Liveblog

Hochwasser in Brandenburg - Merkel verspricht weitere Hilfen

| Lesedauer: 27 Minuten

Die Elbe wird einen neuen Höchststand in der Prignitz erreichen. Seit Tagen haben sich die Menschen darauf vorbereitet. Der Hochwasser-Tag in Brandenburg im Liveblog.

+++ 19.52 Uhr +++ Tauchtrupp sichert Deiche in Perleberg

Die Deiche in Perleberg werden von einem Tauchtrupp und einem Sechs-Mann-Boot des deutschen Roten Kreuzes gesichert. Außerdem transportieren Boote der Wasserwacht bis zu 1,5 Tonnen Sandsäcke. Für die Bootsführer eine große Herausforderung, so ein Sprecher. Bei der starken Strömung seien die schwer beladenen Fahrzeuge schwierig zu manövrieren.

+++ 19.16 Uhr +++ IHK will Brandenburger Unternehmen schnell helfen

Die Industrie- und Handelskammer Potsdam will den vom Hochwasser betroffenen Unternehmen schnell und unkompliziert helfen. Das versprach Hauptgeschäftsführer René Kohl am Montag. Die IHK-Regional-Center in Pritzwalk und Brandenburg/Havel böten deshalb ab sofort konkrete Hilfe an: So sollen Sachverständige kurzfristig vermittelt werden und Mitarbeiter bei Anträgen für Finanzhilfen behilflich sein.

+++ 19.08 Uhr +++ Abschied von der Bundeswehr

Die Menschen in Mühlberg wissen, dass die Fluten nur durch den unermüdlichen Einsatz der vielen Helfer von der Stadt abgehalten werden konnten. Zu den Kräften gehörten 250 Soldaten des Aufklärungsbataillons 13 aus Gotha. Bevor diese nun nach Thüringen zurückkehren, sollen sie an diesem Dienstag ordentlich verabschiedet werden. Landrat Christian Jaschinski (CDU) und Bürgermeisterin Hannelore Brendel (parteilos) laden dafür auf den Neustädter Markt ein.

+++ 18.43 Uhr +++ „Sie sind mit Frau Merkel hier?“

Der Besuch von Angela Merkel in Nordwesten Brandenburgs zeigte auch im Restaurant „Alte Ölmühle“, in Wittenberge seine Wirkung: Zwei Gäste setzen sich. Der Kellner kommt und fragt: „Guten Abend, wohnen Sie im Hotel? Sie sind mit Frau Merkel hier? Mit dem Fernsehen?“ Die Gäste schütteln die Köpfe. „Dann habe ich leider geschlossen.“

17.02 Uhr: Merkel sichert Hochwasseropfern weitere Unterstützung zu

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat den Opfern des Hochwassers weitere Unterstützung zugesichert.

„Der Bund wird da die Menschen nicht im Stich lassen“, sagte Merkel bei einem Besuch an der Elbe in Wittenberge am Montag. Sie wisse, dass die Schäden in die Milliarden gehe werden.

Wie hoch sie genau seien, stehe noch nicht fest. „Wir haben die unbürokratische Soforthilfe des Bundes“, sagte sie. Das sei das Erste, was man machen konnte.

Am Donnerstag werde sie mit den Ministerpräsidenten der betroffenen Länder über weitere Hilfen beraten, kündigte Merkel an.

16.51 Uhr: Elbewasser strömt jetzt in die Havel

Der Wasserstand der Havel ist seit der Flutung der Havelpolder stark angestiegen. Am Sonntag war ein Wehr geöffnet worden. Das Elbewasser strömt mit großer Gewalt die Havel hinauf.

Am Pegel Havelberg Stadt war heute morgen mit 4,41 m ein Anstieg von 58 cm gegenüber dem Vortag zu verzeichnen. Es gilt die Alarmstufe 4.

Die Staustufen der Havel von Berlin-Spandau bis Rathenow werden jetzt so gesteuert, dass der Zufluss in Richtung Havelberg vorerst abnimmt. Durch zuströmendes Wasser aus den aktuellen Deichbrüchen in Sachsen-Anhalt, die ebenfalls die Polder auffüllen, kann die Wasserzuführung bis Mitternacht eingestellt werden.

16.36 Uhr: Städtebund fordert Katastrophenschutzfonds für Brandenburg

Angesichts der enormen Hochwasser-Schäden hat der Städte- und Gemeindebund einen Katastrophenschutzfonds gefordert. „Wir sind ein Fluss- und Seenland, dann muss auch für den Katastrophenschutzfall mehr an Landesmitteln zur Verfügung stehen“, sagte der Geschäftsführer des Verbandes in Brandenburg, Karl-Ludwig Böttcher, am Montag im rbb-Inforadio. Derzeit würden Kommunen, die sich wegen ihre Lage an Gewässern besonders beim Hochwasserschutz engagierten, benachteiligt. „Das Land sollte seine einseitige Philosophie „Jeder ist Träger seiner eigenen Aufgaben“ überdenken“, meinte Böttcher.

Aus seiner Sicht werden zudem die Kommunen zu wenig einbezogen bei der Abstimmung von Konzepten. Die Zusammenarbeit zwischen den Fachressorts bei den Landesregierungen sei dagegen sicherlich gut, sagte Böttcher. „Der Katastrophenschutz vor Ort klappt hervorragend.“ Man dürfe jedoch nicht bis zur nächsten Flut warten, um mit den Städten und Kommunen abgestimmte Konzepte zu entwickeln.

16.21 Uhr: Landkreis Uckermark ruft Alarmstufe 2 aus

Für einen knapp 30 Kilometer langen Oder-Abschnitt hat der Landkreis Uckermark die Hochwasser-Alarmstufe 2 ausgerufen. Am Pegel bei Stützkow stieg der Fluss von Sonntag zu Montag um 30 Zentimeter an, teilte das Hochwassermeldezentrum in Frankfurt (Oder) am Montag mit. Da das Wasser den Richtwert für die Alarmstufe 3 nur gering überschreiten werde, werde diese Alarmstufe zunächst nicht ausgerufen. Am Montagmorgen stand das Wasser dort bei 8,68 Meter. Für die Oder in den Landkreisen Oder-Spree, Märkisch-Oderland sowie in Frankfurt gilt weiterhin Warnstufe 1. Beim Hochwasser im Jahr 1997 waren am Pegel in Frankfurt 6,56 Meter gemessen worden – am Montag waren es 4,36 Meter.

16.21 Uhr: Merkel mit Hubschrauber in Brandenburgs Hochwassergebiet

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich am Montag in der Prignitz ein Bild von der Hochwassersituation im Norden Brandenburgs verschafft. Merkel war mit einem Hubschrauber gelandet und ließ sich zunächst in der Feuerwache von Wittenberge über die Prognosen und die Vorbereitungen auf die Flut in der Region informieren. In Wittenberge wird am Dienstag die Flutwelle der Elbe erwartet. Unklar war zunächst noch, ob sich der Dammbruch von Fischbeck in Sachsen-Anhalt in der Nacht zum Montag auswirken wird. Anschließend wollte Merkel den zentralen Sandverfüllplatz von Wittenberge an der alten Ölmühle direkt an der Elbe besuchen. Dort sind seit Tagen Helfer im Einsatz, um Sandsäcke zu füllen. Begleitet wird Merkel unter anderem von Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD).

XHTML Pegelstand Wittenberge

16.13 Uhr: Provisorische Deiche bei Havelberg wachsen

Südlich von Havelberg in Sachsen-Anhalt wachsen die provisorischen Deiche. In den Dörfern sammeln sich Feuerwehren, Militär, Technisches Hilfswerk. Die Geschäfte, die am Morgen noch geöffnet waren, sind mittlerweile geschlossen. 1500 Menschen müssen nach Deichbrüchen ihre Häuser verlassen. Die Stadt Havelberg selbst ist offenbar nicht in akuter Gefahr. Hier läuft das Leben wie jeden Tag.

16.02 Uhr: Zugverkehr von und nach Berlin wegen Hochwasser behindert

Das Hochwasser behindert auch weiterhin den Bahnverkehr. Wegen der Sperrung einer Elbbrücke bei Schönhausen in Sachsen-Anhalt kommt es auf den Strecken zwischen Hannover und Berlin sowie Frankfurt/Main und Berlin noch immer zu Verspätungen von einer bis zu etwa drei Stunden, wie die Deutsche Bahn am Montag mitteilte. Außerdem fallen einige Zugverbindungen aus. Da die Brücke möglicherweise auch am Dienstag gesperrt bleibe, müssten Reisende weiterhin mit starken Einschränkungen rechnen, sagte ein Sprecher der Bahn. Die Elbbrücke war wegen eines Deichbruchs bei Fischbeck am frühen Morgen gesperrt worden.

Besonders betroffen ist die viel genutzte Ost-West-Verbindung der ICE-Linie 10 von Berlin über Hannover und Hamm nach Düsseldorf und Köln. Sie wird zwischen Berlin und Hannover über Wittenberge-Stendal-Wolfsburg umgeleitet. Das ist die Hauptstrecke nach Hamburg, deshalb verspäten sich auch die Züge von Berlin in die Hansestadt. Der ICE von Berlin-Frankfurt/Main nach München wird ab Göttingen nach Hannover umgeleitet und endet dort.

Die ICE-Linie 12 von Berlin über Frankfurt/Main nach Basel wird ab Fulda über Erfurt und Halle umgeleitet. Die Halte Kassel, Göttingen, Hildesheim, Braunschweig und Wolfsburg fallen aus. Der IC von Amsterdam fährt nur bis Hannover. Wieder planmäßig fahren die Züge der ICE-Linie 28 von Hamburg über Berlin und Leipzig nach München.

Die Bahn reagiert mit Ausnahmeregelungen auf die Hochwasserlage. Bis 23. Juni werden die Kosten für Fahrkarten und Reservierungen bei Verspätungen oder Ausfällen erstattet, wenn Reisende die Fahrt nicht antreten möchten. Tickets mit Zugbindung können auf eine andere, zeitnahe Verbindung umgeschrieben werden.

15.43 Uhr: Warum ein Bauer seinen Hof nicht verlassen will

Ein Bauer steht fassungslos auf einer Brücke der B188 bei Wust und schaut auf die weite Wasserfläche. Sechs Kilometer liege die Elbe entfernt, sagt er. Jetzt fließt sie unter seinen Füßen. Von seinen 80 Hektar Getreidefeldern stehen drei Viertel unter Wasser. Die Dörfer rund herum stehen unter Wasser oder werden gerade evakuiert. Doch der Mann sagt, er werde auf jeden Fall auf seinem Hof bei den Pferden bleiben. Nie sei das Wasser so weit gekommen. Nur ein Hochwasser habe je sein Dorf erreicht. "Im Jahr 1865 konnte man laut unserer Dorfchronik im Kahn von Tangermünde bis Rathenow fahren."

15.19 Uhr: Krisenstab entmachtet

Das Land Sachsen-Anhalt hat den Katastrophenschutzstab im Landkreis Stendal entmacht und übernimmt die Krisenkoordination für das Gebiet selbst. Grund sei die zugespitzte Lage im Katastrophengebiet. Nach dem Deichbruch bei Fischbeck sei eine länderübergreifende Zusammenarbeit und ein größerer Bundeswehreinsatz notwendig.

Auf Vorwürfe gegen den örtlichen Krisenstab ging die Sprecherin nicht ein. „Es geht jetzt nicht um die Bewertung, sondern um die Bewältigung der Krise“, sagte Sprecherin Anke Reppin. Zuvor war von regionalen Einsatzkräften aus Brandenburg kritisiert worden, dass der Landkreis Stendal unzureichend Kräfte einsetze und damit auch eine Überflutung von brandenburgischen Gebieten riskiere.

Der brandenburgische Landkreis Havelland teilte in einer schriftlichen Erklärung mit, es habe einen weiteren Deichbruch bei Hohengöhren auf dem Gebiet des Landkreises Stendal gegeben. „Die Hubschrauber sind unterwegs“, sagte eine Sprecherin in Stendal. Sie konnte aber den Deichbruch aber zunächst nicht bestätigen.

Am frühen Morgen soll es zwei Böschungsabrutsche gegeben haben. Das neue Loch sei 100 bis 120 Meter breit, also doppelt so groß wie jenes im nahen Fischbeck, hieß es. Von dort fließen schon seit der Nacht die Wassermassen in die Ebene und die Dörfer zwischen Elbe und Havel.

Die Landesregierung von Brandenburg wollte sich zunächst nicht äußern.

14.20 Uhr: In Rathenow gibt es keinen Sand mehr

Vor Rathenow flutet das Wasser die Dörfer, aber in der Stadt selbst ist offenbar ist niemand beunruhigt. Zwar ist eine Brücke halbseitig gesperrt, aber nur, weil das Geländer gestrichen wird. Blaulicht bedeutet hier einfach nur: Krankenwagen. Im Rathaus herrscht Gelassenheit. Rathenow selbst sei nicht akut bedroht, heißt es in der Pressestelle, weil das Wasser über Stauwehre an der Stadt vorbei geführt würden. Zwar haben auch die Rathenower gestern fleißig Sandsäcke geschippt und an mögliche Betroffene verteilt worden. Aber inzwischen sei der Sand alle.

13.30 Uhr So können Sie Flutopfern helfen

Mehrere Hilfsorganisationen sammeln Geldspenden für Flutopfer:

Diakonie Katastrophenhilfe: Stichwort "Fluthilfe", Konto 502502, Evang. Darlehensgenoss., BLZ 21060237; Caritas international: Stichwort "Hochwasseropfer 2013", Konto 202, Bank für Sozialwirtschaft, Karlsruhe, BLZ 66020500;

DRK Sachsen: Stichwort "Nachbarn in Not", Konto 414141, Bank für Sozialwirtschaft, Köln, BLZ 37020500

DLRG: Stichwort "Flutopferhilfe 2013" oder "Hochwassereinsatz 2013", Konto 7309000000, Volksbank Schaumburg, BLZ 25591413

13.10 Uhr: Schönhausener sollen ihren Ort verlassen

Mehrere Dörfer in der Nähe von Fischbeck in Sachsen-Anhalt werden zur Zeit evakuiert. Nach dem Dammbruch auf rund 60 Metern strömt das Wasser immer schneller in die Niederung zwischen Elbe und Havel.

Der Ort Schönhausen wird momentan von allen Seiten vom Wasser umschlossen. Rasend schnell. Busse fahren die Anwohner nach Stendal und Havelberg.

Die Gesichter der Menschen sind ernst. Eine ältere Frau hält ihren Hund umklammert und schaut fassungslos auf die Seenlandschaft, die sie rundum ausbreitet. Feuerwehrautos und Lkw fahren mit großen Fontänen durch die große Pfütze, die am Dorfeingang immer schneller wächst.

2300 Einwohner hat die Gemeinde, doch nicht alle wollen gehen. Feuerwehr und Polizei versuchen sie zu überzeugen. „Die sind doch bescheuert“, regt sich ein Feuerwehrmann auf.

Die Fluten in Schönhausen:

Josef Schwergin (78) will dennoch in seinem Einfamilienhaus bleiben. „Ich kann doch meine Kaninchen nicht allein lassen. Und sollte es ganz schlimm kommen, dann habe ich schon den gepackten Koffer hier stehen - oben auf dem Dachboden.“

Am Rand steht Feuerwehrchef Karl-Heinz Pick. Keller-Auspumpen sei sinnlos, sagt er, „jetzt geht es nur darum, dass alle in Sicherheit kommen“.

Pick hat seit Freitag bei dem verzweifelten Versuch geholfen, den Elbdeich bei Fischbeck zu sichern. 36 Stunden war er im Einsatz, kam kurz nach Hause - dann der Alarm in Schönhausen in der Nacht.

Die Bundeswehr im Dauereinsatz:

12.22 Uhr: Evakuierung in Mühlberg wird aufgehoben

Die Einwohner aus der vom Elbe-Hochwasser bedrohten Stadt Mühlberg können in ihre Häuser zurück. Landrat Christian Jaschinski (CDU) hat mit dem Krisenstab entschieden, die Evakuierung der Stadt ab 15 Uhr aufzuheben, teilt die Kreisverwaltung in Herzberg mit.

An den Notunterkünften werden Busse für den Rücktransport bereitgestellt, heißt es. Pflegebedürftige Menschen werden von Mitarbeitern des Deutschen Roten Kreuzes und der Arbeiterwohlfahrt betreut.

Obwohl die Menschen zurück in ihre Häuser können, bleibt der Katastrophenalarm in der Stadt bestehen, betonen die Verantwortlichen. Etwa 80 Prozent der rund 4230 Einwohner hatten zum Wochenende ihr Zuhause verlassen.

Am Montagmorgen war der Wasserstand um 10 Uhr auf 8,64 Meter gesunken. Den Höchststand hatte der Fluss am Freitag mit 9,88 Meter erreicht – gut dreimal so hoch wie an normalen Tagen.12.14 Uhr: Auch in Havelberg bangen die Menschen

Im etwa 30 Kilometer von Wittenberge entfernten Havelberg in Sachsen-Anhalt bereiten sich die Menschen auf das Hochwasser vor, das vom Deichbruch in Fischbeck und durch die Öffnung des Wehrs in Quitzöbel unweigerlich kommen wird. Sandsäcke werden vor den Häusern abgeladen, Tankstellen gesichert.

Der Pegel in der Havel steht in Havelberg auf 4,60 Meter. Weil es ein Wehr gibt, sagt ein Passant, kann der Stand auf 4,80 begrenzt werden. Auf der Havelbrücke stehen die Menschen und machen Fotos. Ein Mann sagt: "So hoch stand das Wasser noch nie."

Alle Informationen zur Hochwasser-Lage in Brandenburg finden Sie HIER.

11.50 Uhr: Schüler schippen Sand

Der Elbpegel in Wittenberge sinkt weiter, um 11 Uhr lag er bei 7,76 Metern. Eine Entspannung bedeute das dennoch nicht, sagen Bürgermeister Oliver Hermann und Landrat Hans Lange.

In Wittenberge sind drei Schulen im Einzugsgebiet der bedrohten Altstadt bis auf weiteres geschlossen. Von den anderen Schulen sind viele Schüler freiwillig zum Sandsackfüllen gegangen. Das ist auch dringend nötig, denn auch in den kommenden Tagen wird an den Deichen weiter gebaut und mit Schwachstellen gerechnet.

11.42 Uhr: Eine Million Sandsäcke verbaut - Helfer gesucht

Inzwischen sind im Landkreis Prignitz eine Million Sandsäcke verbaut worden. Am Sonntagabend waren der Vorrat an Sandsäcken ausgegangen. "Glücklicherweise kamen in der Nacht weitere 300.000", sagt Bernd Lindow vom Krisenstab.

Mehrere hundert Bundeswehrsoldaten werden momentan in die Region verlegt. Freiwillige Helfer werden weiterhin dringend gesucht. Informationen dazu gibt es auf den Seiten wittenberge.de und stadt-perleberg.de.

11.35 Uhr: Notdeich fast fertig

Der Notdeich, der das westliche Havelland vor dem Wasser der Elbe schützen soll und rund 3,5 Kilometer misst, soll schon am Mittag zwischen Schmetzdorf und Zollchow fertig sein.

11.20 Uhr: Gaffer sollen Bußgeld bezahlen

Der Krisenstab des Landkreises Havelland hat ein hartes Vorgehen gegen Schaulustige angekündigt. Ihnen drohen unter anderem hohe Bußgelder und Strafverfahren wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr. Innenminister Dietmar Woidke (SPD) hatte Schaulustigen bereits am Sonntag mit der Polizei gedroht.

11.10 Uhr: Wildtiere ertrinken wegen Schaulustigen

Wildtierkinder wie Rehkitze und junge Feldhasen trauen sich in überfluteten Wald- und Flurbereichen nur aus dem Wasser, wenn sie ungestört sind. „Im Hochwassergebiet bilden sich im Deichvorland an vielen Stellen kleine Inseln, auf die sich die Tiere retten können“, sagt Torsten Reinwald vom Deutschen Jagdschutzverband (DJV). Oft kommt es aber vor, dass Schaulustige solche Orte gezielt mit Booten ansteuerten. „Die Tiere werden dadurch gestört. Wenn sie auf 150 oder 200 Meter Entfernung Menschen sehen, klettern sie nicht aufs Trockene.“ In der Folge würden viele Tiere ertrinken.

11 Uhr: Unsicherheit um Pegelstand der Elbe

Wie hoch das Wasser in Wittenberge steigen wird, ist nicht absehbar. „Die Fließgeschwindigkeit ändert sich ständig“, sagte Wolfgang Brandt vom Krisenstab. Zunächst waren die Behörden von einem historischen Höchstwert von 8,20 Meter ausgegangen. „Wir müssen nun wieder nachrechnen“, meinte Brandt. Entwarnung gibt es auch deswegen nicht, weil der Druck auf die Deiche enorm ist. Der Wasserspiegel liegt weit über der Rekordmarke von 1888 (7,44 Meter).

Wittenberges Bürgermeister Oliver Hermann zur Flut:

10.45 Uhr: Kanzlerin Merkel besucht Wittenberge

Angela Merkel will sich von der Hochwasserlage an der Elbe ein Bild machen. Die Bundeskanzlerin wird am Nachmittag (ca. 15.30 Uhr) in Wittenberge erwartet. Begleitet wird sie von Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) .

10.36 Uhr: Lage in Rathenow weiter kritisch

Die Entwicklung in Rathenow ist weiterhin angespannt. Aber eine Evakuierung der Stadt, auch in Teilen, ist nicht vorgesehen. Schon am Sonntag wurden zwei Sandfüllstationen eingerichtet.

>>> Info: Zum Hochwasser in Brandenburg haben die Behörden Bürgertelefonnummern eingerichtet. Die Service-Nummern <<<

10.20 Uhr: Deiche dürfen nicht mehr betreten werden

Deiche betreten ab sofort verboten - auch für Biber. Je länger das Hochwasser dauert, desto weicher werden die Deiche, desto mehr Schwachstellen bekommen sie. Deshalb ist das Betreten der provisorischen Deiche, der Baustellen und gesicherten Bereiche im Landkreis Prignitz ab sofort verboten.

Weil auch Biber Schäden an Deichen anrichten können, sollen Deichläufer besonders auch auf diese Tiere achten. Biber werden momentan durch das Hochwasser aus ihren Bauten vertrieben, sie stehen unter Schutz.

9.55 Uhr: Minister Woidke auf dem Weg nach Rathenow

Brandenburgs Innenminister Dietmar Woidke (SPD) fährt jetzt nach Rathenow, um sich ein Bild von der Hochwasserlage dort zu machen.

Durch den Dammbruch bei Fischbeck in Sachsen-Anhalt in der Nacht zu Montag strömt seit Mitternacht auf 50 bis 60 Metern das Elbwasser ungehindert durch den Deich.

Das Loch sei momentan auch nicht zu schließen, so Woidke. Noch sei unklar, ob sich das Wasser Richtung Milower Land oder in die Stadt Rathenow ausbreite. Momentan verteile sich das Wasser kreisförmig.

Woidke hatte sich die vergangenen zwei Tage in Wittenberge aufgehalten, wo der Pegel inzwischen sinkt.

9.20 Uhr: Notdeich soll das Havelland schützen

Wirkliche Entspannung bedeutet der fallende Pegel der Elbe für Wittenberge nicht. Denn das Wasser, das jetzt bei dem Dammbruch bei Fischbeck in Sachsen-Anhalt abfließt, landet in den Havelniederungen, die seit Sonntag ohnehin aus der Elbe geflutet werden. Die Polder können nur einmal volllaufen.

Deshalb wurde seit den frühen Morgenstunden ein Notdeich von 3,5 Kilometer Länge zwischen Schmetzdorf und Zollchow errichtet. Er soll nach Angaben von Wolfgang Brandt, Sprecher des Koordinierungszentrums Krisenmanagement, bereits am Montagmittag fertiggestellt sein.

9 Uhr: Pegel in der Prignitz leicht gesunken

In der Prignitz zeigt die Flutung der Polder in der Nähe von Wittenberge (Prignitz) Wirkung: Der Pegel sank um 9 Uhr leicht auf 7,78 Meter – sieben Zentimeter weniger als am Sonntagabend. „Experten führen dies eindeutig auf die Flutung zurück. Ohne die Maßnahme wäre der Wasserstand etwa 30 Zentimeter höher“, sagt eine Sprecherin des Krisenstabs im Innenministerium. Der Höhepunkt der Flutwelle wird in Wittenberge am Dienstagmittag erwartet. Wie hoch das Wasser steigt, ist jedoch nicht absehbar, heißt es.

8.45 Uhr: Deichgraf Platzeck ist wieder in seinem Element

Die Karriere des Brandenburger Ministerpräsidenten Matthias Platzeck (SPD) ist eng mit dem Kampf gegen Hochwasser verbunden. Bei der Oderflut 1997 und bei der Hochwasser-Katastrophe der Elbe 2002 zeigte er sich als zupackender Macher, bewies sich als „Deichgraf“ und Retter in der Not. Anders als Kanzler Gerhard Schröder (SPD) kam er dabei ohne Gummistiefel aus. „Ich habe bis heute keine“, hat der 59-Jährige gerade bekannt.

Nun sind die Wassermassen wieder da – und bieten die Chance, etwas vom ramponierten Image des Landesvaters aufzupolieren. Denn schon länger plagen ihn ernste Probleme.

An erster Stelle steht der Pannenflughafen Berlin-Brandenburg, der Platzecks Popularität schon eine deutliche Delle zugefügt hat. Die Zustimmung zu seiner Arbeit sank in der jüngsten Umfrage auf 61 Prozent Zustimmung – zwölf Punkte weniger als im März vergangenen Jahres. Einst erreicht sie gar rund 80 Prozent. Eine Mehrheit traut dem Regierungschef nicht zu, die Probleme am neuen Hauptstadt-Airport in Schönefeld zu lösen.

8.30 Uhr: Mühlberger dürfen noch nicht zurück in ihre Wohnungen

Die Situation in der Elbstadt Mühlberg ist nach wie vor angespannt. In der Nacht mussten die Einsatzkräfte erneut einen stark aufgeweichtem Deichabschnitt mit Sandsäcken sichern. Bis 3 Uhr waren Kräfte von Bundeswehr, Feuerwehren und THW im Einsatz.

10 Uhr tagt der Einsatzstab unter Leitung des Landrates.

Eine Aufhebung des Katastrophenalarm gibt es bislang nicht, so dass die Mühlberger bislang noch nicht in ihre Wohnungen zurück dürfen.

7.55 Uhr: Normalität - in Wittenberge kommt die Müllabfuhr

Ein Grund für den sinkenden Pegel in Wittenberge könnte der Deichbruch der Elbe in Fischbeck in Sachsen-Anhalt sein. „Das ist nicht schön für die Menschen dort, aber uns hilft es“, sagt Gastwirt und Koch Knut Diete, der immer noch sein historisches „Kranhaus“ auspumpt.

Wirt Knut Diete im Interview:

In der historischen Altstadt sind die Menschen, die trotz der freiwilligen Evakuierung geblieben sind, vorsichtig optimistisch. Und es gibt ein weiteres Zeichen der Normalität - die Müllabfuhr kommt.

7.20 Uhr: Pegel in Wittenberge fällt

Hoffnung für Wittenberge: Der Pegel der Elbe fällt. Am Sonntagnachmittag um 17 Uhr hatte der Fluss bei 7,85 Metern gestanden - 40 Zentimeter mehr als der bisherigen Höchststand 2011. Montagmorgen um 7 Uhr waren es nur noch 7,79 Meter.

Grund könnte die Flutung der Havelpolder sein. Seit Sonntag wird Elbewasser in die Niederungen der Havel bei Rathenow abgelassen. Damit wollte man erreichen, dass der Scheitel des Hochwassers nicht ganz so hoch ausfällt. Etwa drei Tage lang können die Havelpolder Wasser aufnehmen, dann sind sie voll.

7.02 Uhr: Deichbruch an der Elbe unterbricht Fernbahnverkehr

Ein Deichbruch bei Fischbeck in Sachsen-Anhalt (Landkreis Stendal) hat am frühen Montagmorgen den Fernbahnverkehr in Mitteldeutschland unterbrochen. Wegen des Wassers wurde die Eisenbahn-Elbebrücke in Hämerten gesperrt, teilte die Deutsche Bahn AG mit.

Betroffen sind die ICE-Strecke Berlin-Hannover-Köln, die ICE-Strecke Berlin-Kassel-Frankfurt/Main und die IC-Strecke Berlin-Amsterdam. Sie beginnt und endet bereits in Hannover.

Die Züge der Strecke Berlin-Hannover-Köln werden über Wittenberge, Stendal und Wolfsburg umgeleitet. Die Züge der Strecke Berlin-Kassel-Frankfurt/Main fahren über Dessau, Halle (Saale) und Gerstungen. Die Haltepunkte Wolfsburg, Braunschweig, Hildesheim, Göttingen und Kassel-Wilhelmshöhe entfallen. Der IC von Amsterdam fährt nur bis Hannover.

6.55 Uhr: Nach Elbdeichbruch aktuell keine Gefahr für Stendal

Bei Fischbeck in Sachsen-Anhalt brach in der Nacht zu Montag ein Deich auf einer Länge von 10 Metern. Betroffene Ortschaften im Landkreis Stendal wurden evakuiert. „Für Menschen auf Brandenburger Gebiet besteht aktuell keine Gefahr“, sagte Wolfgang Brandt, Sprecher des Koordinierungszentrums Krisenmanagement am frühen Montagmorgen.

Alle Informationen zur Hochwasser-Lage in Brandenburg finden Sie HIER.

6.40 Uhr: Fazit der Nacht in Brandenburg

In Wittenberge erreichte die Elbe einen historischen Höchststand von 7,85 Meter (Sonntag, 16 Uhr) – 41 Zentimeter mehr als beim Rekordwert von 1880. Tendenz: Weiter steigend.

Am heutigen Montag wird ein Wasserstand von acht Metern erwartet, bis Dienstag sollen es 8,20 Meter sein. 2002 bei der Jahrhundertflut wurde am Pegel Wittenberge ein Wert von 7,34 Meter erreicht.

Seit Tagen stapeln Hunderte Helfer in der Prignitz Sandsäcke. Die Deiche haben inzwischen überall eine Höhe von 8,45 Meter. Die Hoffnung ruht aber vor allem auf den Poldern in der Nähe der Kleinstadt. Zur Entlastung der Deiche wurden die Wehre bei Quitzöbel genau an der Landesgrenze zwischen Sachsen-Anhalt und Brandenburg an der Havel geöffnet. Am Sonntagabend stagnierte der Wasserstand zumindest auf hohem Niveau – möglicherweise wegen der Flutung. Zuletzt war das Wehr 2002 geöffnet worden.

Brandenburg kämpft gegen das Hochwasser. Auch am heutigen Montag sind die Morgenpost-Reporter live vor Ort und berichten.

Hochwasser in Brandenburg - unser Liveblog von Sonntag.

Hochwasser in Brandenburg - unser Liveblog von Sonnabend.

Hochwasser in Brandenburg - unser Liveblog von Freitag.

Hochwasser in Brandenburg - unser Liveblog von Donnerstag.

Hochwasser in Brandenburg - unser Liveblog von Mittwoch.

( BM )