Laufen gilt als Sport, für den man nicht viel braucht, den man immer und überall ausüben kann. Aber trotz dieser viel beschworenen Einfachheit ist Laufen auch ein Millionen-Business. Das haben in der vergangenen Woche erst die Zahlen der Berlin-Marathons bestätigt: 143 Millionen Euro bescherte das Jubiläumsevent im vergangenen Jahr der Stadt, wie eine Studie im Auftrag von Veranstalter SCC Events ergab.

Julius Ranft von der Firma Nielsen Sports, die die Studie durchgeführt hat, schilderte zudem, dass Laufevents wie der Marathon immer mehr Sponsoren anziehen. Einerseits, weil es sich um Gesundheit dreht, ein Thema, für das ein wachsendes Bewusstsein entsteht. Andererseits seien Läufer als Zielgruppe attraktiv, so Ranft, weil sie als kaufkräftig gelten. Zumindest bei den großen Events dürfte das auf die Mehrheit der Starter zutreffen. Immerhin muss man bereit sein, für einen solchen Lauf 80, 100 oder sogar 200 Euro auszugeben.

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Startgebühr beim Triathlon: 300 Euro werden schnell fällig

Ich habe die hohen Gebühren bislang immer in Kauf genommen, weil ich aus den Läufen Erinnerungen mitnehme, die lang über den Tag hinaus bleiben. Trotzdem frage ich mich manchmal, wie inklusiv der Sport eigentlich noch ist. Denn natürlich kann sich nicht jeder ein 200-Euro-Startgeld leisten. Noch extremer wird es, wenn man in die Triathlon-Szene schaut. Mich persönlich würde ein Start bei einem Triathlon ebenfalls reizen, immerhin besitze ich ein Rennrad und war als Kind lange im Schwimmverein. Wer bei einem offiziellen Event der „Ironman“-Serie teilnehmen will, muss allerdings schnell mit 300 bis 400 Euro Startgebühr rechnen.

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Dazu kommt die nötige Ausrüstung, die nochmal umfangreicher – und teurer – ist als beim Laufen. Wie eine Bekannte schilderte, habe sie sich neben einem Triathlonanzug auch einen Neoprenanzug gekauft, daneben einen Rollentrainer, um das Rennradfahren bei schlechtem Wetter in der Wohnung durchzuziehen. Außerdem hat sie in Schwimmkurse und Trainingslager investiert, und nicht zuletzt braucht man fürs Training und den deutlich längeren Wettkampf auch mehr Verpflegung. In Summe sind die Ausgaben vermutlich so hoch, dass man davon auch einen mehrwöchigen Sommerurlaub bezahlen könnte. Oder selbst in Berlin (mindestens) eine Monatsmiete.

Entwicklung im Sport: Nicht nur das Laufen boomt

Und trotzdem sind die Rennen in der Regel lange im Voraus ausgebucht. Das bestätigt noch einmal den Boom, den der Sport in den vergangenen Jahren erlebt hat. Aus Sicht von Jürgen Lock, Geschäftsführer von SCC Events, bezieht sich diese Entwicklung aber nicht nur aufs Laufen, sondern vielmehr aufs Aktivsein überhaupt.

Dazu passt, dass nicht nur viele Laufevents im wahrsten Sinne des Wortes überrannt werden, sondern auch Rennrad-Clubs und Triathlons immer mehr Menschen anziehen, in den sozialen Medien populärer werden – und so auch eine jüngere Zielgruppe ansprechen. Wobei ich mich manchmal frage, welche Rolle meine eigene Wahrnehmung spielt. Fallen mir die vielen Rennradfahrer einfach erst auf, seit ich selbst zu ihnen gehöre? Oder hat die Zahl in den vergangenen Jahren wirklich so stark zugenommen?

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Zumindest liefern die Daten aber auch ein Argument in Diskussionen mit Kritikern solcher Veranstaltungen, die es nicht für angemessen halten, für Läufer, Radfahrer oder Skater Straßen stundenlang zu sperren. Erst recht nicht im Zentrum der Stadt. Die Zahlen zeigen, dass es dabei nicht nur um den Spaß der Teilnehmer geht. Die großen Events sind ein Wirtschaftsfaktor, ob in Berlin oder in Lübbenau zum Spreewald-Marathon, zu dem alle Hotels ausgebucht waren. Allein über die sozialen Netzwerke wurden mit dem Berlin-Marathon laut Studie 130 Millionen erreicht. Das ist Werbung für das Event, aber auch die Stadt selbst.

Eine Sache beruhigt mich aber, um hier noch einmal auf den Spaß der Teilnehmer zurückzukommen: Wenn man auf der Strecke des Marathons oder Halbmarathons unterwegs ist, spielen die ganzen Zahlen keine Rolle mehr. Dann geht es wirklich nur noch um den Spaß am Laufen. Und dann gewinnt der Sport auch ein bisschen von seiner Einfachheit zurück.