Die Überraschung war groß, als nur einen Tag nach Beginn des Konklaves weißer Rauch aufstieg und wenig später ein unerwarteter Name über den Petersplatz schallte: Kardinal Robert Francis Prevost ist das 267. Oberhaupt der katholischen Kirche – und zugleich der erste US-amerikanische Papst der Geschichte.

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Anders als sein Vorgänger Franziskus trug der neue Pontifex bei seinem ersten Auftritt an diesem 8. Mai die rote Mozzetta, den symbolträchtigen Schultermantel, und eine prächtige Stola über dem weißen Gewand. „Friede sei mit euch allen“, rief Leo XIV. den Menschen entgegen. Friede, Barmherzigkeit, Mission: Aus seiner ersten Ansprache klangen Kontinuität und Verbundenheit mit dem verstorbenen Papst. Seine Wahl wird als Kompromiss betrachtet – und als Signal der Einheit.

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Papst-Wahl ging überraschend schnell: Das verschaffte Prevost gute Karten

Auch wenn seine Wahl vor allem diejenigen, die auf einen europäischen Papst gehofft hatten, überraschen mag – ein Unbekannter ist Prevost keinesfalls: Unter Papst Franziskus leitete der 69-Jährige die Vatikanbehörde für Bischöfe, quasi die Personalabteilung der katholischen Weltkirche. In dieser Funktion war er in den vergangenen zwei Jahren zuständig für Bischofsernennungen weltweit.

Neuer Papst Leo XIV.
Am Donnerstagabend, 8. Mai, zeigte sich der neue Papst Leo XIV. (Robert Francis Kardinal Prevost) erstmals der Welt.© Andrew Medichini/AP/dpa | Andrew Medichini

Über seine Behörde laufen auch die sogenannten Ad-limina-Besuche. Regelmäßig kommen Bischöfe aus aller Welt zur Berichterstattung über ihre lokale Kirche in den Vatikan. Das machte Prevost zu einem der bekanntesten Gesichter im Kardinalskollegium, das nie zuvor so zerstreut über die Welt war und sich vor dem Konklave untereinander kaum kannte.

Der am 14. September 1955 in Chicago geborene Kirchenmann gilt als diplomatisch, pragmatisch und geschätzt bei progressiven wie konservativen Kirchenvertretern, ebenso bei seinen Mitarbeitern. Internationale Erfahrung sammelte er nicht erst durch seine letzte Position in der Kurie.

Papst Franziskus erhob seinen Nachfolger persönlich zum Kardinal

1977 trat er dem Augustinerorden bei und wurde zum Studium des Kirchenrechts nach Rom geschickt. Anschließend entsandte ihn sein Orden als Missionar nach Peru. Bis Anfang der 2000er Jahre wechselte er zwischen verschiedenen Positionen in den USA und Peru; war hauptsächlich in der Ausbildung junger Ordensmänner tätig. Spanisch und Italienisch spricht er mit einem leichten englischen Akzent.

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2002 wählte ihn der Augustinerorden zu seinem weltweiten Leiter. 2015 ernannte ihn Papst Franziskus zum Bischof von Chiclayo, einer Diözese im Norden des Landes. Während der politischen Krisen setzte er sich für Stabilität ein. Für zwei Amtszeiten ging Prevost nach Rom. In der Generalkurie seines Ordens nahe dem Vatikan lebt der US-Amerikaner seit seiner erneuten Rückkehr nach Rom Anfang 2023. Zuvor leitete er das Bistum Chiclayo in Peru, war zweiter Vizepräsident der kirchenpolitisch polarisierten Peruanischen Bischofskonferenz.

In dem südamerikanischen Land lernte ihn Papst Franziskus kennen, der ihn schließlich als Leiter der Bischofsbehörde in den Vatikan holte und zum Kardinal machte. Zugleich war Prevost auch Präsident der päpstlichen Lateinamerika-Kommission.

Pope Francis visits Augustinian order
Papst Franziskus (M.) galt als Förderer von Prevost (r.). Er war es auch, der den neuen Papst zum Kardinal ernannte.© CPP / Polaris/laif | /Polaris/laif

Seine lange Erfahrung in Lateinamerika prägt Prevost. In Peru, wo rund zwei Drittel der 34 Millionen Einwohner katholisch sind, ist die Kirche tief im sozialen und kulturellen Leben verankert, gestützt durch die Verfassung und ein bilaterales Abkommen mit dem Vatikan.

Umgang mit Missbrauchsfällen brachte Prevost einst in Bredouille

Doch Prevost Laufbahn ist nicht frei von Belastungen: Ihm wird vorgeworfen, in seiner Zeit in Chicago und später als Bischof in Chiclayo Missbrauchsfälle nicht konsequent verfolgt zu haben. Prevost bestreitet die Vorwürfe, die Diözese wies die Anschuldigungen zurück. 

Als Leo XIV. muss Prevost nun nicht nur einen weltweit organisierten Orden, sondern die gesamte katholische Weltkirche mit ihren 1,4 Milliarden Mitgliedern leiten. Den Weg seines Vorgängers in Richtung einer Kirche mit mehr Teilhabe aller Gläubigen dürfte er weitergehen.

In vielerlei Hinsicht zeigte Prevost Nähe zum verstorbenen Pontifex – was ihm konservativere Stimmen vorwerfen. Er gilt als gemäßigter Reformer, ohne dabei Glaubenssätze aufzugeben. Besonders deutlich zeigt sich seine Haltung in Umweltfragen: Prevost hat sich wie Franziskus wiederholt für entschiedenes Handeln gegen den Klimawandel ausgesprochen.

US-Amerikaner Prevost neuer Papst
Besonders prägend für den neuen Papst Leo XIV. war seine Zeit als Bischof in Peru. © -/Diocese of Chulucanas via AP/d | -

Prevost gilt als einer, der zuhört, vermittelt und Wandel will, ohne zu polarisieren. Als erster US-Amerikaner auf dem Stuhl Petri kommt er zwar aus einem Land, in dem laut Vatikan im Jahr 2024 rund 60 Prozent der US-Bevölkerung katholisch waren. Doch dynamisch wächst der Katholizismus heute vor allem in Afrika und Asien und nicht im Westen.

Kirchenoberhäupter aus den USA galten lange als undenkbar. Um politische Verwicklungen zu vermeiden, sollte der Chef der weltweit größten Glaubensgemeinschaft eigentlich nicht aus dem mächtigsten Land der Erde stammen. Aber der neue Papst ist in der Weltkirche und in der römischen Kurie mindestens ebenso zu Hause wie im Land seiner Geburt.

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Leo XIV. warnte einst vor „Klerikalisierung von Frauen“

Prevost gilt als überzeugter Befürworter der Synode: Immer wieder hat er betont, dass die Kirche transparenter und offener für die Stimmen der Gläubigen sein müsse. Gleichzeitig lehnt er manche Reformen ab, zum Beispiel die Weihung von Frauen für kirchliche Ämter. Bei der Weltsynode 2023 warnte er vor einer „Klerikalisierung von Frauen“. Das sei keine Lösung, sondern womöglich ein neuer Problemherd. Frauen hätten bereits vielfältige und zentrale Rollen in der Kirche.

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Der neue Papst steht zwischen Nord und Süd, zwischen Rom und Peripherie. Prevosts Biografie – von Chicago über Peru bis in die vatikanische Führungsriege – macht ihn zu einem Vermittler zwischen Kulturen und Generationen. Die Welt wartet nun mit Spannung darauf, wie der erste US-Amerikaner auf dem Papstthron die katholische Kirche führen wird.

jeho/dpa/kna