Lange Zeit schwammen die Öl- und Gasgiganten am Persischen Golf in Geld. Die Skylines von Dubai oder Doha erinnerten an Manhattan-ähnliche Metropolen in der Wüste und wurden zu Markenzeichen für den sagenhaften Reichtum der Scheichs.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Doch die Blockade der Straße von Hormus durch Teheran hat die große Einnahmequelle der Petrodollars trockengelegt. Die Meerenge, durch die vor dem Iran-Krieg rund ein Fünftel des globalen Handels mit Öl, Ölprodukten und Gas vor allem Richtung Asien floss, ist von der Weltwirtschaft praktisch abgeklemmt.

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Golfstaaten suchen Alternativen zur Straße von Hormus für Ölexport

Die Golfstaaten suchen nun fieberhaft nach neuen Wegen für den Export ihrer Rohstoffe. Um künftig den Raketenhagel Irans in der Straße von Hormus zu umgehen, plant die Golfregion den Bau neuer sowie die Erweiterung oder Aktivierung alter Pipelines.

In den Vereinigten Arabischen Emiraten, die während des Krieges rund die Hälfte aller iranischen Drohnenangriffe abbekommen haben, laufen die Arbeiten auf Hochtouren. Bereits 2027 soll die Habshan-Pipeline zum Hafen Fujairah eine zweite Rohrleitung erhalten. Fujairah liegt am Golf von Oman, also jenseits des neuralgischen Punkts der Straße von Hormus. Die Emirate wollen so ihre Förderkapazität über diese Strecke von 1,8 auf 3,6 Millionen Barrel pro Tag verdoppeln.

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Saudische Ölexporte über Rotes Meer geraten ins Visier der Huthi

Auch Saudi-Arabien, im vergangenen Jahr der weltweit größte Öl-Exporteur, will der Hormus-Falle entkommen. Zwar verfügt das Königreich bereits über die Ost-West-Pipeline zwischen den Ölfeldern nahe dem Persischen Golf und der Hafenstadt Yanbu am Roten Meer. Derzeit werden rund sieben Millionen Barrel pro Tag durch die zwei Stahlrohre gepumpt – zwei Millionen mehr als vor Beginn des Krieges. Eine Ausweitung auf bis zu neun Millionen Barrel ist im Gespräch.

Riad hatte einen Plan geschmiedet, der auf den ersten Blick wie ein Königsweg aussah: Die Frachtschiffe sollten das in Yanbu verladene Öl durch die Meerenge Bab al-Mandab transportieren, die das Rote Meer mit dem Golf von Aden verbindet. Doch saudische Tanker gerieten verstärkt ins Visier der Huthi-Miliz in Jemen, die mit dem Iran verbündet ist. Teherans langer Arm wurde zum Sicherheitsrisiko.

Öltransport nach Asien: Alternativroute treibt Kosten deutlich in die Höhe

Die alten Handelsrouten funktionieren nicht mehr. Nach Berechnungen des belgischen Datenanbieters Kpler sind die saudischen Exporte durch die Straße von Hormus und Bab al-Mandab eingebrochen. Dafür verschifft das Land zunehmend Öl von Yanbu nach Ägypten. Da der Suezkanal für Supertanker nicht tief genug ist, wird das „schwarze Gold“ im Terminal Ain Suchna im nordwestlichen Roten Meer in die Sumed-Pipeline eingespeist. Von dort fließt das Öl bis zum Mittelmeerhafen Sidi Kerir bei Alexandria, wo es auf Frachtschiffe verladen wird.

Die Alternativstrecke verursacht allerdings wesentlich höhere Kosten: Der Transport über das Kap der Guten Hoffnung an der Südspitze Afrikas zu den Hauptabnehmern in China, Südkorea oder Japan dauert zwei bis vier Wochen länger. Der Extra-Treibstoff plus weitere Betriebsausgaben könnten den Preis für ein Barrel Öl um mindestens fünf Euro erhöhen, schätzt Matt Smith von Kpler.

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Auch der Irak sucht verzweifelt Alternativen

Saudi-Arabien und die Emirate arbeiten zudem an Lösungen, mehr Öl in Asien zu lagern. Beide Staaten haben Japan und Südkorea aufgefordert, die Ölvorräte in ihren Tanks drastisch zu erhöhen. Es wäre ein Puffer gegen Lieferstopps infolge iranischer Attacken. Auch der Irak, dessen Staatskasse zu 90 Prozent von Ölexporten abhängt, sucht verzweifelt nach Ausweichrouten. So treibt die Regierung in Bagdad den Bau einer neuen Pipeline voran. Diese könnte von den ölreichen Regionen Basra im Süden und Kirkuk im Norden zu den Mittelmeerhäfen Ceyhan in der Türkei und Banijas in Syrien führen. Irak hat bereits eine kleinere Pipeline zum Mittelmeer in Betrieb, deren Kapazität verdreifacht werden soll.

In Kuwait wird ein Anschluss an die eigentlich stillgelegte „Tapline“ diskutiert. Diese Transarabische Pipeline hatte ab 1950 Öl aus dem Osten Saudi-Arabiens über Jordanien und Syrien bis Libanon ans Mittelmeer gepumpt. 1990 wurde der Betrieb eingestellt.

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Hormus bleibt Engpass: Neue Pipelines können Irans Macht nur langsam mindern

Trotz dieser Vorhaben können die Golfstaaten dem Hormus-Dilemma nicht entrinnen. „Langfristig können diese Projekte die Abhängigkeit von Hormus reduzieren, aber die Meerenge nicht vollständig ersetzen“, sagte Mohammad Reza Farzanegan, Leiter des Fachgebiets Wirtschaft des Nahen und Mittleren Ostens der Philipps-Universität Marburg, unserer Redaktion. Ein Ausbau bestehender Pipelines dauert im Schnitt ein bis zwei Jahre und die Anlage neuer Leitungen drei bis fünf Jahre. Solange die USA und der Iran kein Abkommen erreichen, dürfte der Ölpreis daher relativ hoch bleiben.

Immerhin rechnen Experten damit, dass neue Pipelines das Erpressungspotenzial des Mullah-Regimes vermindern. „Strategisch gesehen besteht die wichtige Veränderung darin, dass die Fähigkeit Irans, eine Störung der Meerenge als Druckmittel gegenüber dem gesamten Energiesystem am Golf einzusetzen, in Zukunft schrittweise eingeschränkt werden könnte“, sagte der in Katar ansässige Nahostanalyst Luciano Zaccara unserer Redaktion. „Die große Unbekannte ist jedoch, wie lange die Erdöl exportierenden Volkswirtschaften am Golf diese Ausfuhrbeschränkungen aufrechterhalten können, während sie gleichzeitig Ressourcen für die Erschließung alternativer Routen aufwenden.“ Die reichen Golfstaaten müssen etwas lernen, was für sie jahrzehntelang in weiter Ferne lag: den Gürtel enger zu schnallen.