Es gibt einige Gründe, warum ich das Laufen so mag. Ich entdecke durch den Sport neue Orte, ob in Berlin oder in anderen Ländern. Ich kann Zeit mit Freunden und Familie verbringen, bin draußen und kann mich selbst herausfordern. Und ich mag es auch, weil man bei regelmäßigem Training offensichtliche Fortschritte erzielen kann. Die Zeit, die man in den Sport investiert, macht sich dadurch bezahlt, dass man weiter, schneller oder mit geringerer Anstrengung laufen kann. Diese Entwicklung hat aber noch einen Nebeneffekt: Die Ansprüche an sich selbst erhöhen sich immer weiter.
Diese Erfahrung habe ich zumindest in den vergangenen Monaten gemacht. Ich habe mir Ziele gesetzt, die vor zwei Jahren noch undenkbar gewesen wären und bin Zeiten gelaufen, die ich mir damals nie zugetraut hätte. Aber ich musste mir auch eingestehen, dass ich manchmal nicht nur einen hohen, sondern vielleicht einen zu hohen Anspruch an mich selbst gestellt habe.
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Great 10K in Berlin: Es ist leicht, sich mitreißen zu lassen
Das war am Wochenende, beim Berliner Morgenpost Great 10K, der Fall. Viele Läuferinnen und Läufer haben an dem Tag versucht, Bestzeiten aufzustellen. Der Topläufer und Deutsche Meister Simon Boch hatte sich vorgenommen, die 10 Kilometer lange Strecke in unter 28 Minuten zu absolvieren. Und auch im Freizeitbereich oder im Laufteam der Berliner Morgenpost hatten sich viele persönliche Ziele gesetzt – ganz egal, ob das hieß, die Runde in unter 40, 50 oder 60 Minuten zu laufen.
Es ist leicht, sich davon mitreißen zu lassen und die persönlichen Umstände auszublenden. Sieben Tage vor dem Great 10K bin ich in Cardiff den Halbmarathon gelaufen, der von der Stimmung am Streckenrand sogar den Berliner Halbmarathon übertroffen hat. Allerdings war das Anfeuern auch nötig. 21 Kilometer zu laufen, ist immer mit einer gewissen Anstrengung verbunden, zusätzlich gab es in Cardiff aber noch ein paar Anstiege, die zumindest für Berliner Flachländer eine kleine Herausforderung waren.
Die schönsten Bilder vom „Berliner Morgenpost Great 10K“
Laufen: Enttäuscht, obwohl ich erst einmal schneller war
Trotzdem habe ich mich am Sonntag von der Euphorie um mich herum anstecken lassen und gedacht, vielleicht ist auf der nicht mal halb so langen Strecke beim Great 10K ja doch etwas drin. Ich musste allerdings schnell feststellen: Die Beine und wahrscheinlich auch der Kopf waren nicht so frisch, wie es für eine neue Bestzeit hätte sein müssen. Und vermutlich wäre es gut gewesen, mir das schon vor dem Startschuss einzugestehen, um das Rennen etwas mehr genießen zu können. So war ich im Ziel enttäuscht über die Zeit, obwohl ich über zehn Kilometer erst einmal in meinem Leben schneller unterwegs war.
Erst im Nachhinein ist mir aufgefallen, dass es nicht nur der Halbmarathon am Wochenende vorher, sondern insgesamt eine lange Saison war. Seit März habe ich nahezu ohne Unterbrechung trainiert und außer im August jeden Monat mindestens ein Rennen absolviert. Statt mich über die verpasste Bestzeit zu ärgern und so streng über meine eigene Leistung zu urteilen, kann ich vor allem dankbar dafür sein, dass ich die vielen Wochen ohne eine Verletzung geschafft habe.
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Saisonpause: Einfach laufen, ohne auf die Werte zu schauen
Es ist deshalb auch gut, dass es jetzt in eine ruhigere Phase geht. In diesem Jahr steht kein Rennen mehr an, zumindest keines, bei dem ich ein bestimmtes Ziel verfolge. Beim Nikolauslauf um den Schlachtensee hoffe ich lediglich auf eine schöne, weihnachtliche Medaille. Das bedeutet auch: Die nächsten Wochen trainiere ich ohne Plan, insgesamt weniger im Umfang und weniger intensiv. So habe ich es mir zumindest vorgenommen. Die Maßgabe an mich selbst: einfach entspannt laufen, schwimmen oder Rad fahren – ohne regelmäßig auf die Uhr und die aktuellen Werte zu schauen.
In diesen Wochen, so sagen es Experten, soll man sich körperlich, aber auch mental erholen. Während Sport sonst einen hohen Anteil meiner Freizeit einnimmt, gibt es so auch etwas mehr Raum für andere Dinge – zum Beispiel, mehrere angefangene Bücher endlich mal zu Ende zu lesen. Und dann bin ich im nächsten Jahr hoffentlich so weit, mit neuer Energie ins Marathontraining zu starten.





























