Es kommt mir zeitweise so vor, als wäre der Hamburg-Marathon nicht erst anderthalb Wochen her, sondern mindestens doppelt so lang. Das liegt nicht daran, dass ich mich nicht mehr an den Lauf erinnern kann. Sondern vielmehr an dem Eindruck, dass viele Teilnehmer längst wieder im Training stehen und sich schon auf das nächste Rennen vorbereiten. Kaum jemand scheint noch innezuhalten und zu würdigen, was der Körper da eigentlich gerade geleistet hat. 42 Kilometer zu laufen, scheint zur Selbstverständlichkeit geworden zu sein.
Ich habe an dieser Stelle schon mehrfach über Läuferinnen und Läufer in den sozialen Medien geschrieben, die dort sich und ihr Training präsentieren. Ich mag die Inspiration und Motivation, die einige von ihnen liefern, und erkenne mich immer wieder in den beschriebenen Emotionen oder Herausforderungen wieder. Aber zuletzt haben mich die veröffentlichten Beiträge reihenweise ratlos zurückgelassen. Denn obwohl viele ebenfalls beim Hamburg-Marathon oder anderen, parallelen Laufevents gestartet sind, ging das Training für die meisten danach nahtlos weiter. Regeneration? Fehlanzeige.
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Regeneration spielt nur noch eine untergeordnete Rolle
Mehr als zwei Tage der Pause gönnt sich anscheinend kaum noch jemand. Spätestens am Mittwoch stand für viele scheinbar wieder der erste Lauf auf dem Programm. Es folgten Tempo-Intervalle, Longruns oder 200-Kilometer-Radtouren, alles innerhalb der ersten Woche nach dem Marathon. Dass sich nach einem solchen Rennen die Sehnen und Bänder erst erholen müssen, dass die Distanz eine enorme Belastung für Muskeln und Gelenke war und auch das Immunsystem geschwächt ist, spielt offenbar nur eine untergeordnete Rolle.
Nun muss am Ende jeder selbst entscheiden, was er seinem Körper zumuten möchte. Das größere Problem besteht darin, das Ganze im Internet zu teilen und Zehntausenden zu präsentieren. Weil so das Bild entsteht, dass es ganz normal ist, nach einem Marathon direkt wieder ins Training zu starten. Wobei man auf der anderen Seite sagen muss: Immerhin trainieren diese Menschen.
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Marathon: Es ist verschenkt, den eigenen Erfolg nur 48 Stunden lang zu feiern
Mindestens genauso besorgniserregend sind die Videos mit Titeln wie „Ich laufe einen Marathon ohne Vorbereitung“. Auch davon habe ich in den vergangenen Tagen mehrere gesehen. Dabei finde ich ja: Ein Marathon oder auch Halbmarathon lässt sich vor allem dann genießen, wenn man am Rennmorgen daran zurückdenkt, wie viel man in den vergangenen Monaten investiert hat. Selbst wenn im Training nicht alles so funktioniert hat, wie es ursprünglich geplant war.
Aber zurück zu den Tagen oder vielmehr Wochen nach dem Rennen: Ich weiß nicht, ob es an unserer schnelllebigen Zeit liegt oder an dem Druck der sozialen Medien, dass man sich direkt das nächste große Ziel setzen muss. Mir erscheint es jedoch verschenkt, den eigenen Erfolg nur für 48 Stunden zu feiern. Es ist vollkommen in Ordnung, für mehrere Wochen die Pause-Taste zu drücken und sich einfach darüber zu freuen, was man geschafft hat. Es muss nicht sofort der nächste Trainingsplan gestartet werden.
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Aus der Pause nach dem Marathon Kraft für die nächsten Läufe ziehen
Jetzt ist es nicht so, dass ich für das restliche Jahr gar keine Ziele mehr habe. Ich bin bereits für weitere Läufe angemeldet und hoffe darauf, noch mal die eine oder andere Bestleistung zu erzielen. Aber nichts davon erfordert es, in dieser oder der nächsten Woche schon wieder ins normale Training einzusteigen. Im Gegenteil. Ich vertraue darauf, dass mein Körper aus der Pause die nötige Kraft ziehen wird, um auch die nächsten Läufe gut zu bewältigen.
Beim Hamburg-Marathon habe ich auf mehreren Plakaten Sprüche gelesen wie „Ich glaube, ich bin im Baumarkt, denn ich sehe hier nur Maschinen!“. Während des Laufs haben die Schilder mich zum Schmunzeln gebracht und angetrieben. Aber natürlich weiß ich, dass der Körper eben keine Maschine ist. Er ist darauf angewiesen, dass er zwischendurch auch Zeit für Erholung bekommt. Gerade dann, wenn man plant, das Laufen nicht nach einem Jahr wieder aufzugeben, sondern möglichst noch einige Jahre oder gar Jahrzehnte dabeizubleiben.





