In den USA machen Beamte der Einwanderungsbehörde ICE seit Monaten öffentlich Jagd auf Migranten – oder auf Menschen, die sie dafür halten. Auf Befehl von US-Präsident Donald Trump durchkämmen die vermummten und schwerbewaffneten Einsatzkräfte Amerikas Straßen. Hunderte Videos in den Sozialen Medien zeigen die ICE-Bundesbeamten bei der Verfolgung und oftmals brutalen Festnahme von vermeintlich „Illegalen“.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Doch für genau solche Razzien könnten viele neue Rekruten ungeeignet sein. Denn seitdem Trump angekündigt hat, die Behörde um fast 10.000 neue Beamte aufzustocken und damit quasi zu verdoppeln, beschweren sich leitende Angestellte über die mangelnde Eignung der Bewerber. Vor allem die körperliche Fitness der Kandidaten mache viele für den Einsatz auf der Straße ungeeignet, berichtet das US-Magazin „The Atlantic“. Mehr als ein Drittel der angehenden ICE-Agenten sei bisher am Fitnesstest der Behörde gescheitert: 15 Liegestütze, 32 Sit-Ups und 2,4 Kilometer in unter 14 Minuten laufen.

ICE-Rekruten reagieren „allergisch“ auf Sport

„Es ist erbärmlich“, zitiert „The Atlantic“ einen anonymen ICE-Beamten in höherer Position. Er und andere „Veteranen“ seien besorgt über die Qualität der neuen Rekruten. Die meisten scheiterten am Laufen der 2,4 Kilometer unter 14 Minuten.

Obwohl die sportlichen Anforderungen bereits gesenkt wurden, würden viele Kandidaten geradezu „allergisch“ auf Sport reagieren, wie es in einer E-Mail aus der ICE-Zentrale an leitende Angestellte heißt. Die Mail liegt „The Atlantic“ nach eigenen Angaben vor. Die bei örtlichen Rekrutierungsbüros angeworbenen Neuzugänge hätten auf Fragebögen ihre körperliche Fitness irreführend angegeben, was in der Ausbildungsakademie im US-Bundesstaat Georgia für Probleme sorge.

Jetzt soll bereits vor der Entsendung an die Akademie ein Fitnesstest unqualifizierte Bewerber aussortieren. Diese werden seit der massiven Aufstockung der Einwanderungsbehörde mit bis zu 50.000 US-Dollar Anstellungsbonus, der Erstattung von Studienkrediten und anderen Leistungen gelockt.

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Bewerber fallen bei Drogentests durch

Laut „The Atlantic“ würden beim Fitnesstest durchgefallene Rekruten auf Bürojobs abgeschoben werden, andere schieden wiederum komplett aus. ICE-Beamte würden außerdem von vielen anderen Problemen berichten, die durch die massive Vergrößerung des Personals entstehen: So gebe es nicht genügend Waffen, Fahrzeuge, aber auch Parkplätze und sogar Toiletten für die vielen neuen ICE-Angestellten.

Laut „NBC News“ seien auch zunehmend Bewerber ein Problem, die den Drogentest der Behörde nicht bestehen. Andere hätten Vorstrafen, die sie für den Dienst ausschließen, allerdings erst entdeckt wurden, als sich die Rekruten bereits in der Ausbildung befanden.

Trumps Einwanderungsbehörde ist heftig umstritten

Die Behörde ICE steht für Immigration and Customs Enforcement. Sie ist dem Heimatschutzministerium unterstellt und soll über die nächsten vier Jahre 75 Milliarden Dollar erhalten, um Trumps Abschiebepläne von einer halben Million Menschen jährlich umzusetzen Die Einsätze von ICE in Großstädten wie Los Angeles, Chicago, New York und Portland stoßen oftmals auf großen Widerstand der lokalen Bevölkerung. Gegner kritisieren, dass festgenommenen Migranten ein ordnungsgemäßes Verfahren verweigert werde.

Als Reaktion auf die Proteste gegen ICE will Trump die Nationalgarde einsetzen, angeblich um ICE und andere Bundesbeamte zu schützen. Am Wochenende kam es auch deshalb unter dem Motto „No Kings“ zu landesweiten Protesten, bei denen Millionen Menschen gegen die umstrittenen Razzien und den Einsatz der Nationalgarde protestierten.