Nicht einmal eine Woche im Amt, schon steckt Katie Zacharia in einer Affäre, die ihre Karriere im Weißen Haus schon beenden könnte, bevor sie richtig begonnen hat. Donald Trumps neue Pressesprecherin, am Montag angetreten, hat ihren Einstand gründlich vermasselt; sie war bei ihrem 14-minütigen Debut-Auftritt kein bisschen sattelfest. Nun musste die Kalifornierin auch noch einräumen, dass sie sich jahrelang als Anwältin bezeichnet hat, obwohl sie nie eine amerikanische Anwaltszulassung erhielt. Für eine Frau, deren wichtigstes berufliches Kapital Glaubwürdigkeit sein sollte, ist das ein denkbar schlechter Start.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Das Eingeständnis erfolgte ausgerechnet bei Sean Hannity, einem der treuesten Trump-Unterstützer im amerikanischen Fernsehen. „Sie haben an der Pepperdine-Universität Jura studiert, aber die Anwaltsprüfung nicht bestanden, richtig?“, fragte der Fox-News-Moderator am Donnerstagabend. „Richtig“, antwortete Zacharia. Ob sie die Prüfung später wiederholt habe? „Nein.“
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USA: Zacharias präsentiert sich trotz fehlender Anwaltszulassung als „Lawyer“
Damit steht fest: Die 2011 in Kalifornien durchgefallene Juristin besitzt keine amerikanische Anwaltszulassung. Trotzdem trat sie öffentlich wiederholt als „Lawyer“ auf. Trump selbst hatte sie bei ihrer Ernennung sogar als „Attorney“, also zugelassene Anwältin, angepriesen.
Zacharias Verteidigung geriet zur umständlichen Rechtfertigung. Damals habe sie geheiratet und sei anschließend mit ihrem Mann nach China gezogen. Deshalb sei das Prüfungsergebnis aus ihrer Sicht „unerheblich“ gewesen. Sie habe ihre juristische Ausbildung abgeschlossen und in China im internationalen Wirtschaftsrecht gearbeitet. Den Titel „Lawyer“ dürfe sie nach ihrer Auffassung deshalb führen. Juristen widersprechen dieser Interpretation.
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Zacharias unsicherer Auftritt als Sprecherin sorgt für Kritik
Inzwischen hat die Organisation „Campaign for Accountability” bei der kalifornischen Anwaltskammer Beschwerde eingereicht. Ob Zacharias Selbstdarstellung rechtliche Konsequenzen hat, ist offen. Der politische Schaden ist bereits angerichtet.

Zumal ihr erstes Auftreten im Presseraum am Dienstag alles andere als souverän verlief. Nach 14 Minuten und zugelassenen Fragen von lediglich drei Journalisten beendete Zacharia die Veranstaltung. Danach hagelte es Kritik an ihrem unsicheren Auftritt. Auch bei Hannity rechtfertigte sie sich: Sie habe die Pressekonferenz mit kaum Vorbereitungszeit übernehmen müssen.
Trump lässt Mitarbeiter abrupt fallen
Wie lange schaut Trump noch zu? Der Präsident ist bekannt dafür, Mitarbeiter bei Bedarf abrupt fallen zu lassen. Anthony Scaramucci, 2017 zum Kommunikationsdirektor ernannt, war nach nur zehn Tagen wieder verschwunden. Zacharia könnte eine ähnlich kurze Karriere bevorstehen. Allerdings gibt es bisher keine belastbaren Hinweise, dass Trump ihre Entlassung vorbereitet. Es sei denn, man nimmt das auffallend kühl und distanziert geführte Interview bei seinem Medien-„Buddy” Hannity als Auftragsarbeits des Präsidenten..
News aus den USA
Für Zacharia bleibt eine unangenehme Frage: Wie soll sie den Wahrheitsgehalt der Aussagen des mächtigsten Mannes der Welt überzeugend verteidigen, wenn bereits die Angaben zu ihrer eigenen beruflichen Qualifikation Zweifel aufwerfen? Ob Trump sie schützt oder fallen lässt, ist zum jetzigen Zeitpunkt offen. Der erste ernsthafte Vertrauensschaden ist jedenfalls da.









