Als ich am vergangenen Freitag das Büro verlassen habe, hatte ich plötzlich einen Gedanken im Kopf: Das war für einige Monate das letzte Mal, dass die Sonne zu diesem Zeitpunkt noch nicht untergegangen ist. Zugegeben, es ist nicht so, dass ich dieses Phänomen noch nie erlebt habe. Aber die Zeitumstellung trifft mich jedes Jahr wieder und über den frühen Sonnenuntergang tröstet mich auch die eine zusätzliche Stunde Schlaf nicht hinweg. Zumal die Dunkelheit auch bedeutet: Ich muss meine Laufrunden jetzt wieder anpassen.

Um das vorwegzunehmen: Lieber wäre es mir, wenn ich das ganze Jahr über im Hellen laufen könnte. Ich bin kein Fan der Dunkelheit, abhalten lasse ich mich von ihr aber nicht. Dabei empfinde ich es nicht als Risiko, sondern als Vorteil, in Berlin zu wohnen. Hier am Abend zu laufen, ist mir lieber, als durch eine ländliche, weniger belebte Region joggen zu müssen. Trotzdem achte ich auch hier stärker darauf, wo ich unterwegs bin.

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Entscheidend für meine Streckenwahl ist die Beleuchtung. Es ist erstaunlich, was für einen Unterschied ein paar Laternen machen können. Eine meiner Standardrunden für die dunkle Jahreszeit führt durch den Park am Gleisdreieck, hier gibt es fast überall Lampen – aber eben nur fast. Ich erinnere mich an einen Lauf, bei dem ich allein war, den falschen Abzweig nahm und plötzlich auf einem unbeleuchteten Pfad stand. Obwohl ich weiterhin in demselben Park war, habe ich mich unwohl gefühlt und kurz das Tempo angezogen, um möglichst schnell wieder auf einem helleren Weg zu sein. Seither weiß ich, wo ich besser nicht abbiege – auch wenn es lediglich um mein Gefühl geht.

Wer bei der Streckenwahl nicht nur auf die Straßen im eigenen Wohnviertel zurückgreifen will, kann auch die App Strava als Orientierung nutzen. Denn Strava bietet eine sogenannte Heatmap, die anzeigt, wo besonders viele Nutzer der App unterwegs sind, tagsüber, aber auch nachts. Das ist zwar keine Garantie, aber zumindest ein Hinweis darauf, wo einem vermutlich andere Läufer begegnen werden und wo es Lichter geben könnte. Neben dem Park am Gleisdreieck sind auf der Karte etwa das Spreeufer in Mitte, die Straße des 17. Juni, der Mauerpark oder die Straßen um den Volkspark Friedrichshain hervorgehoben.

Im Dunkeln laufen: Noise Cancelling aus, Licht an

Für die dunkle Jahreszeit habe ich außerdem mein kleines Ansteck-Licht aus dem Schrank geholt. Obwohl ich mich lange dagegen gesträubt habe, sehe ich inzwischen den Sinn dahinter, nicht nur den Weg vor mir ein bisschen heller auszuleuchten, sondern vor allem meine eigene Sichtbarkeit zu verbessern. Gerade, weil meine Kleidung oft durch farbenfrohes Schwarz besticht. Zumindest aber verfügen die meisten meiner Kleidungsstücke über reflektierende Streifen, inzwischen gibt es sogar Socken, die durch breite Reflektoren Läufer besser erkennbar machen sollen.

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Sehen und gesehen werden, ist das eine. Ebenso wichtig ist es für mich im Dunkeln aber, meine Umgebung zu hören. Nun muss ich einräumen, dass ich beim Laufen fast immer mit Kopfhörern unterwegs bin. Während andere die Stille brauchen, genieße ich es, mal ein Album, vielleicht sogar eine komplette Podcastfolge am Stück zu hören. Und ich muss auch zugeben, dass ich die Option des Noise Cancelling wirklich zu schätzen gelernt habe. In einer vollen U-Bahn, wenn um mich herum drei Gespräche parallel stattfinden und dann noch eine Kindergartengruppe einsteigt, ist diese Funktion Gold wert: Beim Laufen, erst recht am Abend, stelle ich sie aber immer aus.

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Was beim Laufen im Dunkeln für mich jedoch den größten Unterschied macht, egal ob es ums Sicherheitsgefühl oder die Motivation geht: nicht alleine laufen. Wann immer es geht, suche ich mir eine Begleitung. Für diejenigen, bei denen niemand im Freundes- oder Familienkreis das Hobby teilt, gibt es in der Stadt Dutzende Laufgruppen – von den „Run Clubs“, die teils weit über 100 Mitläufer anziehen, bis hin zu den Lauftreffs verschiedener Berliner Vereine. Ich finde, das Laufen mit anderen, auch fremden Menschen lohnt sich immer. Und: Ein nicht-netter Läufer ist mir in all den Gruppen noch nie begegnet.