Es ist im Laufsport nicht viel anders als in der Mode oder der Musik: Jedes Jahr lassen sich neue Trends beobachten. Einer, der zumindest mir zuletzt verstärkt aufgefallen ist, sind Ultra-Rennen, also Distanzen, die über die 42 Kilometer eines Marathons hinausgehen. Vor allem in den sozialen Medien haben solche Läufe stark an Beliebtheit gewonnen, was wahrscheinlich auch ein Stück weit dadurch erklärbar ist, wie Netzwerke wie Instagram funktionieren. Nachdem im vergangenen Jahr ungewöhnlich viele Leute online geteilt hatten, wie sie ihren ersten Marathon gelaufen sind, musste es 2025 eben noch darüber hinausgehen. Immer höher, schneller, weiter – das bleibt anscheinend das bestimmende Motto, zumindest unter den Läufern, die sich im Internet präsentieren und eine möglichst hohe Reichweite generieren wollen.

Ich finde es einerseits gut, sich selbst immer neue Herausforderungen zu stellen und zu versuchen, an seine Grenzen zu gehen. Genau das mache ich selbst gern. Trotzdem finde ich die Entwicklung auch bedenklich. Nicht jeder muss einen Marathon und erst recht keinen Ultramarathon laufen, auch wenn im Netz der Eindruck entstehen kann, dass das zu einem guten Lebenslauf dazugehört. Laufen soll einem Stress nehmen – und nicht Stress auslösen, weil man plötzlich den Druck verspürt, immer härtere Ziele erreichen oder mit anderen mithalten zu müssen.

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Spendenlauf in Berlin über 24 Stunden und 24 Runden

Insofern tut es gut, dass es Veranstaltungen gibt, bei denen es nicht um einen Wettbewerb geht, sondern um die Gemeinschaft und den guten Zweck. Am Wochenende ist das in Berlin beim Spendenlauf #Heat24 der Fall, der zum siebten Mal stattfindet und explizit alle einlädt, vom Anfänger bis zur erfahrenen Läuferin. Die Veranstaltung ist ein 24-Stunden-Lauf, beginnt am 29. November um 12 Uhr und endet entsprechend am Sonntagmittag. Wer also schon immer mal zu einer ungewöhnlichen Uhrzeit laufen wollte, sich aber allein nicht motivieren konnte – das ist die Chance dafür.

Hinter der Veranstaltung stecken die „Cares“-Initiative der Immobilienberatungsgruppe KVL, private Laufgruppen und weitere Unterstützer, die mit #Heat24 Geld und Sachspenden für die Kältehilfe der Berliner Stadtmission und den Mitternachtsbus der Diakonie Hamburg sammeln wollen. Anastasija Walcher-Radke, Geschäftsführerin von KVL und Initiatorin des Laufs, beschreibt den Gedanken dahinter in vier Worten: „Helfen, laufen, Sichtbarkeit schaffen.“

#Heat24 in Berlin: 54.000 Euro an Spenden für die Stadtmission

Das Konzept ist etwas anders, als man es von gewöhnlichen Laufveranstaltungen kennt. Gelaufen wird hier auf vier verschiedenen Runden mit Start an der Spichernstraße 2, die jeweils etwa sechs Kilometer lang sind und in der Gruppe absolviert werden. Wer alle vier Runden läuft, bekommt am Ende eine Medaille. Betont wird auch: Die Teilnahme und die Verpflegung sind kostenlos, das Event wird vollständig durch Sponsoren finanziert. Im vergangenen Jahr waren 500 Läuferinnen und Läufer dabei, darunter Tempelhof-Schönebergs Bezirksbürgermeister Jörn Oltmann (Grüne), der auch diesmal wieder mitlaufen will.

Bei der Spendensumme wurde mit insgesamt rund 60.000 Euro im vergangenen Jahr ein Rekord aufgestellt. Mehr als 54.000 Euro davon gingen an die Berliner Stadtmission, wo es zum Abschluss des Laufs am Sonntag eine traditionelle Pasta-Party gibt. Der Kältebus der Stadtmission ist seit November wieder unterwegs, glücklicherweise, könnte man bei den aktuellen Temperaturen sagen. So gesehen kommt der Spendenlauf genau zum richtigen Zeitpunkt und wird wahrscheinlich auch den Teilnehmern, gerade in der Nacht, noch einmal verdeutlichen, wie bedeutend die Kältehilfe in Berlin ist.

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Dass #Heat24 explizit kein Wettkampf ist, heißt übrigens nicht, dass dabei nicht trotzdem beeindruckende sportliche Leistungen erbracht werden können. In Berlin schaffte eine Läuferin im vergangenen Jahr in 20 Stunden insgesamt 120 Kilometer. Für einen Ultramarathon hat die Distanz also locker gereicht. Und damit hat sie nicht nur etwas für das eigene Profil in den sozialen Medien getan, sondern, viel wichtiger, vor allem etwas für den guten Zweck.