnert sich Wilhelminas Mutter noch ganz genau: „Am 12. Februar 2023 ist meine Tochter offiziell Mitglied im SCC Eiskunstlauf geworden. Am 14. Februar 2023 kam die Erstdiagnose Leukämie, einen Tag später die Bestätigung. Dann war mit dem Sport auch gleich wieder Schluss“, erzählt sie. Wilhelmina war damals fünf Jahre alt. Der Erzieherin in ihrer Kita war aufgefallen, dass sie sehr blass war. „Nach der Diagnose kam Wilhelmina sofort ins Krankenhaus“, berichtet die Mutter. Für die kleine Wilhelmina begann die Chemotherapie und ein langer Kampf für sie und ihre Mutter.

Kinderhilfe unterstützt Familien mit schwer kranken Kindern in Berlin

Die alleinerziehende Mutter arbeitete damals in einer Steuerberatungskanzlei. „Doch es war schnell klar, mit einem so kranken kleinen Kind ging das nicht mehr“, sagt sie. „Man wird automatisch zur Pflegerin. Die Kinder bekommen während der Chemo harntreibende Mittel, müssen alle 15 Minuten auf die Toilette, die Pflegekräfte schaffen das nicht“, sagt die 46-jährige, die Tag und Nacht an der Seite ihres Kindes war. An Schlaf sei nicht zu denken gewesen. „Irgendeine Maschine piept immer.“ Irgendwann sei sie dann zusammengeklappt. „Im Krankenhaus haben sie gesehen, dass ich Hilfe brauche, und mir den Verein Kinderhilfe empfohlen“, erzählt sie.

Berliner helfen: Kinderhilfe e.V.
Jannis Wlachojiannis, Geschäftsführer der Kinderhilfe e. V., die Eltern mit krebs- und schwer kranken Kindern unterstützt.© FUNKE Foto Services | Joerg Carstensen

Der 1983 gegründete Verein steht Familien mit einem krebs- oder lebensverkürzend erkrankten Kind zur Seite. Er bietet psychosoziale Beratung, Unterstützung durch ehrenamtliche Familienbegleiter, Programme für gesunde Geschwisterkinder und Erholungsaufenthalte für die betroffenen Familien. „Wir schauen, was den Eltern und Kindern in dieser Situation am besten hilft und stehen ihnen zur Seite“, erläutert Jannis Wlachojiannis. Knapp 300 Familien in Berlin und Brandenburg werden durch den Verein Kinderhilfe betreut. Es gibt auch einen ebenfalls aus Spenden finanzierten Sozialfonds, mit dem in Einzelfällen auch finanzielle Hilfen gewährt werden.

Viele Eltern können wegen des kranken Kindes nicht mehr arbeiten

So war es auch bei Melanie und ihrer Tochter. „Nachdem die stationäre Erstbehandlung von Wilhelmina beendet war, konnten wir für die ambulante Therapie nicht zurück in unsere Wohnung wegen Schimmel. Wir sind erst einmal bei Freunden untergekommen, dann ging die stationäre Behandlung im Krankenhaus weiter, bis wir endlich in unsere Wohnung zurückkonnten. Dann ging die Waschmaschine kaputt!“, erzählt die Mutter.

Dank der Kinderhilfe bekam sie eine neue. „Das ist kein Luxus, sondern eine hygienische Notwendigkeit. Mit einem krebskranken Kind kann man nicht in einem öffentlichen Waschsalon waschen“, betont Sibylle Fischer vom Fundraising der Kinderhilfe.

Nach fünf Jahren gilt die Krankheit als geheilt

„Durch die Krankheit des Kindes geraten viele Eltern in finanzielle Probleme, weil sie arbeitslos werden“, sagt Melanie. Sie ist der Kinderhilfe sehr dankbar für die Unterstützung in der schwierigen Zeit, auch durch eine ehrenamtliche Familienbegleiterin. „Man fühlt sich nicht mehr allein, sondern gut aufgehoben“, sagt sie. Auch Wilhelminas Vater hat mit gezittert und geholfen, wo er konnte.

Charity Gala 2026
Endlich wieder auf dem Eis: Wilhelmina trainiert für ihren ersten Wettkampf. © privat | Privat

Nach zahlreichen ambulanten und stationären Therapien ist die Behandlung von Wilhelmina seit einem Jahr abgeschlossen. „Natürlich ist da immer die Angst vor einem Rückfall. Wilhelmina muss einmal im Monat zur Untersuchung ins Krankenhaus. Erst nach fünf Jahren gilt sie als geheilt“, sagt die Mutter. Am 1. April wird sie wieder anfangen zu arbeiten, in der IT-Branche. „Mein Chef weiß Bescheid, dass ich ein krebskrankes Kind habe“, sagt sie.

Wilhelmina ist inzwischen acht Jahre alt, geht in die erste Klasse und steht wieder auf den geliebten Schlittschuhen. Viermal in der Woche trainiert sie auf dem Eis, bereitet sich auf ihren ersten Wettkampf vor. Über ihre Zeit im Krankenhaus sagt sie: „Das war hundertmal doof!“ Ihre Mutter meint: „Wilhelmina ist meine Heldin, so wie sie gekämpft hat“.

Mutter und Tochter freuen sich auf ein ganz besonderes Erlebnis: Die beiden sind Ehrengäste der Charity-Gala „Stars in Concert“, die am Montag im Estrel Convention Center stattfindet – zugunsten krebskranker Kinder wie Wilhelmina und sozial benachteiligter Kinder.

Charity-Gala

 „An diesem Abend verzichten alle Künstler auf ihre Gagen und geben sich besondere Mühe“, sagt Siegfried Helias vom Verein Kinder in Gefahr, der die Charity-Gala mit Showproduzent Bernhard Kurz vor 28 Jahren ins Leben gerufen hat. Schirmherr ist damals wie heute Neuköllns ehemaliger Bezirksbürgermeister Manegold, Spendenpartner der Gala ist seit mehr als 20 Jahren die Sparda-Bank Berlin. Das Estrel-Hotel ist seit 28 Jahren großzügiger Unterstützer der Veranstaltung. Der Erlös des ausverkauften Abends geht an die Kinderhilfe für krebskranke Kinder und an den Verein Kinder in Gefahr, der sich in Neukölln für sozial benachteiligte Kinder engagiert.