Dem neugewählten Papst Leo XIV. steht als neuem Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche eine gigantische Aufgabe bevor. Er ist mit einer Vielzahl von Baustellen konfrontiert. Finanzielle Schwierigkeiten und sinkende Zahlen der Kirchenmitglieder sind nur einige der dringendsten Probleme, mit denen sich Franziskus‘ Nachfolger auseinandersetzen muss. Obwohl ein Papst im kleinsten Staat der Welt ein Alleinherrscher ist, kann er mit einer Reihe enger Mitarbeiter rechnen. Jeder Papst hievt seine Vertrauensmänner in Spitzenämter. Daher wird mit Spannung erwartet, wie die Mannschaft um den neuen Papst aussehen wird. Welche Regierung wird der erste US-amerikanische Pontifex in der Kirchengeschichte aufbauen? 

Jeden 2. Sonntag

Ein FUNKE Liebe

Alle zwei Wochen sonntags: Antworten auf Beziehungsfragen – ehrlich, nah und alltagstauglich.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Der erste Papst aus dem Augustiner-Orden, der sich als bisheriger Leiter des Bischofsdikasteriums in der römischen Kurie bestens auskennt, scheint sich mit der Besetzung von Schlüsselposten einige Zeit nehmen zu wollen. Die Leiter und Mitglieder der Behörden der Kurie dürfen vorerst im Amt bleiben, geht aus dem ersten Beschluss des Papstes hervor. Der Heilige Vater wolle sich vor einer endgültigen Ernennung oder Bestätigung der Funktionen eine „Zeit für Reflexion, Gebet und Dialog“ nehmen, heißt es in der Vatikan-Mitteilung.

Papst Leo XIV: Behördenleiter im Vatikan verlieren zunächst ihre Stellungen

Kardinal Pietro Parolin
Kardinal Pietro Parolin könnte als vatikanischer Staatssekretär im Amt bleiben. © Alessandra Tarantino/AP/dpa | Alessandra Tarantino

Mit dem Tod von Papst Franziskus hatten die meisten Behördenleiter im Vatikan ihre Stellungen laut Kirchenrecht automatisch verloren. Üblicherweise bestätigt der neugewählte Papst sie zu Beginn seiner neuen Amtszeit dann wieder „bis auf Weiteres“. Vermutet wird, dass der vatikanische Staatssekretär Kardinal Pietro Parolin, der während Franziskus´ zwölfjährigem Pontifikat die Nummer zwei im Vatikan war, vorerst im Amt bleibt. Parolin, der als Favorit ins Konklave gezogen war, jedoch nicht die notwendigen Stimmen für die Papst-Wahl erhielt, hat gute Beziehungen zu Franziskus‘ Nachfolger und gab bereits zu verstehen, dass er gern auch dem neuen Pontifex dienen würde.

Lesen Sie auch

Zu den Vertrauensmännern des aus Chicago stammenden neuen Papstes Robert Francis Prevost zählt der spanische Bischof und Theologe Luis Marín de San Martín, der wie der neue Heilige Vater ein Augustiner ist. Die beiden teilen dieselbe Vision einer weltoffenen Kirche. Der 63-jährige Marín de San Martín könnte von Leo zum stellvertretenden Staatssekretär ernannt werden. 

Engster Mitarbeiter von Leo XIV.: Auch eine Frau hat Chancen

Ein weiterer Vertrauter des Papstes ist Pater Alejandro Moral Antón, ebenfalls Spanier und derzeit Generalprior der Augustiner: Er gehörte zu den ersten Personen, die einen Anruf des neuen Papstes nach dessen Wahl am Donnerstag erhielten. Auch der römische Erzbischof Fabio Fabene (66), der von Franziskus im Jahr 2022 zum Sekretär des Dikasteriums für die Selig- und Heiligsprechungen ernannt wurde, hat gute Chancen auf einen hohen Posten, genau wie der Sekretär der Bischofskongregation, der Brasilianer Ilson de Jesus Montanari (66) aus dem Bundesstaat Sao Paulo, der sich mit den vatikanischen Machtstrukturen bestens auskennt.

Schwester Nathalie Becquart im Petersdom.
Schwester Nathalie Becquart im Petersdom. © AFP | TIZIANA FABI

Auch eine Frau hat Chancen, in Leos Team engster Mitarbeiter aufgenommen zu werden: Schwester Nathalie Becquart (56) ist Expertin für Synodalität und war vor ihrem Eintritt ins Kloster im Jahr 1995 aufgrund ihres Wirtschaftsstudiums im Bereich Marketing und Kommunikation tätig.

Auf eine Amtsbestätigung hofft Schwester Raffaella Petrini, die im März die Regierung des Vatikanstaats übernommen hat. Papst Franziskus hatte ihr in einem präzedenzlosen Schritt die Leitung des Kirchenstaats übertragen, die davor ein Kardinal innehatte. Die in Rom geborene Ordensfrau ist promovierte Sozialwissenschaftlerin und hat unter anderem an der University of Hartford im US-Bundesstaat Connecticut studiert.

Leo XIV. wird wohl keine „Revolution“ starten

Vatikan-Insider sind der Ansicht, dass der neue Papst aufgrund seines Charakters, seiner Ausbildung und seiner Berufung auf Kontinuität mit seinem Vorgänger Franziskus setzen und daher keine „Revolution“ in der Kurie starten wird. Vorstellbar ist, dass die Ernennungen, die er im Vatikan vornehmen wird, von Ausgewogenheit geprägt sein werden. Es bleibt abzuwarten, wie viel Zeit Leo XIV. sich nehmen wird, bevor er sich für Namen und Aufgaben entscheidet.

Ihm zu Hilfe kommt, dass er die römische Kurie in seinen verzweigten Strukturen gut kennt. Die „Curia romana“ ist ein gewaltiger Verwaltungsapparat: Er besteht zunächst aus dem Staatssekretariat, an dessen Spitze der Staatssekretär (vergleichbar mit einem Ministerpräsidenten) steht. Dieses Staatssekretariat pflegt Kontakte zu anderen Staaten und Organisationen außerhalb des Vatikans. Es gibt auch eine separate Abteilung für das diplomatische Personal des Heiligen Stuhls. Darüber hinaus besteht die römische Kurie aus den sogenannten Dikasterien, die mit Ministerien vergleichbar sind. Unter ihnen stehen mehrere Komitees und Institutionen.

Der Papst hat auch einen Almosenmeister

Argentiniens Arme trauern um den Papst
Nach der Nachricht vom Tode Franziskus trauert ein Frau im Armenviertel Barracas in Buenos Aires um den Papst. © epd | Gerhard Dilger

Der Papst, der traditionell zum Wohle der Armen und Benachteiligten predigt, muss auch mit gutem Beispiel vorangehen. Hierfür gibt es den sogenannten päpstlichen Almosenmeister. Diese Person ist im Namen des Papstes für karitative Initiativen zugunsten der Armen zuständig. Der päpstliche Almosenmeister leistet Menschen in Not konkrete Hilfe und liefert Nahrung, Medikamente, sorgt für Unterkünfte und Geld.

Zu diesem Zweck arbeitet er mit den zahlreichen römisch-katholischen Wohltätigkeitsorganisationen zusammen, kann aber auch selbst gezielt Menschen unterstützen, die den Papst darum bitten. Dieser Kaplan kann im Namen des Papstes in Katastrophengebiete oder Flüchtlingslager geschickt werden. Das Amt des Almosenmeisters besteht seit dem 13. Jahrhundert. Diese Funktion hat seit 2013 der polnische Kardinal Konrad Krajewski inne. Die Einnahmen des Almosenmeisters stammen aus Spenden und dem Verkauf gesegneter Pergamente des Papstes. 

Auch interessant

Eine Rolle spielt auch der päpstliche Prediger. Er ist der einzige Geistliche, der manchmal selbst Predigten für den Papst halten darf. Der Pfarrer ist für die Gebete und Predigten des Pontifex und der anderen Mitglieder der römischen Kurie verantwortlich. Er hält Meditationen in wichtigen Zeiten der römisch-katholischen Kirche, wie etwa der Advents- und Fastenzeit. Die Funktion des päpstlichen Predigers besteht seit dem Mittelalter. Seit November letzten Jahres ist der Kapuzinerbruder Roberto Pasolini Papst-Prediger.