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Hochwasser in Brandenburg – Fischbeck steht unter Wasser

Seit Tagen ist Land unter in Brandenburg. Sandsäcke müssen verbaut werden. Helfer werden geschickt, wenig später abgezogen und woanders eingesetzt. Wir berichten auch heute live vom Hochwasser.

18.34 Uhr: „Keiner weiß, wann der Alptraum vorbei ist“

Der Stendaler Landrat Carsten Wulfänger (CDU) hat sich die Lage aus der Luft angesehen. Erste Schäden an den Häusern hat er schon entdeckt. „In Fischbeck stehen 80 Prozent des Ortes unter Wasser.“ An machen Häusern stehe das Wasser bis zur Dachrinne, in anderen vielleicht 20 Zentimeter hoch. Die Strömung sei in und um den 450-Einwohner-Ort so stark, dass ein erstes Haus sichtlich abgesackt sei. Wann der Alptraum vorbei ist, kann er nicht sagen.

18.00 Uhr: Brandenburg gewährt Steuer-Erleichterungen für Flutopfer

Durch Hochwasser geschädigte Einwohner und Unternehmen in Brandenburg können steuerliche Erleichterungen in Anspruch nehmen. Damit werde ihnen beim Wiederaufbau wirksam unter die Arme gegriffen, sagte Finanzminister Helmuth Markov (Linke). So erhalten Betriebe für den Wiederaufbau ganz oder zum Teil zerstörter Gebäude Sonderabschreibungen bis zu insgesamt 30 Prozent, für die Neubeschaffung beweglicher Güter bis zu 50 Prozent der Anschaffungs- oder Herstellungskosten. Aufwendungen zur Beseitigung der Hochwasserschäden an Grund und Boden können als Betriebsausgaben abgezogen werden. Für Land- und Forstwirte gelten Sonderreglungen.

Steuerzahler können außerdem Aufwendungen für die Wiederbeschaffung von Hausrat und Kleidung und zur Beseitigung von Schäden an der eigengenutzten Wohnung im eigenen Haus als außergewöhnliche Belastung geltend machen. Spenden können ohne besonderen Zuwendungsnachweis geltend gemacht werden.

16.30 Uhr: Deichbruch und Polderflutung entlasten Wittenberge

In Wittenberge stagniert der Pegel bei 7,75 Meter und blieb damit unter den ursprünglichen Prognosen. Der Deichbruch bei Fischbeck und auch die Flutung von Havelpoldern hat allerdings die Lage für die Elbanrainer verbesser. Weil das Wasser aber noch tagelang gegen die Deiche drücken wird, wächst die Gefahr von Lecks, Rissen oder Deichbrüchen. Die Lage in der Prignitz werde „noch mehrere Tage sehr angespannt bleiben“, erklärte das Krisenzentrum der Landesregierung.

15.45 Uhr: Bundeswehr stoppt Aufreißen des Deichs bei Fischbeck

Nach dem Deichbruch an der Elbe bei Fischbeck stehen Quadratkilometer an Fläche unter Wasser. Die Bundeswehr warf mit mehreren Hubschraubern große Sandsäcke in die Fluten. Damit wurde ein weiteres Aufreißen des Deiches verhindert und die Fließgeschwindigkeit etwas abgemildert. Nach Angaben des Krisenstabes ist der Deichbruch im Landkreis Stendal damit unter Kontrolle. Trotz langsam sinkenden Wasserstandes der Elbe sei die Lage weiter dramatisch, sagte Landrat Carsten Wulfänger (CDU). „Wir sind noch lange nicht durch.“

14.57 Uhr: „Keiner darf an der Flut scheitern“

Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) hat sich für einen Fluthilfefonds von Bund und Ländern ausgesprochen. „Keiner darf an der Flut scheitern“, betonte Platzeck. Zugleich sprach sich der Landeschef für eine Beschleunigung des Genehmigungsverfahrens für den Hochwasserschutz aus. „Wir sollten generell dazu kommen, dass Verfahren nicht in Jahrzehnte-Schritten geschehen“, sagte Platzeck.

14.35 Uhr: Hotline für Flutopfer

Die Verbraucherzentralen starten eine zentrale Hochwasser-Hotline für Flutopfer. Ab Mittwoch können sich Betroffene unter der kostenfreien Rufnummer 0800-1003711 zum Vorgehen im Schadensfall oder zu Versicherungsfragen beraten lassen, wie der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) am Dienstag in Berlin mitteilte. Die Hotline ist von 09.00 Uhr bis jeweils 16.00 Uhr erreichbar. Das Bundesverbraucherministerium fördert das Projekt bis Ende September.

„Wenn das Wasser weg ist, bleiben für Verbraucher viele Probleme und Fragen. Wir müssen jetzt schnell dafür sorgen, dass sie Antworten und Informationen erhalten“, erklärte vzbv-Vorstand Gerd Billen. Problematisch sei, dass nicht alle Betroffenen eine Versicherung für Überschwemmungsschäden haben.

13.31 Uhr: Klietzer müssen Sandschippen am Sportplatz

In der 1500 Einwohner zählenden Gemeinde Klietz schauen die Anwohner gespannt auf den Deichabbruch im nahen Hohengöhren. "Wenn der bricht, dann sind wir vom Hochwasser eingeschlossen und leben wie auf einer Insel", sagt eine Anwohnerin.

Bereits um 10 Uhr sei die Feuerwehr durch den Ort gefahren und habe die Anwohner darüber informiert, dass heute der Bäcker, Fleischer sowie der Konsum und Getränkemarkt bis 13 Uhr geöffnet haben. Ich muss dringend einkaufen, doch die zwei Geldautomaten funktionieren nicht", sagt ein Senior. Bis zum nächsten Geldautomaten sind es mehr als 10 Kilometer und derzeit fährt auch kein Bus. "Schön dass ich nicht ersaufe aber dafür verhungern werde", sagt er lakonisch.

Um 12 Uhr fährt erneut die Feuerwehr durch den Ort, diesmal mit der Ansage: „Anwohner versammeln sich zum Sandschippen auf dem Armeesportplatz".

12.20 Uhr: Wasserstand der Elbe stabil

Die kommenden Stunden entscheiden, ob Wittenberge in der Prignitz eine Überflutung erspart bleibt. „Der Wasserstand der Elbe scheint stabil zu sein“, sagt Wolfgang Brandt, Sprecher des Koordinierungszentrums Krisenmanagement. Seit den frühen Morgenstunden stagniert der Pegelstand bei 7,75 Meter. Steigerungen seien aber jederzeit möglich, so Brandt.

Nach Angaben des Landesbetrieb für Hochwasserschutz in Magdeburg hat die Spitze des Elbhochwassers Sachsen-Anhalt verlassen und ist seit Dienstagmorgen in Höhe von Wittenberge. Die befürchteten Spitzenwerte von acht Metern sind laut Krisenstab vorerst aber nicht in Sicht.

12.15 Uhr: Platzeck und Tack informieren über Hochwasser-Lage

Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) und Umweltministerin Anita Tack (Linke) informieren um 14 Uhr in der Staatskanzlei in Potsdam über die Hochwassersituation.

12 Uhr: Polder nehmen noch mehr Wasser auf

Vor allem die Flutung der Polder hat die Situation in der Prignitz entschärft. Damit sollte der Scheitel, der Berechnungen zufolge etwa 40 Kilometer lang sein soll, gekappt werden. Die Ableitung des Elbewassers in die Havel ist in der Nacht im Havelland beendet worden, um auch dort die Situation zu entspannen. Das Wasser der Havel wird nun in die noch nicht vollständig gefluteten Polder geleitet. Sie hatten bisher Elbewasser aufnehmen müssen. „Die spannende Frage ist nun, ob man durch die Flutung den gesamten Scheitel erwischt hat“, sagt Wolfgang Brandt vom Krisenmanagement.

11.47 Uhr: Lage in der Prignitz weiter kritisch

Trotz gesunkenen Wasserspiegels der Elbe am Pegel Wittenberge bleibt die Hochwasserlage in der Prignitz angespannt. „Wir liegen am Dienstag bei 7,75 Meter und diese Höhe soll auch die kommenden zwei bis drei Tage so bleiben“, sagte Bodo Schwiegk vom Landesumweltamt nach der Sitzung des Krisenstabes. Es habe sich ein Hochwasser-Plateau ausgebildet. Das bedeutet, dass über mehrere Tage das Wasser auf hohem Niveau bleibe, anders als bei einem Hochwasserscheitel.

Das habe unter anderem auch mit der Havelpolder-Flutung zu tun. „Wenn kein Elbewasser in die Havel abgelassen worden wäre, hätten wir am Pegel Wittenberge mit Sicherheit über acht Meter gehabt“, betonte Schwiegk.

In der Nacht zu Dienstag wurde das Einlasswehr Neuwerben aber wieder geschlossen. Das sei eine Sicherheitsmaßnahme, falls es im nordöstlichen Sachsen-Anhalt zu weiteren Deichbrüchen kommen könnte, erklärte Schwiegk. In diesem Fall würden die Havelpolder benötigt, um dieses Wasser aufnehmen zu können. Aktuell seien die Polder zur Hälfte gefüllt.

11.20 Uhr: Wie ein Deich aufgebaut ist

Das Technische Hilfswerk erklärt auf seiner Internetseite, wie ein Deich funktioniert und welche Schäden das Wasser anrichten kann.

10.52 Uhr: Helikopter nach Deichbruch im Einsatz

Nach dem großen Deichbruch bei Fischbeck (Sachsen-Anhalt) wird weiter versucht, die Abflussmenge der Elbe zu verringern, teilt der Krisenstab der Landesregierung mit. Dabei kommen Hubschrauber der Bundeswehr zum Einsatz, die rund 1,5 Tonnen schwere sogenannte „Big Packs“ abwerfen.

10.40 Uhr: Pegel in Havelberg sinkt

In Havelberg (Sachsen-Anhalt) ist der Pegel der Havel seit Montag deutlich gesunken. Etwas weniger als 4,30 Meter sind es, rund 30 Zentimeter weniger als gestern. An den Ufern sind dennoch jetzt Sandsäcke gestapelt zu einem kleinen Deich - ein Teil der Säcke liegt jedoch noch auf Paletten. Während sich die Elbe weiter südlich in die Dörfer von Sachsen-Anhalt ergießt, sinkt hier offenbar mit dem Pegel die Besorgnis.

10.28 Uhr: In Wittenberge wird Sand geschippt - Bürgermeister bedankt sich

In der Prignitz in Brandenburg wird am Dienstag der Scheitelpunkt des Elbehochwassers erwartet. Die Einsatzkräfte hatten im Havelland einen 3,5 Kilometer langen Notdeich errichtet, um nach dem Deichbruch in Fischbeck eine Überflutung der Region zu verhindern.

165.000 Sandsäcke haben die freiwilligen Helfer in Wittenberge (Prignitz) inzwischen gefüllt gegen die Elbe-Flut. "Ein riesengroßes Dankeschön an alle", sagt Bürgermeister Oliver Hermann.

10 Uhr: Altmaier schließt Enteignungen nicht aus

Angesichts der Hochwasserkatastrophe in Süd- und Ostdeutschland spricht sich Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) für drastische Maßnahmen aus, um für die Zukunft besser gerüstet zu sein. In der Zeitung „Passauer Neue Presse“ fordert er Bauverbote in überflutungsgefährdeten Gebieten, die gezielte Ausweisung von Vorflutflächen sowie auch Rückverlegungen von Deichen, um den Flüssen mehr Raum zu geben. Auch Enteignungen dürften nicht mehr ausgeschlossen werden. „Sie müssen aber immer die Ultima Ratio bleiben“, sagt der Minister.

9.30 Uhr: Wasser fließt Richtung Jerichow

Nach dem Deichbruch an der Elbe bei Fischbeck (Sachsen-Anhalt) ergießen sich die Wassermassen weiter ins Hinterland. Die Bundeswehr will nach Angaben des Krisenstabs der Landesregierung von Sachsen-Anhalt erneut versuchen, die Bruchstelle zu schließen. Das Wasser hat die Bundesstraße 107 zwischen Jerichow und Fischbeck überflutet. Inzwischen nähert es sich dem Stadtgebiet von Jerichow.

8.56 Uhr: Rösler sagt Hilfe zu

Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) will die Opfer des Hochwassers mit Pauschalzahlungen aus einem Fluthilfefonds unterstützen. Der Bund solle von Bund und Ländern gleichermaßen gefüllt werden, sagte Rösler am Dienstag im Inforadio des RBB. Nach dem Hochwasser 2002 habe es einen ähnlichen Fonds gegeben. „Das hat sich bewährt.“ Wie viel Geld über den Fonds zur Verfügung gestellt werden soll, ließ Rösler offen. Die Schäden ließen sich erst beurteilen, wenn das Wasser abgelaufen sei.

8.28 Uhr: Bahnstrecken weiter gesperrt

Die Sperrung einer Elbbrücke wegen Hochwassers in Sachsen-Anhalt sorgt weiter für Verspätungen im Fernbahnverkehr der Bahn. Betroffen sind nach Angaben der Deutschen Bahn die ICE-Verbindungen Berlin-Köln und Berlin-Frankfurt am Main. Wegen der Umleitungen könne es zu Verspätungen von bis zu drei Stunden kommen. Wie lange die Sperrung der Brücke dauern werde, sei noch nicht abzusehen, sagte ein Bahnsprecher am Dienstag.

7.49 Uhr: Sorgenkinder Spree und Elbe

Matthias Freude, Präsident des Landesamtes für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz hat seinen Urlaub vorzeitig beendet. Zur Hochwassersituation sagt er: „Sorgenkinder sind Spree und Elbe. Wir können die Abgabe von Wasser aus der Talsperre Spremberg nicht wie geplant drosseln, weil dort noch viel Wasser aus Sachsen ankommt. Kahnfahrten im Spreewald sind auch weiterhin nicht möglich. In Mühlberg an der Elbe sind die Wasserstände bereits um über einen halben Meter gesunken.“

7.15 Uhr: Lage weiter angespannt

Die Lage in den Ost- und Norddeutschen Hochwassergebieten ist weiter angespannt. In der Nacht zum Dienstag blieben die Pegelstände der Elbe jedoch weitgehend konstant. Im zur Sperrzone erklärten Dömitz in Mecklenburg-Vorpommern stagnierte der Wasserstand seit Montagabend bei 7,20 Metern. In Lauenburg in Schleswig-Holstein stieg er über Nacht leicht auf zuletzt 9,43 Meter. Der Höchststand wird am Donnerstag mit 10,15 Metern erwartet – das wäre dort der höchste jemals gemessene Wert.

In Hitzacker in Niedersachsen zeigte der Pegel in der Nacht 8,17 Meter. Der langjährige Mittelwert der Elbe liegt dort bei 2,67 Metern. Die Altstadt war bereits evakuiert worden. In der Prignitz in Brandenburg blieb die Lage kritisch, aber stabil – der Höhepunkt der Flutwelle wird am Dienstagmittag in Wittenberge erwartet.

An einem zuvor gebrochenen Deich bei Fischbeck in Sachsen-Anhalt kämpften Einsatzkräfte weiter gegen die Wassermassen. Aus Hubschraubern warfen sie bis zum späten Montagabend Sandsäcke ab, um die Fluten einzudämmen. Am frühen Dienstagmorgen sollte dies fortgesetzt werden. In Magdeburg gingen die Pegelstände indessen weiter zurück: 6,97 Meter wurden hier in der Nacht gemessen.

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