22.07 Uhr: Die Evakuierung dauert auch am späten Abend an

Die Evakuierung in Mühlberg und den angrenzenden Ortschaften betrifft laut Polizeisprecher Lutz Miersch insgesamt etwa 4500 Menschen. Die Polizei ist auch am späten Freitagabend noch immer mit Seelsorgern unterwegs und geht von Tür zu Tür.

22.01 Uhr: Eine neue Bundeswehreinheit übernimmt

Nach Einschätzung der Spezialisten wird sich der Hochwasserpegel der Elbe als sogenanntes „Plateau" über mehrere Tage bei einer Höhe von mehr als 9,50 Meter halten. Damit sind die Deiche über einen sehr langen Zeitraum extremem Druck ausgesetzt.

Am Freitagabend wurden 200 Bundeswehrkräfte abgezogen und durch eine andere Einheit ersetzt.

21.44 Uhr: Neue Zufahrt zum Deich wird gebaut

In Borschütz (Nähe Mühlberg) wird zur Zeit eine provisorische Straße an die gefährdete Deichanlage gebaut, um das nötige Material für die Stabilisierung der Deiche einfacher und schneller herbeischaffen zu können. Diese Arbeiten werden bis nach Mitternacht dauern.

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20.47 Uhr: Lastwagen bringen neue Sandsäcke

Die Farbe des Abends ist Rot in der Prignitz. Nicht nur wegen des Sonnenuntergangs, der sich über den weiten Wasserflächen der überschwemmten Elbauen ankündigt. In den Dörfern rund um Wittenberge stehen die Pumpen- und Mannschaftwagen der Freiwilligen Feuerwehren. Drumherum sitzen müde die Männer und Frauen in Blau.

Es herrscht Katastrophenalarm. Seit sechs Uhr in der Früh haben sie Sandsäcke gestapelt und Deiche befestigt, auch um ihre eigenen Dörfer. In der Flusslandschaft südlich von Wittenberge steht das Wasser schon in den Wiesen. Auf den Straßen donnern Lkw aneinander vorbei. Die einen bringen Sandsäcke, die anderen transportieren das letzte Vieh aus den gefährdeten Gebieten.

19.02 Uhr: Der Sonnenschein trügt

Die Polizei warnt abermals eindringlich davor, in Mühlberg zu bleiben. Vielen Einwohnern sei die Gefahr, die im Falle eines Deichbruchs auf sie zukäme, immer noch nicht bewusst. „Das Wetter ist schön, die Sonne scheint – da verdrängen etliche Bewohner die Gedanken an eine Katastrophe“, sagte Polizeisprecherin Ines Filohn.

18.57 Uhr: Lebensgefahr im Spreewald

Ab Mitternacht wird der gesamte Spreewald wegen des steigenden Hochwassers für Boote gesperrt. Dort sind Touren mit den beliebten Kähnen ebenso wie Kanufahren und Paddeln bis auf weiteres verboten, wie der Landkreis Spree-Neiße am Freitagabend mitteilte. Grund seien die starke Strömung und weiter steigende Wasserstände. Es sei eine weitere Erhöhung der Fließgeschwindigkeit des Wassers in den Spreewald-Armen zu erwarteten, teilte auch das Landesumweltamt mit. Es bestehe „erhebliche Gefahr für Leib und Leben“, heißt es weiter. Schon vorher war ein Teilbereich des Spreewaldes gesperrt worden.

18.55 Uhr: Innenminister Woidke liefert neue Einschätzung der Lage in Mühlberg

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18.32 Uhr: Polizisten gehen von Haus zu Haus

Seit 18 Uhr gehen in Mühlberg zwölf Teams mit je zwei Polizeibeamten und einem Notfallseelsorger mit Namenslisten von Haus zu Haus und versuchen, die letzten verbliebenen Bürger zum Gehen zu überreden. An vielen Türen macht bereits niemand mehr auf, viele Bewohner sind längst gegangen und entweder in den Notunterkünften oder bei Freunden untergekommen.

18.21 Uhr: „Wir saufen ab, so viel ist klar“

Die neue Hochwasser-Prognose bedeutet für viele Menschen in Wittenberge schwere Entscheidungen. Wie Radio-Koch Knut Diete, der an diesem Nachmittag beschlossen hat, sein Restaurant Kranhaus am Elbhafen von Wittenberge am morgigen Sonnabend zu schließen. Bisher hatte er vorgehabt, weiterzumachen. Das Restaurant im historischen Kranhaus und Terrasse mit Elbblick gehört zu den besten Adressen hier. Diete hat für Prominente wie Madonna oder Brad Pitt gekocht, seine Gäste kommen aus Hamburg, Berlin oder Hannover ebenso wie aus der Region.

„Wir saufen ab, so viel ist klar“, sagt er und bemüht sich um Fassung. Springt vom Stuhl auf, um Gäste persönlich zu begrüßen, wie er es mit allen macht. Setzt sich wieder und macht eine Rechnung auf: „Morgen tragen wir alles nach oben, Luftentfeuchter sind schon bestellt, eine neue Dielung auch.“

2002 hatte das Wasser zehn Zentimeter unter der Restaurant-Terrasse gestanden, bei einem Pegel von 7,40 Metern. Diesmal, so die Prognose, wird es nicht so glimpflich ausgehen. 8,09 Meter sind für Dienstagmorgen vorhergesagt. „Die Saison ist gelaufen.“ Zwar hoffe er, Mitte Juli wieder zu eröffnen. „Doch ob die Gäste dann wiederkommen, muss man sehen.“

Als Koch hat Knut Diete gelernt, Mengen und Zeiten im Kopf minutiös zu berechnen. Mit dem Hochwasser funktioniert das nicht. „Wir leben einerseits hier in der Prignitz umschlungen von der schönsten Natur“, sagt er und wird fast poetisch. Er ist in Wittenberge aufgewachsen. Doch Natur bedeute eben auch unbezwingbare Mächte. Kritik am Deichbau und Hochwasserschutz übt er nicht, ganz im Gegenteil. „Alles läuft hier sehr gut, auch jetzt, als Feuerwehr und andere Helfer in kürzester Zeit Spundwände errichtet und die Sandsäcke gestapelt haben.“ 200 Freibier hat er ihnen spendiert. Nun wird es sein vorerst letzter Abend im eigenen Restaurant.

17.40 Uhr: Prignitz-Landrat erwägt Öffnung der Havel-Polder

Um Entlastung für die Prignitz zu schaffen, erwägt Landrat Hans Lange, die Havel-Hochwasserpolder zu öffnen. Damit könnte der schnelle Anstieg der Elbe gemindert werden. „Wir müssen alle Optionen ziehen“, sagte Lange in Wittenberger. Das Hochwasser-Poldergebiet reicht von der Havelmündung beim Prignitzdörfchen Quitzöbel über Havelberg in Sachsen-Anhalt bis ins havelländische Rathenow. Insgesamt sechs Überflutungsflächen stehen entlang des sogenannten Havel-Schlauchs zur Verfügung. Im Idealfall können bis zu 140 Millionen Kubikmeter Hochwasser aufgenommen werden. Bei der Jahrhundertflut 2002 konnte der Elb-Wasserstand so um bis zu 30 Zentimeter gesenkt werden.

17.34 Uhr: Noch immer will nicht jeder gehen

Ein älterer Mann steht in der Herrenstraße vor seinem Haus und schaut neugierig die Straße rauf und runter. Ganz am Ende steigt eine Familie gerade in ihren Wagen; die Durchsagen der Polizei hallen am anderen Ende durch die leeren Gassen.

„Ich bleibe!“, ruft er fast trotzig. Auch 2002 sei er bis zum Ende geblieben, und dann von der Polizei zum Gehen gezwungen worden. Seine Frau liegt im Krankenhaus, Kinder oder Tiere hat er nicht. „Wenn das Wasser wirklich bis hier reinkommt, kann ich auch warten, bis es weg ist. Zu Essen und Trinken habe ich jedenfalls genug Zuhause.“

17.16 Uhr: Die letzten Bewohner verlassen Mühlberg

Mühlberg wird jetzt wortwörtlich menschenleer. Vor vielen Häusern stehen Autos mit offenen Kofferräumen, die Bewohner, die bis jetzt ausgeharrt haben, werfen die nötigsten Dinge in ihre Wagen und fahren davon.

Die eindringliche Warnung der Polizei hallt nun seit einer Stunde ohne Unterlass durch die Straßen: „Sie sind aktuell in der Stadt nicht mehr sicher. Die Lage ist ernst. Bringen Sie sich in Sicherheit. Verlassen Sie die Stadt.“ Die Bewohner sollen Mühlberg bis 18 Uhr verlassen, danach wird geräumt. Das hat anscheinend auch die Letzten überzeugt.

17.14 Uhr: Wittenberge braucht auch am Wochenende Freiwillige

Wittenberge braucht jetzt doch weitere Helfer zum Sandsäckefüllen. Gerade eben gab es eine neue Berechnung der Wasser- und Schiffahrtsverwaltung des Bundes: Nun prognostiziert man für die Elbe in Wittenberge einen höheren Stand als zunächst gedacht. Zuvor war der Wasserstand innerhalb von nur 24 Stunden um fast einen Meter gestiegen. Am Dienstag sollen es 8,09 Meter werden. Bis heute Mittag war der Scheitel des Hochwassers für Montag erwartet worden, bei einem Höchststand von 7,45 Metern. 2002 bei der Jahrhundertflut wurde am Pegel Wittenberge ein Spitzenwert von 7,34 Meter erreicht. Nur 1888 wurde dieser noch um 10 Zentimeter übertroffen. Die Stadtverwaltung bittet deshalb alle Freiwilligen, auch am Sonnabend und Sonntag jeweils ab 8 Uhr an den Sandsack-Füllplätzen einzufinden.

17.01 Uhr: Haus in Mühlberg verbarrikadiert

Ein Mann hat die Tür seines Haues mit Holzbrettern verrammelt, mit Plastikplanen abgedichtet und davor zusätzlich 60 bis 70 Sandsäcke bis auf anderthalb Meter Höhe gestapelt. Gerade ruft der Bekannte an, den die Familie aufsuchen wird, wenn Mühlberg gleich zwangsgeräumt wird. „Tessa können wir nicht hier lassen, wir wissen ja nicht, wie lange es dauern wird. Sie ist auch stubenrein“, sagt er. Der Collie neben ihm bellt aufgeregt.

16.33 Uhr: „Ein Gefühl der Zusammengehörigkeit, dass wir lange nicht gespürt haben“

„Wittenberge ist gut verpackt“, mit diesem Satz fasst Oliver Hermann, Bürgermeister der kleinen Elbe-Stadt, die Situation zusammen. Entlang dem Elbufer und dem Hafen ziehen sich sorgfältig gestapelt die Sandsäcke, die Anwohner, Feuerwehr und viele freiwillige Helfer aufgestapelt haben. Dahinter: eine Art Ostsee-Panorama wie aus dem Bilderbuch – nur dass es diese Wasserweiten kein Meer ist, sondern ein Fluss, die Elbe. Sie kriecht immer schneller auf die Stadt zu. Am Mitttag lag sie bei 6,15 Metern, noch am Morgen waren es 5,82 Meter gewesen.

„Na, und am Wochenende geht es dann richtig los“, sagt ein älterer Herr zu seiner Frau, das Paar sitzt in einem der Cafés an der Promenade. Es klingt fast vorfreudig. In Wittenberge ist das Wasser eine Attraktion – dieses Gefühl überwiegt. „Wir haben es bisher immer gut überstanden, das wird auch diesmal so sein, da bin ich sicher“, sagt Rainer Hornig. Der 69-Jährige hatte bis vor zwei Jahren einen Biergarten direkt hinterm Deich. „Beim letzten Hochwasser haben wir alles leergeräumt und vorsorglich eine Woche geschlossen, aber es blieb alles trocken“, erinnert er sich. Er hat sich mit Freunden im Restaurant Zum Fährmann getroffen, wo man den besten Blick auf den Yacht- und Fährhafen hat – theoretisch. Die meisten Besitzer haben die Boote in Sicherheit gebracht, vom Fähranleger schaut nur noch die Spitze heraus. „Während wir hier saßen, ist das Wasser mehrere Meter näher gekommen“, sagt Hornig und deutet auf den Parkplatz des Restaurants, auf dem das Wasser mehrere Zentimeter hoch steht. Kinder planschen darin, Hunde toben. An dieser Stelle ist die Elbe kein reißender Fluss. Noch nicht.

Spätestens am Sonntag könnte das anders sein. Der Scheitelpunkt des Elbhochwassers wird für Montag erwartet, 7,45 Meter sind vorausgesagt. „Für diese Höhe ist inzwischen alles vorbereitet“, sagt Christiane Schomaker, Pressesprecherin der Stadt. Fast 3000 Helfer füllten und stapelten Tausende Sandsäcke, so dass am Sonnabend und Sonntag pausiert werden kann. „Sandsäcke werden nicht mehr gefüllt, Helfer brauchen wir erst wieder am Montag um zehn“, sagt die Sprecherin. Unter den Helfern, fügt sie hinzu, seien ungewöhnlich viele junge Menschen, „das freut uns besonders.“

Denn das Hochwasser – oder wenigstens die Vorbereitungen – haben in Regionen wie Wittenberge einen Nebeneffekt, über den sich viele freuen: „Es entsteht ein Gefühl der Zusammengehörigkeit, dass wir lange nicht gespürt haben“, sagt Wolfram Woller. Der 76-Jährige hat erlebt, wie Wittenberge nach der Wende fast die Hälfte seiner Einwohner verlor – vor allem die Jungen zogen weg, der Arbeit hinterher. Heute gilt die Stadt selbst bei manchen betagten Einwohnern als „Stadt der Rollatoren“.

Diesen Eindruck hat man in diesen Tagen am Hafen nicht. Während die einen die letzten Sandsäcke verbauen, oder spazieren gehen und Handyfotos machen, stehen Grit und Randolf Leuschke auf ihrer Baustelle direkt am Deich. Sie bauen ein Café mit Pension – und wohnen selbst ein paar Häuser weiter unten, wo das Wasser zuerst ankommen wird. Zwar haben auch sie Sandsäcke gebunkert, für alle Fälle. „Für den unwahrscheinlichen Fall, dass das Wasser tatsächlich in die Stadt kommt", sagt Grit Leuschke. „Aber wir sind sehr optimistisch und wollen uns nicht anstecken lassen von Panikmache.“

Genau davor hatte am Morgen auch der Bürgermeister der 17.000-Einwohner-Stadt gewarnt. Dort hatten erste Banken ihre Filialen geschlossen, obwohl diese gar nicht im Hochwasser-Gefahrengebiet liegen. Das sei das falsche Signal, hatte Hermann gesagt – und immerhin eine Bank überzeugt, wieder zu öffnen.

16.16 Uhr: Woidke gibt Zwangsevakuierung bekannt

"Wir haben eben die schwere Entscheidung getroffen, eine Zwangsevakuierung von Mühlberg anzuordnen.“ Dies hat Brandenburgs Innenminister Dietmar Woidke, der den dritten Tag in Folge im Hafen von Mühlberg ist, mitgeteilt. „Sie startet um 18 Uhr und ist eine reine Vorsichtsmaßnahme. Wir haben keine akute Gefahrensituation, der Pegel steht derzeit bei 9,88 Meter“, sagte Woidke weiter. „Das sind zwar zehn Zentimeter weniger als 2002, das könnte beruhigend wirken, ist aber nicht so: Die Last wird 4-5 Tage auf die Deiche drücken, wir wissen nicht, wie es in 10 Stunden aussieht."

Das heißt: Die Leute werden nachdrücklich aufgefordert, Mühlberg zu verlassen. Es wird keinen polizeilichen Zwang geben, man wird also nicht die Häuser durchsuchen und die Menschen heraustragen. Es gehe um die Sicherheit, sagte Woidke, man hofft auf das Verständnis der Bürger. Die Einsatzkräfte sollen sich auf ihre Arbeit der Sicherung der Deiche konzentrieren können.

"Das ist jetzt der Beginn einer sehr, sehr kritischen Phase. Die Lage wird sich von Stunde zu Stunde verschärfen, die nächsten vier bis fünf Tage wird das so bleiben. Die Notunterkünfte sind vorbereitet, im Notfall auch für eine Woche."

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15.54 Uhr: Pegel in Mühlberg konstant

Ein Stein an der Wasserkante der Elbe im Hafen von Mühlberg zeigt an, dass der Pegel in den letzten vier Stunden nicht gestiegen ist: Der Stein liegt immer noch im Trockenen. Wie auch in den letzten Tagen treffen sich Mühlberger, die den Ort bislang nicht verlassen haben, hinter der Kaimauer und tauschen sich aus. „9,88 Meter haben sie eben im Radio gesagt“, sagt ein Mann. Die offizielle Telefonansage mit den aktuellen Pegelständen der Elbe in Mühlberg (034224-19429) ist seit Dienstag hoffnungslos überlastet und entweder dauerbesetzt oder nicht erreichbar.

15.42 Uhr: Sand im Halbstundenrhythmus

Im Halbstundenrhythmus fährt am Hafen in Mühlberg ein knallroter Lastwagen mit vollgepackter Ladefläche vor. „15 Tonnen Sand habe ich hinten drauf“, ruft der Fahrer gegen den Motorenlärm aus seinem Fenster. Bereits sechs Mal hat er heute Sand für die Verstärkung des Deichs gebracht. Ein Bagger fährt an den LKW heran und greift sich mit seiner Schaufel eine erste Fuhre. Der Fuß des Schutzwalls soll so gegen das Wegrutschen gesichert werden.

Über die Elbe nach Sachsen zu einem Kieswerk gehen die Touren des Fahrers: "Ich mache weiter, bis der Chef sagt ,aufhören!‘", ruft der Fahrer, die Sonne blendet, er muss jetzt weiter. Tour Nummer sieben wartet.

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15.09 Uhr: Schlafen im Einsatzfahrzeug

Auf dem Deich bei Fichtenberg arbeiten auch acht Kräfte des Technischen Hilfswerks aus Reinickendorf. Frederik Engel, 43, führt die Truppe an. Seit 27 Jahren arbeitet der gebürtige Reinickendorfer beim THW. Gestern Abend sei die Mannschaft ausgerückt, erzählt Engel, und ist jetzt gerade damit beschäftigt, gebündelte Nadelhölze, sogenannte Faschinen, auf ein Boot zu laden. "Die bringen wir zu unserer Einsatzstelle elbaufwärts und verstärken dort landseitig den Deich", sagt Engel. Auch seine Frau ist unter den acht Einsatzkräften und sitzt schon vorbereitet im THW-Boot.

Torsten Winkler kommt ebenfalls aus Reinickendorf, musste seine Lebensgefährtin aber zuhause in Berlin lassen. "Für die Familie ist das in Ordnung, denn es war ja absehbar, dass wir hier runter müssen", sagt er. "Mehr Probleme machen die kurzfristigen Einsätze", fügt er hinzu und lacht.

Wenig später treffen die Morgenpost-Reporter Winkler an seinem Einsatzfahrzeug wieder. "Erst vier Wochen alt", sagt der Berliner stolz und blickt lächelnd auf den 410 PS-starken Kraftprotz am Rand des Feldweges. 200.000 Euro koste so ein Fahrzeug, 9,50 Meter ist es lang, der Kran auf der Ladefläche erreicht eine Höhe von 22 Metern. "Damit können wir unsere Boote zu Wasser lassen, wenn wir Einsätze im schwierigen Gelände oder mitten in der Stadt haben", sagt Winkler. Sitzt man auch gut? "Wie in der Ersten Klasse, luftgefedert, alles vollelektronisch", schwärmt er. Im hinteren Bereich der Fahrerkabine ist sogar eine Schlafmöglichkeit untergebracht. "Einer der ganz langen aus unserem Team, der nicht auf das Feldbett passt, hat gestern Nacht hier geschlafen."

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14.50 Uhr: Rettungstaucher müssen in die Elbe

Zwischen Borschütz und Fichtenberg, nur wenige Kilometer von Mühlberg entfernt, haben sich auf einem schmalen Feldweg zum Deich auf mehreren Hundert Metern Länge gut 30 Einsatzfahrzeuge wie an einer Perlenkette aufgereiht. Technisches Hilfswerk, Feuerwehr, Bundeswehr und Wasserwacht sind da.

Aron Tripner (38) führt die Wasserwacht Falkenberg an. Mit fünf Leuten sind sie heute am Deich in Fichtenberg im Einsatz, zwei Rettungstaucher bereiten gerade ihren Einsatz im Elbwasser vor. "Wir knobeln noch, wer rein muss", scherzt Chris Kabierske, obwohl längst klar ist, dass er es ist, der gleich ins knapp 12 Grad kalte Wasser muss.

"Wir waren am Dienstag schon beim Deichbruch an der Schwarzen Elster in Arnsnesta im Einsatz", erzählt Kabierske, während er Sauerstoffflaschen und Neoprenanzug bereit stellt. Neun Millimeter ist der Anzug stark, der Inhalt der Flasche reicht für etwa eine Stunde Arbeit unter Wasser. "Normalerweise schaffen wir damit anderthalb Stunden", sagt Trippner, aber der Einsatz im fließenden Gewässer der Elbe sei für den Taucher so anstrengend, dass der Sauerstoff schneller aufgebraucht sei.

Ein Boot des THW wird die Wasserwacht gleich an die Einsatzstelle in etwa 500 Metern Entfernung bringen. Kabierske geht ins Wasser, sein Kollege Andreas Kunze bleibt in voller Montur im Boot und kann im Notfall sofort eingreifen. Auf dem Deich steht ein "Signalmann", der mit einer zusätzlichen Sicherungsleine mit dem Taucher verbunden ist.

Unter Wasser muss Kabierske eine Folie an den Deich legen und mit Sandsäcken beschweren. "Sicht hat man dort unten genau Null, das geht alles nur über Fühlen", erzählt der Taucher. Er war 1997 schon im Oderbruch im Einsatz, kennt sich also mit den Gefahren der starken Strömung gut aus.

"Deichrutsche sind auch immer elbseitig möglich", sagt Chef Trippner. Wenn es dazu kommt, besteht die Gefahr eines Sogs, der den Einsatztaucher mit sich reißen kann.

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14.06 Uhr: Höfe können nicht an Landpartie teilnehmen

Erste Höfe haben wegen des Hochwassers ihre Teilnahme an der Brandenburger Landpartie an diesem Wochenende abgesagt. Vier Betriebe in Nähe der Spree und Schwarzen Elster haben sich abgemeldet, teilte der Verband zur Förderung des ländlichen Raumes in der Region pro agro als Veranstalter am Freitag mit.

Nicht dabei sind das Aueroxenreservat Spreeaue (Spree-Neiße), der Landwirtschaftsbetrieb und Vermarktung Jörg Bieligk, der „Tag der offenen Gärten“ in Haida und der Bauerngarten/ Landhof Wehle - Oberer Gasthof (alle Elbe-Elster). Eingeschränkt teilnehmen wird das Landgut Pretschen GmbH & Co. KG, (Dahme-Spreewald).

13.16 Uhr Mittagessen für die Helfer

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12.41 Uhr: Deich wird verstärkt - Wasser sickert durch

Am Hafen in Mühlberg verstärken Einsatzkräfte den Deich stadtseitig mit Geotextilien. Damit soll ein Abrutschen verhindert werden. Die Lage bleibt aber weiterhin angespannt: "Es sickert überall", sagt Polizeisprecherin Ines Filohn. Für den Bereich Borschütz, unweit von Mühlberg, wurden gerade Taucher angefordert, die den Deich elbseitig verstärken sollen.

Landrat Christian Jaschinski kann eine Stagnation des Pegelstands bisher nicht bestätigen: "Meine letzte Meldung ist, dass der Pegel ein Zentimeter pro Stunde steigt." Die Situation verschärfe sich durch die lang anhaltende Belastung der Deiche, man müsse sie akribisch beobachten.

"Wir bitten die Bürger weiterhin eindringlich, Mühlberg zu verlassen. Man kann nur an die Vernunft appellieren", sagte Jaschinski. Seinen Angaben zufolge sollen bislang etwa 1500 Personen freiwillig gegangen sein.

An der Schwarzen Elster stagnieren die Pegel zwischen 3m und 3,40m. "Schadensmeldungen kommen für diesen Bereich ständig rein und werden dann von den Experten begutachtet", so Jaschinski.

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11.34 Uhr: Mückenschutz und Toilettenpapier für Fluthelfer

Von Brötchen bis Sonnencreme: Der Landkreis Barnim hat alle 141 Feuerwehrleute, die seit Donnerstag an der Elbe eingesetzt sind, mit allerlei nützlichen Dingen ausgestattet. Sie bekamen Mückenspray, Klopapier und Sonnencreme. Jedem Helfer sei außerdem eine Tüte mit Brötchen, Buletten, Obst und einem Schokoriegel gepackt worden, sagt der Sprecher des Kreises. Dafür seien Mitarbeiter der Kreisverwaltung um sechs Uhr morgens schon einkaufen gewesen. Die 141 Frauen und Männer kommen von allen Wehren des Landkreises. Ihr Einsatz in Wittenberge (Prignitz) läuft voraussichtlich bis Sonnabend.

11.31 Uhr: In der Prignitz Warnstufe 3 erwartet

Am Prignitzer Elbabschnitt wird für Freitag die Hochwasser-Alarmstufe 3 erwartet. Am Freitagabend stand das Wasser am Pegel Wittenberge bei 6,02 Meter. „Wir erwarten an unserem Elbabschnitt am Montag einen ersten Hochwasserscheitel von bis zu 7,45 Meter“, sagt Prignitz-Landrat Hans Lange (CDU). Bis dahin werde es „definitiv“ keine Evakuierungen geben, betont er. Am Montag soll dann erneut über mögliche Evakuierungen beraten werden. Die Deiche in der Prignitz sind bis zu einem Wasserstand von 7,45 Meter plus einen Meter Reserve ausgelegt.

2002 bei der Jahrhundertflut wurde am Pegel Wittenberge ein Spitzenwert von 7,34 Meter erreicht. Nur 1888 wurde dieser noch um zehn Zentimeter übertroffen. „Wenn die 6,30 Meter erreicht werden, schicken wir die Deichläufer bei uns in der Prignitz ihre Arbeit aufnehmen“, erklärte Lange.

11.23 Uhr: Sechs Tonnen Gewicht drücken gegen Deich

Das größte Problem sehen die Behörden nicht in der Höhe des Wasserstandes in Mühlberg, sondern in der Dauer des Hochwassers. Sie rechnen damit, dass es noch etwa eine Woche lang Druck auf die Deiche ausüben wird. Je Quadratmeter drückten sechs Tonnen Gewicht dagegen. Der Krisenstab befürchtet, dass das Wasser an einzelnen schwachen Stellen durchkommt.

11.20 Uhr: Zwangsevakuierung von Mühlberg bisher abgelehnt

Vier Notfallseelsorger versuchen gemeinsam mit Polizisten, die Menschen zum Verlassen von Mühlberg an der Elbe bewegen. Sie stoßen oft auf Ablehnung, berichtet Polizeisprecherin Ines Filohn. Vielen Einwohnern sei die Gefahr, die im Falle eines Deichbruches auf sie zukäme, immer noch nicht bewusst. „Das Wetter ist schön, die Sonne scheint – da verdrängen etliche Bewohner die Gedanken an eine Katastrophe“, sagt sie. Innenminister Dietmar Woidke (SPD) hat bisher eine Zwangsevakuierung abgelehnt. Er wird am Freitag erneut in der Stadt sein.

10.50 Uhr: Spreeufer in Cottbus gesperrt

Das Hochwasser steigt auch an der Spree. In Cottbus sind die Fußgängerbrücken über den Fluss gesperrt worden. Die Stadt warnt vor Besuchen am Ufer, weil Bäume auf den Deichen umstürzen könnten.

10.39 Uhr: Historischer Höchststand in Magdeburg

Im rund 135 Kilometer von Mühlberg entfernten Magdeburg (Sachsen-Anhalt) hat das Elbehochwasser am Freitag die Sieben-Meter-Marke überschritten und damit einen historischen Höchststand erreicht. Der Pegel lag am Morgen bei 7,03 Meter und damit deutlich über der Jahrhundertflut von 2002, als das Wasser auf 6,80 Meter stieg, wie eine Sprecherin der Hochwasservorhersagezentrale sagt.

Mit dem Höchststand wird am Wochenende gerechnet. Nach Angaben der Behörden könnte der Pegel bis Sonntag auf 7,20 Meter steigen. Nach Angaben der Stadt sind die Deiche für diese Höhe ausgelegt. Mit großflächigen Überflutungen sei aber im Stadtgebiet nicht zu rechnen.

10.25 Uhr: Lage in der Prignitz verschärft sich

Auch an der Elbe im Landkreis Prignitz steigt das Wasser. Der Höchststand wird am Sonnabend erwartet. Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) hatte am Donnerstagabend den Kreis besucht. „Wenn ich das alles hier so sehe, habe ich ein gutes Gefühl“, sagte der SPD-Politiker. So sei ein 1,6 Kilometer langes Deichbauprojekt zwei Monate früher als geplant fertig geworden. „Dieser Abschnitt hat uns bei früheren Hochwasserlagen immer Sorgen bereitet, jetzt aber nie wieder“, betonte Platzeck.

10.16 Uhr: Angespannte Lage in Mühlberg vor Elbe-Scheitel

Wenige Stunden vor Eintreffen des Hochwasserscheitels der Elbe in Mühlberg (Elbe-Elster) wächst in der Stadt die Anspannung. Die Evakuierung der Stadt komme nur schleppend voran, sagt eine Polizeisprecherin. Bisher hätten erst mehrere hundert der 2100 betroffenen Einwohner ihre Wohnungen verlassen.

Einsatzkräfte brachten im Ortsteil Borschütz einen Deichrutsch auf 150 Meter Länge unter Kontrolle.

Derweil führt die Schwarze Elster weiter hohe Pegelstände. Bei Herzberg wird ein Deichabschnitt stabilisiert.

9.30 Uhr: Druck auf die Deiche in Mühlberg kritisch

Die Lage ist nach Angaben der Koordinierungsstelle Katastrophenschutz in Mühlberg an der Elbe am Freitagmorgen äußerst kritisch. Dort stieg das Wasser am Morgen auf 9,89 Meter. Am Mittag soll der Höchststand erreicht werden. Stündlich nimmt der Wasserstand um knapp einen Zentimeter zu. „Die Lage ist ganz, ganz schwierig“, sagt Wolfgang Brandt von der Koordinierungsstelle.

Angelegt sind die Deiche in der Stadt auf zehn Meter Wasserhöhe, 2002 stieg das Hochwasser auf 9,98 Meter. Die 2100 Einwohner, die die Stadt freiwillig verlassen sollten, sind bisher zu großen Teilen geblieben. Das größte Problem ist laut der Koordinierungsstelle nicht die Höhe des Wasserstandes, sondern die Dauer des Hochwassers. Brandt rechnet damit, dass es noch etwa eine Woche lang Druck auf die Deiche ausüben wird.

8.27 Uhr Im Spreewald ist Kanufahren und Paddeln verboten

Aufgrund des Hochwassers ist es im Spreewald seit Freitag untersagt, mit Kanus oder Ruderbooten zu fahren. Wie lange das Verbot noch gelten wird, ist noch nicht absehbar, wie der Krisenstab in Lübbenau (Oberspreewald-Lausitz) am Freitag mitteilte.

Den Spreewald durchziehen unzählige bei Wasserwanderern beliebte Fließe – mit einer Länge von zusammen 970 Kilometern. Vor allem im Sommer lockt diese in Deutschland einmalige Landschaft zahlreiche Wassertouristen an.

Die ebenfalls beliebten Kahnfahrten mit Berufs-Schiffern sind nach Angaben einer Sprecherin des Großen Spreewaldhafens Lübbenau weiter erlaubt.

8.09 Uhr: Erste Alarmsignale im Mühlberger Hafen

Rund um den Hafen von Mühlberg ist aus einiger Entfernung das Aufheulen der Sirenen zu hören. Nach Angaben von Feuerwehrleuten vor Ort könnte das dreifache Alarmsignal ein Zeichen dafür sein, dass unweit von Mühlberg das Wasser der Elbe über den Deich getreten ist. Wahrscheinlich sei die gegenüberliegende Seite der Elbe betroffen. Die Feuerwehr rückte infolgedessen vom Hafen ab. Bestätigt ist dies allerdings noch nicht.

In der Stadt Mühlberg stieg der Grundwasserpegel an verschieden Stellen an. Das Wasser wird weiterhin stark nach oben gedrückt. Dabei ist schon zu beobachten, wie es in einige Gärten in Deichnähe hineinläuft.

7.20 Uhr Scheitelwelle der Elbeflut soll Mühlberg erreichen

Innenminister Dietmar Woidke (SPD) will erneut in Mühlberg vor Ort sein - den dritten Tag in Folge. „Derzeit haben wir landesweit die schwierigste Situation in Mühlberg“, so sein Sprecher Ingo Decker.

Die Verantwortlichen bewerten die Situation als äußerst kritisch, wagen aber noch keine Prognose.

6.33 Uhr: Hochwasser an der Elbe sorgt für Verspätungen der Bahn

Im Fernbahnverkehr von und nach Berlin kommt es aufgrund der Hochwasser-Lage zu Verspätungen.

Bei Lutherstadt Wittenberg in Sachsen-Anhalt mussten die Gleise gesperrt werden, wie die Deutsche Bahn mitteilte.

Die Fernzüge würden über Dessau umgeleitet. Das verursache Verspätungen von einer knappen Stunde auf der Strecke Hamburg-München.

6.21 Uhr: Scheitelwelle der Elbeflut in den nächsten Tagen in Brandenburg erwartet

Innenminister Dietmar Woidke (SPD) schätzt die Situation schwieriger ein als bei der Jahrhundertflut 2002. "Mit jeder Stunde, die es länger dauert, wird es schwieriger werden", sagte der Minister. Die Behörden gehen davon aus, dass die Flut die Menschen in den betroffenen Regionen noch bis zu rund anderthalb Wochen bangen und hoffen lassen wird.

Es bleibt ungewiss, ob die Flut bis mit den Hochwasserkämmen aus den Zuflüssen wie Mulde und Saale zusammentreffen wird – und ob sich die Mengen addieren. Die auf Brandenburg zuwogenden Wassermengen lassen sich deshalb nur schwer berechnen. "Es ist eben nicht nur die Elbe, die kommt. Dieses Mal kommen alle Nebenflüsse mit großer Wucht mit dazu, und das ist die Rechnung, die schwierig wird", sagte Woidke.

6.14 Uhr Situation in Mühlberg bleibt kritisch

"Es wird zur Sicherung von Mühlberg Glück gehören", meinte Woidke. Er besuchte die Stadt erneut und schaute sich die Situation aus der Luft an. Der Wasserstand sei sehr hoch und nicht alle Deiche in einem guten Zustand, hieß es.

Rund um die Uhr sind 600 Einsatzkräfte tätig. Ein Pflegeheim in der Altstadt wurde bereits evakuiert, die Senioren kamen in Tröbitz (Kreis Elbe-Elster) unter. Rund 2100 weitere Anwohner sind aufgefordert, freiwillig ihre Wohnungen zu verlassen. Notunterkünfte stehen in Tröberitz und Schönborn bereit. Laut Polizei hatten am Nachmittag erst etwa 90 Menschen das Angebot angenommen.

6.09 Uhr: Deich in Bad Liebenwerda durch Hochwasser aus der Schwarzen Elster gefährdet

Der Dammbruch von Mittwoch in Herzberg ist unter Kontrolle. In beiden Orten ist die Scheitelwelle jedoch laut Landesumweltamt durch. In Bad Liebenwerda erreichte das Wasser zuletzt 3,32 Meter, in Herzberg 3,49 Meter.

Im Landkreis Prignitz sichern Hunderte Helfer die Dämme. Noch nicht sanierte Deiche werden aufgefüllt beziehungsweise erhöht. Laut Innenministerium wird ein erster Höchststand der Elbe am Samstag mit 7,91 Meter erwartet. Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) machte sich am Abend ein Bild von der Situation. "Wir gehen von dem Schlimmsten aus – hoffen aber, dass es nicht eintrifft", sagte er.

6.02 Uhr: Hochwasserscheitel der Spree erreicht Spremberg

Am Pegel in der Stadt Spremberg registrierte das Landesumweltamt am Donnerstag bereits 4,49 Meter Wasserhöhe, das waren elf Zentimeter weniger als beim historischen Rekordwert von 1981.

Zwischen der Landesgrenze zu Sachsen und Spremberg gilt weiter die höchste Alarmstufe 4. Um die fast randvoll gefüllte Talsperre Spremberg zu entlasten, wurde die Abgabemenge auf 110 Kubikmeter pro Sekunde in Richtung Cottbus erhöht, das ist sechsmal mehr als sonst. Dadurch steigen die Wasserstände in Cottbus. Erwartet wird jedoch lediglich eine Alarmstufe 2.

Die aus Sachsen kommende Hochwasserwelle der Lausitzer Neiße rollt langsam auf die Oder zu. Die sechs Meter hohe Scheitelwelle passierte in der Nacht zum Donnerstag den Pegel Guben (Spree-Neiße), wie die Stadtverwaltung mitteilte. An der Landesgrenze zu Sachsen bis Briesnig südlich von Guben gilt nun die Alarmstufe 2. Für den Flussabschnitt von Briesnig über Guben bis zur Mündung in die Oder bei Ratzdorf (Oder-Spree) bleibt die Stufe 3 bestehen. Die Oder steigt weiter an, dort gilt inzwischen am Pegel Ratzdorf und Eisenhüttenstadt die niedrigste Alarmstufe 1. Landesweit sind rund 1500 Helfer des Katastrophenschutzes im Einsatz. Mehr als 1,1 Millionen Sandsäcke wurden laut Krisenmanagement gestapelt.

6 Uhr: Zu hohe Belastung der Helfer

Der Präsident des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, Christoph Unger, hat sich für eine Ablösung der Hilfskräfte in den Hochwassergebieten ausgesprochen.

Die Belastung der Helfer, die seit Tagen im Einsatz sind, mache auch angesichts der steigenden Temperaturen "bange", sagte Unger.

Sie müssten durch Einsatzkräfte aus anderen Bundesländern ersetzt werden. Auch die Bundeswehr sei da ein unerlässlicher Partner, betonte er. Die Wege zu Einsätzen in Katastrophenregionen seien aber durch die Reduzierung der Standorte weiter geworden.

Unger beklagte außerdem, dass die "Selbsthilfefähigkeit" der Bevölkerung "nicht ausreichend ausgebildet" sei. Die Menschen müssten auf Krisensituationen wie Hochwasser besser vorbereitet sein.

Brandenburg kämpft gegen das Hochwasser. Auch am heutigen Freitag sind die Morgenpost-Reporter live vor Ort und berichten.

BM