Russlands Präsident Wladimir Putin hat Europa mit einer möglichen militärischen Konfrontation gedroht. „Wir sind erstens bereit. Aber wir wollen keinen Krieg mit Europa. Wenn jemand einen will, soll er sich vorbereiten“, sagte der Kremlchef am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Moskau. Das berichten mehrere Medien übereinstimmend, darunter die „Bild“ und die britische Zeitung „The Independent“. Anlass seiner Äußerungen waren demnach europäische Warnungen vor einem möglichen Krieg mit Russland bis zum Jahr 2030.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Der russische Präsident behauptete zudem, der Westen habe sein Ziel, Russland eine strategische Niederlage zuzufügen, bislang nicht erreicht. Auch bis 2030 werde dies seiner Einschätzung nach kaum gelingen. Zugleich warnte Putin: „Wenn die Dinge zu weit gehen, wird es überhaupt keine Gewinner geben. Das sollte niemand vergessen.“

Putin warnt vor Eskalation in der Ostsee

Neben einem möglichen Konflikt mit Europa sprach Putin auch über die angespannte Sicherheitslage in der Ostsee. Dort beschäftigen wiederholte Schäden an kritischer Unterwasserinfrastruktur, russische Kriegsschiffe und die sogenannte russische Schattenflotte die europäischen Sicherheitsbehörden. Mit der Schattenflotte versucht Moskau, westliche Sanktionen gegen seine Ölexporte zu umgehen.

Putin verglich die Lage in der Ostsee mit der Straße von Hormus. Der Seeweg zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman ist für den internationalen Ölhandel von großer Bedeutung. Der Kremlchef warnte davor, dass sich in der Ostsee eine vergleichbare Situation entwickeln könnte.

Putin spricht mit Finnland und Norwegen über Ukraine-Krieg

Nur zwei Tage vor seinen Äußerungen hatte Putin erstmals direkt mit dem finnischen Präsidenten Alexander Stubb und dem norwegischen Ministerpräsidenten Jonas Gahr Støre über den Ukraine-Krieg gesprochen. Das rund 90-minütige Telefonat war zuvor nicht öffentlich angekündigt worden und offenbar nicht mit den europäischen Partnern abgestimmt. Ziel sei gewesen, Putin Botschaften zu möglichen Verhandlungen zu übermitteln, die zur Beendigung des Krieges beitragen könnten, erklärten Stubb und Støre anschließend in Helsinki.

Støre betonte, beide Politiker hätten ausschließlich für ihre eigenen Länder gesprochen. Zugleich verwies er auf die Schwierigkeiten einer gemeinsamen europäischen Linie gegenüber Moskau. Der EU habe es in den vergangenen vier Jahren an einer einheitlichen Botschaft und einem abgestimmten Vorgehen gefehlt. Verbündete und Partner seien allerdings vorab informiert und anschließend ausführlich unterrichtet worden.

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Stubb bezeichnete das Gespräch als offen und inhaltlich fundiert. „Der Ausgang dieses Krieges wird direkte Auswirkungen auf unsere Sicherheit und die Sicherheit Europas insgesamt haben. Um den Krieg zu beenden, sind direkte Gespräche erforderlich“, sagte der finnische Präsident. Støre ergänzte: „Das Leid und die Zerstörung werden sich auf ganze Generationen auswirken. In dem Telefonat haben wir betont, wie wichtig eine Deeskalation ist.“

Der Kreml erklärte nach dem Gespräch, Putin habe auf die Bedeutung russischer Sicherheitsinteressen bei einer möglichen Friedenslösung hingewiesen. In der ersten Novemberhälfte sollen in Abu Dhabi Gespräche über Sicherheitsfragen Russlands und der Ukraine nach einem vollständigen Ende der Kampfhandlungen stattfinden. Zugleich machte Moskau die EU und die Nato für eine Verlängerung des Krieges mitverantwortlich.

Kritik aus Dänemark – Selenskyj begrüßt Initiative

Die Initiative aus Helsinki und Oslo stieß in Europa auf unterschiedliche Reaktionen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj begrüßte das Gespräch und dankte den beiden Politikern. Dänemarks Ministerpräsidentin Mette Frederiksen äußerte sich dagegen skeptisch. Sie kritisierte, dass das Gespräch nicht mit den europäischen Partnern abgestimmt gewesen sei, und sagte dem Sender DR, sie sehe keine Anzeichen dafür, dass Russland Frieden mit Europa wolle. Statt einzelner Initiativen müsse Europa zusammenstehen.

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Auch aus Italien kam der Ruf nach einem gemeinsamen Vorgehen. Regierungskreise in Rom erklärten, Europa müsse eine oder mehrere Personen bestimmen, die ein klares Mandat hätten, die Interessen der EU in möglichen Friedensverhandlungen zu vertreten. Andernfalls drohe ein weiterer Bedeutungsverlust Europas bei den Gesprächen.

Mit dpa