„Wer als Papst in das Konklave einzieht, kommt als Kardinal heraus“, sagt ein altes italienisches Sprichwort. Damit wird betont, dass Favoriten nicht immer tatsächlich gewählt werden und dass es bei Wahlen durchaus zu Überraschungen kommen kann. Das letzte Konklave war keine Ausnahme: Der als Favorit geltende vatikanische Staatssekretär Pietro Parolin verfehlte die Wahl, dafür wurde der eher unbekannte US-Kardinal Robert Francis Prevost unerwartet zum Papst gewählt. Aber was qualifiziert einen Menschen dazu, Papst zu werden?

Papst Leo XIV: Welche Voraussetzungen musste er erfüllen?

Laut geltendem Kirchenrecht kann theoretisch jeder unverheiratete katholische Mann im Alter von über 35 Jahren den Heiligen Stuhl besetzen. Er muss zum Zeitpunkt der Wahl nicht einmal Priester, Bischof oder Kardinal sein. Ist der zum Papst Gewählte kein Bischof oder gar Laie, wird er noch im Konklave zum Bischof von Rom geweiht und ist damit Papst. Allerdings wurde seit Urban VI. im Jahre 1378 niemand mehr zum Papst gewählt, der nicht vorher schon Kardinal war.

Obwohl er formal nur ein paar wenige Kriterien erfüllen muss, werden von einem Papst – der immerhin 1,4 Milliarden Katholiken anführt – gewisse Eigenschaften erwartet. Er muss eine charismatische Führungspersönlichkeit sein, die in der Lage ist, die Institution Kirche zu leiten und die Gläubigen zu inspirieren. Empathie, Integrität und starke Werte sind dafür unverzichtbar.

Pontifex sollte verschiedene Sprachen fließend sprechen

Ein Papst muss in der Lage sein, effektiv mit Menschen aus verschiedenen Kulturen und mit unterschiedlichem Hintergrund zu kommunizieren. Daher sind gute Sprachkenntnisse von Vorteil. Das altehrwürdige Latein ist zwar die offizielle Sprache der Kirche, sie wird allerdings nur noch von einer Minderheit der Geistlichen fließend gesprochen. Italienisch, neben dem Lateinischen zweite Amtssprache des Vatikans, muss auch ein ausländischer Papst gut beherrschen. Schlechtes oder kein Italienisch disqualifiziert laut Beobachtern selbst den besten Papst-Kandidaten.

Papst Leo XIV bei einer Audienz mit Vertretern der Medien im Vatikan
Papst Leo, hier bei seiner ersten Audienz vor Medienvertretern, wird unter anderem für seine Nahbarkeit und seine Sprachkenntnisse geschätzt.© action press | Maria Laura Antonelli/AGF/SIPA

Als der Pole Karol Wojtyla am 16. Oktober 1978 erstmals als Papst Johannes Paul II. auf dem Petersplatz auftrat, sammelte er Pluspunkte bei den Italienern, als er sie aufforderte, sein Italienisch, wenn nötig, zu verbessern. Sein deutscher Nachfolger Benedikt XVI. sprach nach vielen Jahren in der römischen Kurie perfektes Italienisch.

Auch der argentinische Franziskus, der Papst „vom anderen Ende der Welt“, beherrschte Italienisch dank seiner Eltern aus dem norditalienischen Piemont sehr gut. Der neue Papst Leo XIV. gilt als polyglott. Neben seiner Muttersprache Englisch spricht der US-Amerikaner ausgezeichnet Spanisch und Französisch. Die italienischen Katholiken überraschte er in seiner ersten Grußbotschaft nach der Wahl mit seinem einwandfreien Italienisch.

Päpste demonstrieren mit Namenswahl ihre Schwerpunktthemen

Zu den weiteren Eigenschaften eines Papstes gehört Gerechtigkeitssinn. So muss er ein starkes Engagement für soziale Themen zeigen. Dass ihm diese besonders am Herzen liegen, demonstrierte Papst Leo bereits mit seiner Namenswahl. Für seinen Namen habe er sich, so der Papst, vor allem deshalb entschieden, weil sein Vorgänger Papst Leo XIII. (1878-1903) die soziale Frage rund um die erste große industrielle Revolution mit der historischen Enzyklika „Rerum novarum“ behandelt habe.

Der neue Papst muss auch die Fähigkeit haben, wegweisend in aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen zu sein. So wies Papst Leo XIV. in seinen ersten Ansprachen bereits auf die Probleme in Zusammenhang mit künstlicher Intelligenz hin. Diese bringe „neue Herausforderungen für die Verteidigung der Menschenwürde, der Gerechtigkeit und der Arbeit mit sich“.

Ein guter Papst muss sich auch mit der römischen Kurie in seinen verzweigten Strukturen bestens auskennen. Die „Curia romana“ ist ein gewaltiger Verwaltungsapparat: Er besteht zunächst aus dem Staatssekretariat, an dessen Spitze der Staatssekretär (vergleichbar mit einem Ministerpräsidenten) steht. Dieses Staatssekretariat pflegt Kontakte zu anderen Staaten und Organisationen außerhalb des Vatikans. Es gibt auch eine separate Abteilung für das diplomatische Personal des Heiligen Stuhls. Darüber hinaus besteht die römische Kurie aus den sogenannten Dikasterien, die mit Ministerien vergleichbar sind. Unter ihnen stehen mehrere Komitees und Institutionen.