Seit Jahresbeginn sind in Italien mindestens 22 Menschen am West-Nil-Virus gestorben. Das bestätigte das Gesundheitsministerium in Rom. Mehr als 351 weitere Infektionen wurden bislang nachgewiesen.

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Besonders gefährdet seien ältere Menschen, hieß es aus dem Ministerium. Von den bislang erfassten Fällen entwickelten 158 Betroffene schwere neuroinvasive Symptome, darunter Hirnentzündungen und Lähmungen. „Die Sterblichkeit liegt bei diesen Verläufen bei knapp 14 Prozent“, teilte ein Sprecher mit.

Der erste Todesfall des Jahres war eine 82-jährige Frau. Sie starb in einem Krankenhaus südlich von Rom.

West-Nil-Virus in Italien: Behörden verschärfen Maßnahmen zur Mückenbekämpfung

Die meisten Todesfälle wurden in Latium, der Region rund um Rom, sowie in Kampanien registriert. Doch auch im Norden ist das Virus angekommen: In Emilia-Romagna, Venetien, Piemont und der Lombardei meldeten die Gesundheitsämter Infektionen, ebenso auf Sardinien und in Apulien. Damit ist das West-Nil-Virus inzwischen nahezu im gesamten Land präsent.

Die Reaktion der Behörden fällt entsprechend drastisch aus. In der Gemeinde Sessa Aurunca in Kampanien rollen nachts Tankwagen durch die Straßen, die großflächig Insektenschutzmittel versprühen. Das bestätigten örtliche Medienberichte, die sich auf Mitteilungen der Gesundheitsämter berufen.

Auch das italienische Gesundheitsministerium verweist auf Programme zur Beseitigung von Brutstätten, die in mehreren Regionen angelaufen sind. In offiziellen Hinweisen heißt es, die Bevölkerung solle offene Wasserbehälter wie Regentonnen, Tiernäpfe oder Blumentöpfe regelmäßig leeren, da diese als ideale Brutplätze für Mücken gelten.

Italien-Urlaub: Was Reisende jetzt beachten sollten

Für Touristinnen und Touristen gibt es bislang keinen Grund zur Panik – das betonen die italienischen Behörden immer wieder. Das Gesundheitsministerium in Rom versichert, dass akute Gefahren für Reisende nicht bestehen. Die meisten Infektionen verlaufen demnach mild oder gänzlich ohne Symptome. Schwerere Verläufe betreffen fast ausschließlich ältere Menschen oder Personen mit Vorerkrankungen.

Ganz sorglos sollten sich Urlauberinnen und Urlauber dennoch nicht verhalten. Die Umweltbehörde warnt eindringlich vor Nachlässigkeit. In ihren Empfehlungen heißt es, wer sich schützen wolle, müsse die Mücken meiden. Dazu gehöre es, konsequent Insektenschutzmittel zu verwenden, lange Kleidung zu tragen und Aufenthalte in der Nähe von stehendem Wasser zu vermeiden – genau dort legen Mücken ihre Larven ab.

Besonders in Dörfern und Städten, in denen nachts Insektizide versprüht werden, gilt erhöhte Aufmerksamkeit. Die Behörden raten dazu, Fenster geschlossen zu halten und den Kontakt mit dem feinen Sprühnebel unbedingt zu vermeiden. 

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West-Nil-Fieber: Krankheitsbild und Übertragung

Doch auch wenn die Warnungen für Reisende vergleichsweise beruhigend klingen: Hinter der nüchternen Zahl der Infektionen verbirgt sich ein vielschichtiges Krankheitsbild. Das Robert Koch-Institut (RKI) weist darauf hin, dass rund 80 Prozent aller Infektionen ohne jedes Symptom verlaufen. Etwa 20 Prozent der Erkrankten entwickeln grippeähnliche Beschwerden wie Fieber, Kopf- oder Gliederschmerzen. „Nur etwa ein Prozent nimmt einen schweren, neuroinvasiven Verlauf“, erklärt das Institut. In diesen Fällen drohen Entzündungen des Gehirns oder der Hirnhäute, häufig mit lebensbedrohlichen Folgen.

Auch über die Herkunft des Virus gibt es klare Erkenntnisse. Ursprünglich stammt es aus Afrika und wurde vermutlich über Zugvögel nach Europa eingeschleppt. Laut RKI können Mücken, die sich zuvor an infizierten Vögeln laben, das Virus anschließend auf Menschen oder andere Säugetiere übertragen. So etabliert sich der Erreger Schritt für Schritt in immer neuen Regionen.

Stechmücken sind die Überträger des West-Nil-Virus – in Italien starben bereits mehrere Menschen an den Folgen einer Infektion.
Stechmücken sind die Überträger des West-Nil-Virus – in Italien starben bereits mehrere Menschen an den Folgen einer Infektion.© dpa | Patrick Pleul

West-Nil-Fieber in Europa: Klimawandel als Treiber der Ausbreitung

Auch andere Länder melden inzwischen steigende Zahlen. Fälle wurden aus Griechenland, Serbien, Rumänien, Frankreich, Ungarn, Spanien und Bulgarien bekannt. In Deutschland treten seit 2018 regelmäßig Infektionen auf – besonders in Berlin, Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Noch sind die Zahlen vergleichsweise niedrig, doch die Entwicklung zeigt nach oben. Fachleute warnen bereits, dass 2025 zum Rekordjahr für West-Nil-Infektionen in Europa werden könnte.

Denn die Ausbreitung des Virus ist kein Zufall, sondern ein Symptom des sich wandelnden Klimas. Längere Sommer und mildere Winter verlängern die Lebenszyklen der Mücken und erhöhen ihre Aktivität – und damit auch die Wahrscheinlichkeit von Infektionen. Das Robert Koch-Institut ordnet diese Entwicklung als Teil eines größeren Trends ein: Tropische Erreger könnten sich zunehmend auch in Regionen festsetzen, die bislang als sicher galten.

Für die Europäische Gesundheitsbehörde ECDC ist das längst Realität. Ihre Direktorin Pamela Rendi-Wagner erklärte, Europa müsse sich auf eine „neue Normalität“ einstellen, in der Mückenkrankheiten dauerhaft präsent seien. In den Mitteilungen der ECDC heißt es ergänzend, dass die Behörde eng mit den Mitgliedstaaten zusammenarbeite, um rechtzeitig Leitlinien für den Schutz der Bevölkerung zu entwickeln und den Ländern maßgeschneiderte Unterstützung zukommen zu lassen.

Das West-Nil-Fieber ist längst kein exotisches Phänomen mehr, sondern ein wachsendes Gesundheitsrisiko auf dem europäischen Kontinent. Italien erlebt aktuell einen der schwersten Ausbrüche seit Jahren und reagiert mit konsequenten Maßnahmen gegen die Ausbreitung. Für Reisende bleibt das Risiko überschaubar, solange sie sich schützen. Doch der Blick nach vorn zeigt: Mit dem Klimawandel werden tropische Krankheiten zunehmend Teil des europäischen Alltags.