Entgegen der Skepsis mancher Beobachter scheint die Waffenruhe in der besetzten südukrainischen Stadt Oleschky zu halten. „30 Stunden Waffenruhe in Oleschky sind ohne einen einzigen Zwischenfall vergangen“, erklärte der ukrainische Menschenrechtsbeauftragte Dmytro Lubinez am Mittwoch. Die russische Seite bestätigte Lubinez‘ Aussagen in einer ähnlich formulierten Stellungnahme.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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In der seit 2022 besetzten Stadt harren laut Angaben der Vereinten Nationen noch etwa 1700 Menschen aus, darunter 47 Kinder. Im minenverseuchten Oleschky mangelt es an allem: Lebensmittel, Wasser, Medikamente und Strom sind knapp. Vielfach war davon die Rede, dass die Eingeschlossenen den Winter nicht mehr überleben würden. Einige hatten in ihrer Not begonnen, Tauben zu jagen. Um die letzten der einst 24.000 Bewohner zu versorgen, hatte die Ukraine Drohnen eingesetzt – die aber von russischer Seite häufig abgeschossen wurden.

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Eine ältere Frau geht in Oleschky unter Anti-Drohnen-Netzen hindurch, die im Rahmen einer Waffenruhe im Zusammenhang mit Evakuierungsmaßnahmen über einer Straße gespannt wurden.© Evgeniy Maloletka/AP/dpa | Evgeniy Maloletka

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Oleschky: Papst und First Lady wirkten auf Kriegsparteien ein

Vermittelt hatte die Feuerpause US-Angaben zufolge First Lady Melania Trump. Am 23. Oktober hatte das Weiße Haus gemeldet, die Gattin von US-Präsident Donald Trump habe „erfolgreich eine Waffenruhe ausgehandelt“. Zu dem Bild gehört allerdings auch, dass bereits eine Woche zuvor der Papst Leo XIV. vom Krankenbett aus mit Russlands Herrscher Wladimir Putin telefoniert hatte. Der Heilige Vater appellierte, Hilfslieferungen in die Frontstadt und eine Evakuierung zuzulassen. Drei Tage später hatte Leo XIV. in derselben Angelegenheit mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj telefoniert.

Am Dienstag dann hatten die russischen Streitkräfte um zwei Uhr deutscher Zeit das Feuer eingestellt. Das Verteidigungsministerium in Moskau teilte mit, dies geschehe „im Rahmen der Vorbereitungen für einen humanitären Einsatz“. Es sollen nun Minen geräumt werden, um eine Evakuierung über einen humanitären Korridor zu ermöglichen und Lebensmittel und Medikamente in die Stadt zu liefern.

Waffenruhe gilt als Lichtblick

Die Menschen sollen sowohl die Möglichkeit bekommen, Oleschky in Richtung Ukraine als auch in Richtung der von Russland besetzten Gebiete zu verlassen. Unklar ist allerdings, wie viele diese Gelegenheit nutzen werden. Häufig fehlt das Geld, um sich ein Leben an einem anderen Ort aufbauen zu können – das Bleiben erscheint selbst unter den schlimmsten Bedingungen als bessere Option.

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Menschen steigen während einer Waffenruhe in einen Bus ein.© Evgeniy Maloletka/AP/dpa | Evgeniy Maloletka

Die russischen Behörden gehen davon aus, dass die meisten der Evakuierungswilligen die Stadt bereits verlassen haben. Ein ranghoher ukrainischer Beamter teilte AFP ebenfalls mit, dass viele Menschen in der Stadt bleiben wollten, weshalb die Waffenruhe so angelegt sei, dass humanitäre Lieferungen in die Stadt gebracht werden könnten.

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Ukraine-Krieg: Zweifel an Russlands Siegesmeldung zu Kostjantyniwka
Im Krisenmodus
 

Unabhängig davon gilt die regionale Waffenruhe als ein Lichtblick im festgefahrenen Angriffskrieg. Beobachter sehen darin positive Zeichen für die Wiederaufnahme der trilateralen Gespräche zwischen Moskau, Kiew und Washington. Laut Kreml könnte eine erfolgreiche humanitäre Operation womöglich sogar als Vorbild für andere Frontabschnitte dienen.

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pcl/mit dpa/AFP