- Männer dürfen in Deutschland Hebamme werden
- Doch nur wenige von ihnen üben diesen Beruf aus
- Thomas Kirsch erzählt, warum er unbedingt Hebamme werden wollte
Wenn man Thomas Kirsch fragt, was er an seinem Beruf am meisten schätzt, muss er nicht lange überlegen. „Ich habe das Privileg, hauptsächlich mit glücklichen Menschen zu arbeiten“, sagt der 34-Jährige. In seinem Berufsalltag begleitet er werdende Eltern, die voller Vorfreude auf das kommende Baby sind, bietet Geburtsvorbereitungskurse an und stand auch oft im Kreißsaal, wenn das neue Leben das Licht der Welt erblickte. Thomas Kirsch ist nämlich Hebamme.

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Der 34-jährige Hamburger gehört damit zu den wenigen Männern in Deutschland, die als Hebamme arbeiten. Denn dieser Beruf ist auch im Jahr 2025 eine Frauendomäne. Laut dem Deutschen Hebammenverband gibt es in Deutschland rund 26.000 Hebammen, davon sind etwa 10.000 in Kliniken fest angestellt, der Rest arbeitet freiberuflich oder in Teilzeit. Wie viele Männer mittlerweile als Hebamme arbeiten, ist schwer zu bestimmen, da es dazu keine genauen Statistiken gibt. Schätzungsweise gibt es in Deutschland aber gerade mal zwischen 20 und 30 männliche Hebammen.
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Männliche Hebamme: „Rechtlich spricht nichts dagegen“
„Viele wissen das gar nicht, aber ja, man darf als Mann Hebamme werden. Rechtlich spricht nichts dagegen“, erklärt Thomas Kirsch. Tatsächlich ist die Berufsbezeichnung „Hebamme“ in Deutschland geschlechtsneutral und gilt sowohl für Frauen als auch für Männer. Der Begriff „Entbindungspfleger“, der früher für männliche Hebammen verwendet wurde, wurde 2020 abgeschafft.
Thomas Kirsch arbeitet bereits seit zehn Jahren als Hebamme, hat schon Hunderte Schwangere betreut und unzähligen Kindern auf die Welt geholfen. Bereits während seiner Schulzeit hat ihn das Thema Geburtshilfe emotional gepackt und nicht mehr losgelassen. „Noch vor meinem Abitur habe ich zufällig mitgekriegt, wie Frauen in meinem Bekanntenkreis sich über eine nicht optimale Hebammenvorsorgung beschwert haben“, erinnert sich der 34-Jährige. Er begann zu recherchieren und stellte mit Erstaunen fest, wie prekär die Situation der Hebammen in Deutschland ist.
Personeller Notstand, Zeitmangel, hohe Bürokratie und unzureichende Bezahlung – das sind nur einige der Gründe, warum es in Deutschland nicht genügend Hebammen gibt und Schwangere oft verzweifelnd nach einer Hebamme suchen. „Ich dachte, wie soll es erst werden, wenn ich selbst Vater werde. Meckern bringt da ja nicht viel, also wollte ich selbst handeln“, erzählt Thomas Kirsch.
Nach seinem Abitur beginnt er verschiedene Praktikas in der Geburtshilfe zu machen. Mal bei einer freiberuflichen Hebamme, mal im Kreißsaal einer Klinik, wo er als Praktikant auch seine erste Geburt erleben darf. „Als das Baby da war, war ich in einem richtigen, kleinen Rauschzustand. Danach war ich umso sicherer, dass ich Hebamme werden möchte“, sagt der 34-Jährige.
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Thomas Kirsch: Der einzige Mann in der Hebammen-Ausbildung
Um Hebamme zu werden, ist in Deutschland seit der Hebammenreform von 2020 ein duales Studium erforderlich, das in der Regel zwischen drei und vier Jahre dauert. Das Studium kombiniert theoretische Lehrinhalte an einer Fachhochschule oder Universität mit praktischen Erfahrungen in Kliniken und Geburtshäusern. Vor der Hebammenreform war es möglich, eine Berufsausbildung an einer anerkannten Hebammenschule zu absolvieren.
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Thomas Kirsch hat beide Wege eingeschlagen. Er hat sich zuerst an einer Hebammenschule in Tübingen ausbilden lassen und später noch ein zusätzliches Studium in Hebammenkunde an einer Hochschule in Bochum gemacht. An beiden Bildungsstätten war er der einzige Mann, der Hebamme werden wollte. „Trotzdem habe ich stets viel Unterstützung erfahren und fühlte mich nie ausgeschlossen, sondern gleichberechtigt“, berichtet der Hamburger. Auch in seinem privaten Umfeld reagierten die meisten Menschen positiv auf seinen Berufswunsch: „Klar, waren manche überrascht, aber niemand hat meinen Berufswunsch abgewertet.“
So reagieren werdende Väter auf eine männliche Hebamme
Am Anfang seines Berufslebens hat er trotzdem damit gerechnet, von Paaren aufgrund seines Geschlechts abgelehnt zu werden, doch die Sorge hat sich nicht bewahrheitet. „In den meisten Fällen geht es darum, ob es zwischenmenschlich passt. Da spielt das Geschlecht keine primäre Rolle, sondern die Ausstrahlung und Empathie“, erläutert Thomas Kirsch. Trotzdem hat er schon Fälle erlebt, in denen er im Kreißsaal abgelehnt wurde, weil die werdenden Mütter oder Väter keinen Mann als Hebamme wollten. „Warum ich als Mann dann abgelehnt werde, kann verschiedene Gründe haben. Mal geht es ums Schamgefühl, mal sind es kulturelle Gründe. Aber ich respektiere jeden Grund und möchte mich niemandem aufdrängen“, sagt der junge Mann, der mittlerweile selbst Vater ist.

In den meisten Fällen würden auch werdende Väter positiv auf eine männliche Hebamme reagieren. „Manche freuen sich sogar, dass sie dann nicht der einzige Mann im Kreißsaal sind und einigen fällt es dann auch leichter, sich mit ihren Sorgen einem Mann anzuvertrauen“, berichtet Thomas Kirsch von seinen Erfahrungen. Grundsätzlich ist es dem 34-Jährigen wichtig, auch die Männer bei der Geburt aktiv einzubeziehen. „Männer müssen nicht passiv herumsitzen, sie können ihre Partnerin aktiv unterstützen und auch in die Entscheidungsfindung während der Geburt einbezogen werden. Alle Beteiligten sollen sich sicher und wohlfühlen.“
Verdienst bei Hebammen: Ausbaufähig
Obwohl Thomas Kirsch seinen Beruf so liebt und er ihn „von Kopf bis Fuß erfüllt“, gibt es auch einige Dingen, die er daran weniger attraktiv findet. Dazu gehört der hohe Bürokratieaufwand, der enge Personalschlüssel in Kreißsälen, aber auch die Bezahlung. „Obwohl Hebammen ein wichtiger Bestandteil des Gesundheitssystems sind, eine enorm hohe Verantwortung tragen und sehr gut ausgebildet sind, wird es in ihrer Vergütung nicht widergespiegelt“, sagt der 34-Jährige. Das Gehalt einer Hebamme variiert je nach Beschäftigungsart und Qualifikation, wobei freiberuflich Hebammen oft zwar höhere Einnahmen erzielen, aber auch höhere Versicherungskosten haben. Laut der Jobbörse Stepstone liegt die durchschnittliche Gehaltsspanne für Hebammen zwischen 3.025 Euro und 4.400 Euro pro Monat.
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Auch emotional kann der Job einer Hebamme belastend sein. Zwar sind Schwangerschaften und Geburten in den meisten Fällen ein glückliches Ereignis, doch auch negative Erlebnisse können zum Alltag dazugehören. Etwa dann, wenn Frauen ihre Kinder verlieren. „Natürlich nehmen solche Ereignisse auch mich emotional mit. Deswegen ist es wichtig, dass man lernt privat für einen guten Ausgleich zu sorgen und bewusste Grenzen zwischen Beruf und Privatleben zu ziehen.“











