Die amerikanischen Zwischenwahlen haben eine historische Besonderheit: Fast immer verliert die Partei des amtierenden Präsidenten Sitze im Repräsentantenhaus. Seit 1978 ist das bei elf von zwölf Midterms geschehen. Nur zweimal konnte die Präsidentenpartei zulegen: 1998 unter Bill Clinton und 2002 unter George W. Bush.

Midterms entscheiden über die politische Bilanz des US-Präsidenten

Der Grund liegt vor allem darin, dass Amerikaner bei Zwischenwahlen häufig nicht nur über ihre örtlichen Abgeordneten abstimmen, sondern auch über die Politik des Präsidenten urteilen. Die Midterms gelten deshalb als eine Art Zwischenzeugnis für das Weiße Haus. Die Zahlen der vergangenen Jahrzehnte sind aufschlussreich:

JahrPräsidentSitze seiner Partei im Repräsentantenhaus
1978Jimmy Carter-15
1982Ronald Reagan-26
1986Ronald Reagan-5
1990George H. W. Bush-8
1994Bill Clinton-54
1998Bill Clinton4
2002George W. Bush8
2006George W. Bush-30
2010Barack Obama-63
2014Barack Obama-13
2018Donald Trump-41
2022Joe Biden-9

Besonders hohe Verluste gab es 1994 für Clinton und 2010 für Obama. Beide Präsidenten hatten umfangreiche Reformvorhaben verfolgt und erheblichen politischen Widerstand ausgelöst. Die Opposition konnte viele unzufriedene Wähler mobilisieren.

Bei Trump verloren die Republikaner 2018 insgesamt 41 Mandate. Die Demokraten übernahmen damals das Repräsentantenhaus und erschwerten dem Präsidenten das Regieren erheblich.

Politische Verantwortung der Präsidentenpartei wächst bei schlechter Wirtschaft

Warum wiederholt sich dieses Muster? Erstens genießen neue Präsidenten nach ihrer Wahl oft einen politischen Vertrauensvorschuss, der mit der Zeit schwindet. Zweitens sind unzufriedene Wähler häufig besonders motiviert, an Zwischenwahlen teilzunehmen. Drittens bleiben Anhänger der Präsidentenpartei eher zu Hause, wenn deren politische Ziele bereits teilweise erreicht wurden oder Enttäuschung eingetreten ist.

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Hinzu kommt die Wirtschaft. Inflation, Arbeitslosigkeit und sinkende Kaufkraft werden häufig der Regierung angelastet. Die Präsidentenpartei trägt deshalb auch dann die politische Verantwortung, wenn sie nicht alle Probleme selbst verursacht hat.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Es gibt allerdings zwei bemerkenswerte Ausnahmen. 1998 gewann Clintons Demokratische Partei vier zusätzliche Sitze. Clintons Zustimmungswerte waren trotz der Lewinsky-Affäre hoch, die Wirtschaft florierte. Der republikanische Versuch, ihn aus dem Amt zu entfernen, fand keine breite Unterstützung.

Republikaner gewinnen 2002 nach 9/11 acht Sitze im Repräsentantenhaus

2002 gewannen George W. Bushs Republikaner acht Sitze hinzu. Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 verfügte Bush über außergewöhnlich hohe Zustimmungswerte. Der Sicherheitskampf prägte die Wahl.

Der Senat folgt übrigens nicht immer demselben Muster. Weil dort nur ein Drittel der Sitze zur Wahl steht, können Mehrheiten und Veränderungen ganz anders ausfallen.

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