Omid Nouripour hat erstmals ausführlich über die Gründe gesprochen, warum seine Familie 1987 aus dem Iran geflüchtet ist. „Ich hätte mit 14 das Land nicht mehr verlassen können, weil Jungs mit 14 das Land nicht mehr verlassen durften, damit sie sich nicht der Wehrpflicht und damit eigentlich damals automatisch den Fronteinsatz im Iran-Irak-Krieg nicht entziehen“, sagte der Vizepräsident des Bundestages und frühere Grünen-Vorsitzende im Podcast „Meine schwerste Entscheidung“ der FUNKE MEDIENGRUPPE. Seine ältere Schwester hätte nicht studieren können, „nicht wegen fehlender Begabung, sondern wegen fehlender Treue zur Ideologie, das hieß auch so, also sie ging nicht jeden Freitag zum Freitagsgebet, sondern eher feiern“.

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#17 Omid Nouripour über seine Flucht aus dem Iran – und wie man auf Farsi rappt
Meine schwerste Entscheidung
 

Seine Schwester sei als Schülerin auf einer Geburtstagsparty erwischt worden. „Das war eine Klassenkameradin von ihr und dort gab es erstens westliche Musik, was verboten war.“ Außerdem sei der zwölfjährige Bruder der Klassenkameradin und ein paar seiner Freunde dagewesen. „Damit war das eine geschlechtergemischte Party.“ Das Geburtstagsfest sei gestürmt worden von der Sittenpolizei. „Meine Schwester war zwei Tage in Isolationshaft“, wo sie „Furcht, Trauma, Einsamkeit, Schrecken“ erlebt habe.

Nouripour: „Ich habe wie viele andere im Iran auf dem Schulhof ‚Tod Israel’ gerufen“

Der anschließende Gerichtsprozess sei „ein Abenteuer und ein Trauma für sich“ gewesen, erinnert sich Nouripour. „Wir haben zu Hause erstmal diskutiert, wenn sie denn verurteilt wird, dann wird sie ja wahrscheinlich zu Peitschenhieben oder Stockhieben verurteilt und das wird sofort vollstreckt. Die zentrale Frage bei uns zu Hause war, was soll sie anziehen?“

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Ziehe sie Jeans an, dann sei „die Wahrscheinlichkeit, dass sie verurteilt wird, weil sie eine Westlerin oder eine Verwestlichte ist, größer. Wenn sie eine Stoffhose anzieht, dann wird sie vielleicht nicht verurteilt, aber wenn sie verurteilt wird, das hält ja nichts aus“, so Nouripour. „Also solche Diskussionen mussten wir zu Hause führen und am Ende hat sie eine Jeans angezogen, eine ganz weite Stoffhose drüber und am Ende bekam sie 82 Peitschenhiebe auf Bewährung und das für zwei Jahre.“ Die Familie Nouripour – seine Eltern waren Luftfahrtingenieure – kam als Asylbewerber nach Frankfurt am Main.

Nouripour erzählte in dem Podcast auch, wie er in der Schule zum Hass auf Israel erzogen wurde. „Ich habe wie viele andere im Iran auf dem Schulhof ‚Tod Israel’ gerufen und habe in der Schule gelernt, dass Israel ein Unrechtsstaat sei und es müsse weg.“ Israel zerstören zu wollen, sei Teil der iranischen Staatsräson. „Ich habe den Staatsantisemitismus, den ich dort gelernt habe, hierher mitgebracht“, berichtete er. „Und ich habe hier erst gelernt, was das für ein abscheuliches Gedankengut ist.“ Dafür habe er viel Hilfe gebraucht. Daher sehe er es als seine Verpflichtung, „zu helfen, dass es anderen auch so geht“.

Bisher veröffentlicht:

Der Podcast wurde kurz vor dem Schlag Israels gegen das iranische Atomprogramm aufgezeichnet. In dem Gespräch warnte Nouripour die israelische Regierung vor dem Versuch, das Mullah-Regime militärisch zu beseitigen. „Ich weiß nicht, wie ein kriegerisches Ende des Regimes aussehen soll, ohne dass es zu komplettem Chaos und zu Entropie kommt.“ Der Iran sei eine echte Bedrohung für Israel, und es sei Israels gutes Recht, sich zu wehren. „Aber dass Israel jetzt den Regimeumsturz im Iran organisiert - nein.“ 

Den Podcast „Meine schwerste Entscheidung“ können Sie hier hören und auf allen gängigen Streaming-Plattformen wie Spotify, Apple Podcast und Amazon Music. Neue Folgen erscheinen jeden zweiten Donnerstag.