Auf einem Qantas-Flug von Perth (Western Australia) nach Rom haben sich Passagiere über juckende Bisse beschwert. Bettwanzen krochen über ihre Beine und an den Kabinenfenstern entlang, wie sie dem australischen Sender 9News erzählten. Selbst auf dem Weg zur Gepäckausgabe seien die Insekten noch an ihnen hochgekrabbelt. „Sie waren in den Schuhen meines Mannes, krochen an unseren Beinen hoch, krochen auf unseren Pullovern“, berichtete die Passagierin Hailey Bagnall dem australischen Sender.

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Die Maschine wurde in Rom für eine gründliche Reinigung aus dem Verkehr gezogen, der Rückflug am Samstag fiel aus. Betroffene Fluggäste bekamen Unterkünfte und wurden binnen zwei Tagen umgebucht. Die Fluggesellschaft untersucht noch die Ursache. Sie spricht von einem Problem mit Bettwanzen an einer kleinen Zahl von Sitzen in der Economy-Klasse.
„Es ist nicht besonders häufig, aber es kommt vor“, sagte der australische Bettwanzen-Experte Stephen Doggett dem Sender ABC. Vorfälle in Flugzeugen seien gut dokumentiert. 2017 entschuldigte sich British Airways bei einer Familie, die auf einem Flug von Vancouver nach London gebissen worden sein will.
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Qantas-Flug: Wie die Tiere an Bord gelangen
Die Tiere reisen laut Doggett in der Kleidung und im Gepäck der Menschen mit. Wer in einem befallenen Hotel oder Hostel übernachtet, kann sie später unbemerkt mit an Bord nehmen. Besonders gefährdet seien die Kabinen der Besatzung. Weil Crewmitglieder viel unterwegs sind, übernachten dort immer wieder Menschen, die aus unterschiedlichen Hotels kommen. „Das birgt ein hohes Risiko für Bettwanzen“, so Doggett.
Dass sich die Insekten im Flugzeug halten, liegt auch daran, dass sie ausgesprochen widerstandsfähig sind. Qantas teilte mit, die Flotte werde im Rahmen der Standardwartung alle 50 Tage desinfiziert. Doch Bettwanzen gehörten zu den „resistentesten Insekten des Planeten“, sagte Doggett. Nur wenige Mittel seien für Flugzeuge zugelassen, weil viele Chemikalien das Aluminium schädigen könnten. Auch Staubsauger, Dampf und bestimmte Insektizide können die hartnäckigen Tiere bekämpfen, sind aber mit hohen Kosten verbunden. Im Fall des Qantas-Fliegers vermutet der Experte, dass die Tiere schon länger an Bord waren, jetzt aber erst entdeckt wurden.
Was Passagiere und Hotelgäste tun können
Fluggäste können laut Doggett nicht viel gegen die sechsbeinige Plage unternehmen. „Man kann nirgendwo hin.“ Wer Bettwanzen auf seinem Sitz vermutet, solle diesen nach Spuren absuchen und Fotos machen. Die Aufnahmen könnten auch bei einem Rechtsstreit mit der Fluggesellschaft hilfreich sein. Suchen sollte man vor allem in Ritzen und Spalten der Sitze. Allerdings sind die Tiere winzig klein. Selbst ausgewachsene Tiere hätten nur etwa die Größe und Farbe eines Apfelkerns, sagte Doggett. Jungtiere seien noch mal deutlich kleiner und hellgrünlich.
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Im Hotel haben Reisende dagegen deutlich mehr Möglichkeiten, einen Befall früh zu erkennen. Der amerikanische Entomologe Jerome Goddard, Professor an der Mississippi State University, rät, Gepäck zunächst im Badezimmer abzustellen. Danach seien die Laken zurückzuziehen und Matratze sowie Lattenrost auf lebende Tiere und schwarze Kotflecken zu prüfen, wie er auf der Wissenschaftsplattform „The Conversation“ schreibt. Wer fündig wird, sollte an der Rezeption ein anderes Zimmer verlangen. Bettwanzen wanderten allein meist nicht weit.
Beste Waffe gegen Waffen: der heiße Trockner
Nach der Reise sollte der Koffer draußen oder in der Garage ausgepackt werden. Waschbare Kleidung sollte bei möglichst hoher Temperatur gewaschen und, wenn möglich, anschließend im heißen Trockner getrocknet werden. Goddard nennt ihn „eine hervorragende Waffe“ im Kampf gegen die Tiere. Der französische Insektenforscher Romain Garrouste vom Muséum National d’Histoire Naturelle in Paris schreibt in einer weiteren wissenschaftlichen Abhandlung über Bettwanzen, mindestens 30 Minuten Trocknen bei hoher Hitze sollten genügen. Auch das Einfrieren befallener oder verdächtiger Gegenstände helfe. Hitze und Kälte seien die Schwachstellen der Insekten.
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Von Experimenten mit Hausmitteln ist dagegen abzuraten. Bei Befall in der Wohnung rät Goddard von rezeptfreien Insektensprays ab und empfiehlt einen Kammerjäger mit professionellen Mitteln oder Hitzeverfahren. Gebrauchte Matratzen und Betten solle man nie kaufen, „egal, wie günstig das Angebot erscheint“. Auch Secondhand-Möbel müssten gründlich behandelt werden. Garrouste weist zudem darauf hin, dass die Tiere drei Monate oder länger ohne Nahrung auskommen. Ein vermeintlich leeres Zimmer ist also nicht automatisch sicher.
Gefährlich ist weniger der Stich als die Psyche
Krankheiten übertragen die Tiere nach heutigem Wissen kaum. Zwar stünden sie im Verdacht, mehr als 40 Erreger weiterzugeben, schreibt Goddard. Belege gebe es aber kaum. Rein der Erreger der Chagas-Krankheit könnte eine Ausnahme sein. Typische Reaktionen auf Stiche der Wanzen sind juckende rote Flecken, die jedoch nach etwa einer Woche wieder abklingen. Manche Menschen reagieren laut des Experten auch mit Nesselsucht, Blasen oder allergischen Reaktionen.
Deutlich schwerwiegender sind Goddard zufolge die seelischen Folgen. Denn viele Menschen reagieren mit Nervosität, Angst und Schlaflosigkeit, aber auch mit Besorgnis und Scham. In einer Studie berichtete etwa die Hälfte der Betroffenen von Schlafstörungen und sozialer Isolation. Goddard und ein Kollege werteten außerdem 135 Internetbeiträge aus. In 81 Prozent davon beschrieben Betroffene drei oder mehr Verhaltensweisen, die auf eine posttraumatische Belastungsstörung hindeuten könnten, darunter Albträume, Schreckreaktionen oder erhöhte Schreckhaftigkeit. Deswegen sei es vor allem wichtig, „nicht in Panik zu geraten“, wie Goddard betonte. Letztendlich seien Bettwanzen „nur Insekten“ und ließen sich vollständig aus einer Wohnung entfernen.







