Es gibt Dinge, die kosten einen anfangs etwas Überwindung. Aber am Ende ist man meistens doch froh, sie getan zu haben. Für mich gehört es dazu, gewisse Sachen alleine zu tun. Auf eine Party mit vielen Fremden oder in ein Restaurant zu gehen, zum Beispiel. Und auch im Sport gibt es solche Situationen, erst am vergangenen Wochenende habe ich sie erlebt. Am Samstag bin ich alleine zum Berliner Frauenlauf gegangen, am Sonntag alleine mit dem Rennrad durchs Berliner Umland gefahren. Bei beidem würde ich sagen: Es hat sich wieder gelohnt, das Ganze durchzuziehen. Auch ohne Begleitung.

An den Frauenlauf konnte ich mich vom vergangenen Jahr noch gut erinnern. Damals stand ich als freiwillige Helferin am Startbereich und hatte noch im Kopf, wie besonders die Atmosphäre war. Es ging, so war mein Eindruck, weniger kompetitiv zu, als es bei manch anderen Laufevents der Fall ist. Dafür kamen mir alle umso euphorischer und fröhlicher vor. Die meisten Läuferinnen waren nicht da, um persönliche Rekorde aufzustellen, sondern in erster Linie, um eine gute Zeit zu haben. Insofern habe ich schnell gedacht: Wenn es einen Lauf gibt, bei dem man sich problemlos alleine an die Startlinie stellen kann, dann diesen.

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Ein Gemeinschaftsgefühl, auch wenn man niemanden kennt

Zumal beim Frauenlauf schnell ein Gemeinschaftsgefühl aufkommt, schon dadurch, dass fast alle dasselbe T-Shirt tragen. Auch das ist etwas Besonderes: Für fast jedes Rennen gibt es auch ein Eventshirt. Aber ich kann mich an kaum einen Lauf erinnern, bei dem das T-Shirt so konsequent angezogen wurde, wie beim Berliner Frauenlauf.

Und sobald das Rennen startet, ist ohnehin schnell vergessen, dass man niemanden auf oder an der Strecke kennt. Viele Zuschauer feuern Fremde genauso an wie Freunde. Und bei diesem Lauf durch den Tiergarten standen unerwartet viele Menschen am Rundkurs, um die Teilnehmerinnen zu unterstützen. Dazu kamen Frauen, die anscheinend so viel Energie hatten, dass sie nicht nur gelaufen sind. Sondern gleichzeitig alle um sich herum angetrieben und mich auf den letzten Kilometern einfach mitgezogen haben.

Niemand hat Zeit? Kein Grund, nicht trotzdem zu starten

Es ist jetzt nicht so, dass ich ab sofort jedes Laufevent alleine erleben möchte. Ich schätze es, die Vorfreude und Aufregung vor dem Start mit Familie und Freunden zu teilen und im besten Fall sogar gemeinsam zu laufen. Aber wenn es wieder einmal die Situation gibt, dass ein Event ansteht, aber niemand aus dem Bekanntenkreis mitkommen kann, würde ich in Zukunft sagen: Das ist kein Grund, nicht trotzdem zu starten.

Der Laufclub der Berliner Morgenpost

Auch bei der Berliner Morgenpost gibt es begeisterte Läuferinnen und Läufer – und mit unseren Leserinnen und Lesern wollen wir einmal im Monat eine gemeinsame Runde drehen. Dafür haben wir in diesem Jahr unseren Laufclub gegründet. Treffpunkt ist der Eingang zum Tiergarten am Brandenburger Tor, gelaufen werden etwa sechs Kilometer. Die Teilnahme ist natürlich kostenlos. Wann der nächste Lauf stattfindet, steht immer unter mrgnpst.de/10k-club. Wir freuen uns über viele Mitläufer!

Bei der Fahrradtour durch Brandenburg war die Situation etwas anders. Dass mich diese Solofahrt ein wenig Überwindung gekostet hat, lag vor allem an der Sorge, was ich im Fall einer Panne mache. Denn – leider – bin ich absolut keine Expertin, was Reparaturen am Fahrrad angeht. Zwar nehme ich immer Luftpumpe, Reifenheber und Ersatzschlauch mit, aber es ist ehrlicherweise nicht so, als könnte ich im Notfall viel damit anfangen.

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Vor allem Frauen trauen sich oft zu wenig zu

Dennoch wollte ich mich davon nicht abhalten lassen. Ich habe schlicht darauf gesetzt, dass die Dichtmilch im Reifen, die bislang gute Arbeit geleistet und mich vor einem Platten während der Fahrt geschützt hat, das weiterhin tut. Und wenn ich doch einmal nicht mehr weiterkommen sollte, gibt es auch im Umland von Berlin meistens einen Bahnhof, der zumindest halbwegs in der Nähe liegt. Also bin ich einfach losgefahren und konnte die Tour am Ende wirklich genießen. Obwohl ich den Gegenwind mehr gespürt habe, als wenn ich in einer Gruppe unterwegs bin, war es schön, in meinem eigenen Tempo zu fahren. Und auf dem Rückweg hat der Wind dann auch aus der richtigen Richtung gepustet.

Was ich – nicht nur, aber auch – im Sport immer wieder feststelle: Gerade Frauen trauen sich oft zu wenig zu, egal, ob es um eine Streckenlänge oder ein bestimmtes Renntempo geht oder eben darum, sich einer Herausforderung alleine zu stellen. Dabei schließe ich mich mit ein. Auch ich überlege oft hin und her, ob ich etwas wirklich schaffen kann. Umso wichtiger ist es, manchmal nicht zu lange über die Dinge nachzudenken. Sondern sie einfach zu machen.