Dass der Berlin-Marathon beliebt ist, steht außer Frage. Das wird jedes Jahr deutlich, wenn es um die Startplatz-Lotterie geht und es nach der Verlosung reihenweise Absagen regnet. Es zeigt sich auch daran, dass es den Organisatoren immer wieder aufs Neue gelingt, Top-Athleten nach Berlin zu holen. Und daran, dass die sozialen Netzwerke in den Wochen und Monaten vor dem Event voll sind von Beiträgen, in denen Influencer teilen, wie sie sich auf den Marathon vorbereiten.

Die Spitzenathleten gehören natürlich zu den Events dazu, sie machen sogar einen besonderen Reiz aus: Weil man als Freizeitsportler auf derselben Strecke unterwegs ist wie kurz zuvor die Profis. In diesem Jahr steht der Berlin-Marathon in Konkurrenz zur Leichtathletik-Weltmeisterschaft in Tokio, die ebenfalls im September stattfindet.

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Berlin-Marathon 2025: Deutsche Spitzenläufer sind dabei

Trotz dieser Situation hat der Berlin-Marathon erneut starke Läufer gewinnen können: den Sieger des London-Marathons Sabastian Sawe etwa oder den Gewinner des Berliner Jubiläumsmarathons 2024, Milkesa Mengesha. Auch aus Deutschland sind erfolgreiche Profis dabei, wie Domenika Mayer, die im vergangenen Jahr bei den Olympischen Spielen in Paris an den Start ging, Hendrik Pfeiffer oder Sebastian Hendel, die Läufer mit der viert- und fünftschnellsten deutschen Marathonzeit in der Geschichte. Für mich als Zuschauerin sind die Spitzenathleten immer ein Highlight. Ich stehe dann gern bei Kilometer 40 oder 41 und wundere mich darüber, wie man zu diesem Zeitpunkt noch so schnell und zugleich ästhetisch laufen kann.

Die Influencer-Entwicklung sehe ich dagegen gespalten. Klar, die Beiträge sind oft unterhaltsam und motivierend, vor allem, wenn man für ein ähnliches Ziel trainiert. Für den Berlin-Marathon selbst haben die Posts einen nicht zu unterschätzenden Werbeeffekt, weil sie allein auf Instagram Hunderttausende bis mehrere Millionen Menschen erreichen. Die Influencer dürften so auch ein Grund sein, warum der Anteil von Teilnehmern in ihren 20er-Jahren zuletzt deutlich gestiegen ist.

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Lauf-Influencer können motivieren, aber auch zum Risiko werden

Aber längst nicht alles ist unkritisch zu sehen. Das zeigte sich in diesem Sommer, als das Wetter kurzzeitig auch wirklich sommerlich war. Mehrere Läufer, deren Beiträge zehntausendfach angeschaut werden, haben damals Videos von ihren Trainingseinheiten geteilt und dazu Dinge geschrieben, wie: „Intervalle bei 33 Grad“. Mutmaßlich sind die Personen stolz darauf, dass sie sich auch von Hitze und Mittagssonne nicht aufhalten lassen. Genau das finde ich aber fragwürdig. Und ich bin nicht die Einzige.

Lauftrainer Piet Könnicke, der früher selbst zu den besten Straßenläufern Deutschlands zählte und heute Freizeitathleten coacht, nannte ein solches Verhalten kürzlich „unverantwortlich“. Denn die Gefahren, die intensives Training bei Hitze mit sich bringt, blieben vollkommen unerwähnt. Auch das Gegenteil findet sich immer wieder in den sozialen Netzwerken: Sportler, die Videos nach dem Motto teilen: Ich laufe einen Marathon ohne Vorbereitung. Hierbei werden ebenfalls Risiken ignoriert, für Likes und Aufrufe im Internet.

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Berlin-Marathon: Statt alles zu dokumentieren einfach mal genießen

Auch bei den Events begegnen einem immer mehr Influencer und Personen, die es noch werden wollen. Ich erinnere mich noch an die Marathonmesse im vergangenen Jahr und an die zahlreichen Leute, die mit Kameras durch die Gegend liefen. Auf der Laufstrecke selbst sieht man ebenfalls regelmäßig Teilnehmer, die mit dem ausgestrecktem Arm und Handy in der Hand rennen. Bis zu einem gewissen Grad ist das auch vollkommen in Ordnung, mit den Videos lässt sich das Event – auch als Zuschauer – ein Stück weit nochmal erleben. Wenn ich aber ungefragt in Videos einbezogen werde, Influencer von eigenen Kameraleuten begleitet werden und es immer weniger um den Spaß am Laufen, sondern vielmehr um Selbstdarstellung geht, dann wird es mir zu viel.

Dann bekommen am Ende Sportlerinnen und Sportler keinen Startplatz, die einfach nur laufen wollen und nicht das Ziel verfolgen, eine möglichst hohe Reichweite auf Instagram zu erzielen und die eigenen Follower zu unterhalten. Natürlich ist es schön, nach einem Lauf eindrucksvolle Bilder und Videos im Netz zu teilen. Noch schöner ist es aber manchmal, ein Rennen einfach zu genießen.