Die Straße des 17. Juni war am Samstag lila. 12.000 Frauen und Mädchen waren an dem Tag beim Berliner Frauenlauf dabei, die meisten von ihnen trugen das offizielle – leuchtend lilafarbene –Event-Shirt. Ich konnte das Bild dieses Mal besonders gut beobachten, denn ich war nicht auf der Strecke unterwegs, sondern als Helferin am Zugang zum Startbereich positioniert. Gemeinsam mit meiner Mutter hatte ich mich vor einigen Monaten als Volunteer beim Veranstalter SCC Events angemeldet, um mal ein bisschen was zurückzugeben, nach so vielen Malen, bei denen ich von den Helfern profitiert habe.

Die Anmeldung brachte schon die erste Überraschung: Der Andrang auf die Volunteer-Posten war fast so groß wie auf die Startplätze. Schon nach rund einer halben Stunde waren die meisten Positionen von der Startnummern-Ausgabe bis zur Streckenverpflegung voll besetzt, wobei das eigentlich auch ein gutes Zeichen ist. An Menschen, die bereit sind, ihren freien Samstag zu nutzen, um eine solche Veranstaltung überhaupt möglich zu machen, mangelt es offenbar nicht.

Helferin beim Frauenlauf: Am Streckenrand, aber trotzdem mittendrin

Unsere Aufgabe war es, den Zugang zum Startblock zu regeln. Erst war ich etwas enttäuscht, weil ich eigentlich am liebsten den Läuferinnen ihre Medaillen übergeben hätte. Aber im Nachhinein hat sich unsere Position als nahezu ideal herausgestellt, weil wir sowohl die Stimmung vor dem Start erleben als auch die letzten Meter vor dem Ziel beobachten konnten. Und obwohl wir nicht selbst gelaufen sind, hatte ich so doch das Gefühl, mittendrin zu sein.

Die Atmosphäre habe ich hier nochmal etwas anders erlebt als bei anderen Laufevents. Es ging vielen vor allem um die Gemeinschaft, den Lauf mit Freundinnen, der Mutter oder der Schwester, weniger um Zeit und Geschwindigkeit. Auch die Frauen, die die fünf oder zehn Kilometer gegangen und nicht gejoggt sind, haben auf der Zielgeraden für die Kamera posiert oder Videos gedreht. Die Zeitlimits waren hier, verglichen mit anderen Veranstaltungen, großzügiger angesetzt, sodass wirklich jede bei dem Lauf dabei sein konnte. Auch die ältere Frau mit Rollator, die als Letzte über fünf Kilometer das Ziel erreichte. Und natürlich trotzdem bejubelt wurde.

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Seit einigen Jahren wird immer wieder darüber diskutiert, ob es heute, in einer Zeit, in der Frauen zurecht auf Gleichberechtigung drängen, solche reinen Frauenläufe überhaupt noch braucht. Nach dem Wochenende würde ich sagen: ja. Nicht, um Männer auszuschließen. Sondern weil Frauen hier einen Ort bekommen, um sich selbst und andere Läuferinnen zu feiern, aber auch gegenseitig zu inspirieren. Ich erinnere mich etwa an eine Frau, die, schon als das Ziel in Sichtweite geriet, mit den Tränen kämpfte, weil sie offenbar nicht glauben konnte, dass sie die Strecke gerade wirklich bewältigt hat.

Schön war es auch, die Geschichten mancher Läuferinnen zu hören. Eine Frau erzählte uns zum Beispiel, dass sie eigentlich über die Zehn-Kilometer-Strecke starten wollte, aber in den letzten Monaten nicht trainieren konnte. Also entschied sie sich mit ihrer Tochter stattdessen für die kürzere Distanz, um trotzdem gemeinsam dabei zu sein. Und es klappte: Später liefen sie wieder an uns vorbei, als sie auf den Zielbogen zusteuerten.

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Weil es beim Berliner Frauenlauf drei verschiedene Startzeiten gab, waren wir insgesamt mehr als sechs Stunden an der Strecke. Langweilig geworden ist das, erstaunlicherweise, aber nicht, sondern – wetterbedingt – höchstens etwas nass und kalt. Trotzdem bin ich mit einem guten Gefühl nach Hause gegangen. Weil Tausende Frauen an dem Tag eine gute Zeit hatten und wir als Helferinnen vielleicht ein kleines bisschen dazu beitragen konnten. Weil durch das Event und die Teilnehmerinnen 16.000 Euro an die Berliner Krebsgesellschaft gespendet werden konnte und deutlich wurde: Beim Laufen geht es auch, aber eben nicht nur um die sportliche Leistung.