Der Mann polarisiert: Kritiker halten ihn für einen erzkonservativen Kulturkämpfer – er selbst bezeichnet sich im Podcast „Meine schwerste Entscheidung“ als Wertkonservativen, der die liberale Demokratie gegen Feinde am linken und rechten Rand verteidigen will. Motto: „Make Aufklärung great again“. Klar ist: Merz‘ Kulturstaatsminister ist in nahezu jeder Hinsicht das exakte Gegenteil seiner Vorgängerin Claudia Roth.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Als bekannt wurde, dass der Publizist und Verleger Wolfram Weimer ins Kabinett wechselt, schlugen die Wellen hoch. Mehr als 70.000 Menschen unterschrieben eine Online-Petition gegen seine Berufung, sogar die bürgerliche „FAZ“ kritisierte die Entscheidung hart. Dass Weimer gleich zum Start einen klaren Kurs gegen Antisemitismus ankündigte – das kam bei vielen dagegen sehr gut an. Ist er nun der Quoten-Konservative unter den Unionsministern – oder einfach ein Mann, dem Friedrich Merz vertraut, weil sich die beiden schon lange kennen?

Der 60-Jährige, der in seinem früheren Leben Chefredakteur der „Welt“, beim „Focus“ und bei seiner eigenen Magazingründung „Cicero“ war, erzählt im Podcast wie er wurde, was er ist: Der Germanistensohn wächst mit Freud‘scher Traumdeutung am Frühstückstisch auf, diskutiert mit seinen linken Lehrern, macht nach eigener Aussage zu früh Karriere im Springer-Universum und gibt offen zu, dass er einige seiner besonders umstrittenen Texte heute so nicht mehr schreiben würde.
Merz und Weimer: Gemeinsame Golfrunden am Tegernsee? „Das ist einfach falsch“
Sein heftig kritisiertes Buch von 2018 mit dem programmatischen Titel „Das konservative Manifest“ werde oft falsch verstanden, einiges darin sei aber von ihm selbst auch „missverständlich ausgedrückt“ worden: Der darin diagnostizierte Niedergang Europas als weltgestaltende Kulturkraft sei unbestreitbar. Die Annahme aber, der Autor würde sich damit in die Tradition antidemokratischer, nationalistischer Denker wie Oswald Spengler einreihen, sei falsch: „Ich bin weit weg von jeder Form von völkischem Denken.“ Wenn er das Buch heute noch einmal schreiben würde, würde er es anders schreiben – „und auch klarer“.
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Sehr offen beschreibt er auch seine Freundschaft zu Friedrich Merz, wie es am Kabinettstisch zugeht, warum Merz schon mal um 6 Uhr morgens anruft – und wie es ist, wenn die beiden zusammen Fahrrad fahren. Anders als viele behaupten, treffe er Merz, den er seit 30 Jahren kennt, nicht beim Golfen am Tegernsee, er selbst spiele auch gar nicht Golf. „Das ist einfach falsch.“
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Als seine schwerste Entscheidung bezeichnet Weimer den Schritt, sich mit drei kleinen Kindern und einem Haus, „das nicht abbezahlt war“, selbstständig zu machen: 2003 gründete er zusammen mit seiner Frau das Politikmagazin „Cicero“. Weimer, der aus einer Lehrerfamilie stammt und seinen Vater als großes Vorbild bezeichnet, beschreibt, wie er sich mit seiner Frau Unternehmertum und Sorgearbeit geteilt habe. „Ich habe rückblickend mehr gewindelt als sie.“ Er sei eine „bekennende Glucke“ und habe den Ehrgeiz gehabt, seinen Söhnen jeden Abend eine Gute-Nacht-Geschichte zu erfinden. Danach habe es allerdings auch immer auch ein „Gute-Nacht-Gebet“ gegeben.
Den Podcast „Meine schwerste Entscheidung“ können Sie hier hören und auf allen gängigen Streaming-Plattformen wie Spotify, Apple Podcast und Amazon Music. Neue Folgen erscheinen jeden zweiten Donnerstag.





