Die vergangenen Tage im Laufsport waren geprägt von Rekorden und Leistungen, die einem schier unvorstellbar vorkommen. Um hier einmal eine kurze Zusammenfassung zu geben: Der Berliner Extremsportler Arda Saatçi ist 600 Kilometer durch das Death Valley nach Los Angeles gelaufen. Die US-amerikanische Ultraläuferin Rachel Entrekin hat kurz zuvor das Rennen „Cocodona 250“ gewonnen, dabei in 56 Stunden und knapp zehn Minuten gut 400 Kilometer und rund 12.000 Höhenmeter bewältigt – und sämtliche Männer aus dem Teilnehmerfeld geschlagen. Ein Streckenrekord war das Ganze auch noch.
Am Sonntag fand rund um den Globus zudem der „Wings for Life World Run“ statt, bei dem die Starter so lange unterwegs sind, bis sie von einem realen oder virtuellen Auto eingeholt werden. Dessen Geschwindigkeit wird mit zunehmender Renndauer immer weiter erhöht. Der Japaner Jo Fukuda stellte dabei mit 78,95 Kilometern einen neuen Weltrekord bei den Männern auf. Der Niederländerin Mikky Keetels, die hauptberuflich Stewardess bei der Airline KLM ist, gelang mit 62,24 Kilometern dasselbe bei den Frauen. Und um das nicht zu unterschlagen: Auf dem Tempelhofer Feld ist eine Teilnehmerin dieses Events gut 50 Kilometer gerannt. Das hat nicht nur für den Sieg unter allen Läufern in Berlin gereicht, sondern auch für Platz fünf unter den Frauen weltweit.
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Man kann sechs Kilometer joggen, während andere Weltrekorde jagen
Dass erst Ende April in London ein neuer Marathon-Weltrekord aufgestellt wurde und gleich zwei Männer in einem Rennen unter der magischen Zwei-Stunden-Marke geblieben sind, ist bei all dem schon fast wieder in Vergessenheit geraten. Und ehrlicherweise kann ich bei den Leistungen dieser Sportlerinnen und Sportler auch kaum sagen, welche mich davon am meisten beeindruckt. Was ich aber sagen kann: Was die Läuferinnen und Läufer abliefern, ist inspirierend. Aber es kann auch dazu führen, die eigene Leistung infrage zu stellen. Oder dazu verleiten, selbst immer mehr zu wollen.
Wenn ich die Rekordmeldungen lese, kommen bei mir schnell Fragen auf, wie: Kann ich selbst noch mehr trainieren? Vielleicht noch schneller oder weiter laufen? Und muss auf einen Marathon nicht auch ein Ultramarathon folgen? Ich muss mich dann manchmal bremsen. Nicht jeder hat die gleichen Voraussetzungen, körperlich, finanziell und zeitlich. Es ist etwas anderes, ob man sich dem Sport hauptberuflich widmen kann oder das Laufen eigentlich nur ein Ausgleich zum Vollzeitjob ist. Und es ist vollkommen in Ordnung, einfach eine entspannte Sechs-Kilometer-Runde durch den Tiergarten zu joggen, auch wenn andere gleichzeitig Weltrekorde aufstellen.
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Arda Saatçi: „Vergleicht euch niemals mit jemand anderem“
Der Berliner Arda Saatçi hat am Ende seines Laufes gesagt: „Es lohnt sich immer, nach den Sternen zu greifen, auch wenn es nicht immer komplett klappt. Haltet eure Träume im Herzen.“ Eigentlich hatte der 28-Jährige das Ziel, die 600 Kilometer in 96 Stunden zu bewältigen. Am Ende dauerte es mehr als einen Tag länger. Aufgegeben hat er dennoch nicht. Im Ziel sagte Saatçi aber auch den Satz: „Vergleicht euch niemals mit jemand anderem.“ Leicht ist das nicht immer. Gerade wenn die Rekorde und Höchstleistungen so stark vermarktet werden und einem nahezu überall begegnen. Versuchen sollte man es dennoch.
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Das führt auch wieder zurück zum „Wings for Life World Run“. Denn dort geht es primär gar nicht um die Rekorde, sondern darum, dass jeder an der Startlinie stehen kann – vom Spitzensportler über Laufanfänger bis zu Menschen, die auf einen Rollstuhl oder Rollator angewiesen sind. Auch auf dem Tempelhofer Feld waren inmitten der Läufer mehrere Rollstuhlfahrer unterwegs und haben Runde um Runde gedreht. Die Bandbreite an Startern hat zugleich verdeutlicht: Nicht jeder muss 50, 60 oder 70 Kilometer weit laufen. Was zählt, sind die eigenen Ziele und Möglichkeiten. Und nicht der Wettbewerb mit anderen.





