In einem normalen Arbeitsverhältnis wäre die Äußerung wohl überflüssig gewesen. Aber seit dem rhetorischen Hinterhalt, in den Wolodymyr Selenskyj neulich im Weißen Haus geraten war, geht der ukrainische Präsident auf Nummer sicher. Er erwarte von Donald Trump im Detail über dessen Zwei-Stunden-Gespräch mit Russlands Präsident Wladimir Putin informiert zu werden, sagte Selenskyj am Mittwochmittag mitteleuropäischer Zeit. Wann sein Wunsch – und vor allem mit welcher Substanz – in Erfüllung geht, blieb einstweilen offen.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Gemessen an den offiziellen Verlautbarungen aus Washington und Moskau gibt es sehr unterschiedliche Darstellungen darüber, was die Staatsmänner am Vorabend am Telefon zur Zukunft des vor drei Jahren von Putin vom Zaun gebrochenen Krieges gegen Kiew besprochen hatten. Der Kreml betonte, dass für den Fortgang von Verhandlungen über einen dauerhaften Waffenstillstand entscheidend sei, dass die USA als zentraler Waffenlieferant für die Ukraine die Füße stillhalten und dem russischen Kriegsgegner auch keine geheimdienstlichen Vorteile mehr verschaffen. Trump bestritt, dass es besagte Forderung gegeben habe. Viel mehr gab er bisher nicht preis.
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Der erste Stimmungstest kommt am Sonntag
Aus Sicht von US-Analysten eine taktische Unwahrheit. Denn ein klares Bekenntnis Trumps zu einem Waffenstopp an Selenskyj würde England, Frankreich, die engsten Verbündeten Amerikas, und andere Europäer in Rage versetzen, die gerade ein neues Militärs-Hilfspaket zusammenstellen. Andererseits könnten Druckmaßnahmen (etwa neue Wirtschaftssanktionen) gegen Putin, der nach Meinung der meisten US-Kommentatoren keinerlei substanzielle Zugeständnisse in Richtung Kriegsende gemacht habe, den russischen Herrscher verprellen und Trumps Ziel, als Friedensstifter den Nobelpreis zu erlangen, vereiteln.

Ein erstes Stimmungsbild nach dem Spitzen-Telefonat wird es am Sonntag geben. Dann wird Trumps Top-Emissär Steven Witkoff erneut mit Außenminister Rubio und Sicherheitsberater Waltz mit der russischen Seite im saudi-arabischen Dschidda an den Verhandlungstisch kommen. Was exakt auf der Tagesordnung steht, ist noch unbekannt.
Artikel über die Ukraine – für Sie recherchiert
Auch in konservativen US-Medien kommt Trump schlecht weg
Nach US-Angaben wird die massive Skepsis der Europäer über den angeblich von Trump und Putin erreichten Fortschritt (30 Tage Verzicht auf die Bombardierung von Kraftwerken etc.) keine herausragende Rolle spielen. Dass die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas sagte, Moskau könne man nicht trauen, weil es insgeheim weiter Krieg führen wolle, dass der deutsche Verteidigungsminister Boris Pistorius das Trump-Putin-Telefonat gar eine „Nullnummer“ nannte, war demnach erwartet worden.

Aber auch in vielen US-Medien bis hin zum konservativen „Wall Street Journal“ kam Trump schlecht weg. Als Beleg wurde die Tatsache genommen, dass Russland bereits kurz nach dem Gespräch die Ukraine mit Drohnen und Raketen ins Visier nahm, um zivile Infrastruktur zu zerstören. Moskau wiederum führte Klage darüber, dass die Ukraine ein russisches Öl-Depot in der Region Krasnodar in Brand gesetzt habe. Sauer stieß allenthalben auf, dass sich der ehemalige russische Präsident Dmitri Medwedew erneut im Ton vergriff. Es gebe „nur Russland und Amerika im Esszimmer“, schrieb Medwedew, „der Hauptgang ist ein Schnitzel nach Kiewer Art. Guten Appetit!“









