Der 50. Berlin-Marathon hat im vergangenen Jahr rund 74.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer sowie 200.000 Begleitpersonen in die Stadt gebracht – und so für erhebliche Einnahmen gesorgt. Einer aktuellen Studie zufolge, die der Veranstalter SCC Events beauftragt hatte, flossen als direkte Wertschöpfung knapp 143 Millionen Euro in die Stadt. Einberechnet sind darin die Einnahmen des Veranstalters sowie die Ausgaben der Teilnehmer und ihrer Begleiter.

Montag bis Samstag
Morgenpost der Chefredaktion
Die ersten News des Tages – direkt von der Chefredaktion. Montag bis Samstag um 6:30 Uhr.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Die Hotels in der Stadt haben den Angaben zufolge mit knapp 81 Millionen Euro und damit am meisten von dem Event profitiert. Von den 74.000 Teilnehmern reisten im vergangenen Jahr rund 48.000 aus dem Ausland an, von den 200.000 Begleitern kamen 71 Prozent von außerhalb Berlins und blieben im Schnitt knapp drei Nächte. „Das zeigt die internationale Bedeutung des Events“, sagte Julius Ranft von Nielsen Sports. Das Unternehmen hat die Studie durchgeführt. Die Gastronomie kam demnach auf eine Wertschöpfung in Höhe von rund 16,8 Millionen Euro. Weitere knapp zwölf Millionen Euro flossen in Shopping und Sightseeing, 3,6 Millionen Euro nahm der Transportsektor in Berlin ein.
Auch interessant
Kai Wegner: Berlin-Marathon als „echter Wirtschaftsfaktor für die Stadt“
Beim Veranstalter SCC Events war von Einnahmen in Höhe von rund 19 Millionen Euro die Rede, die der Marathon gebracht hat, davon gingen knapp sieben Millionen Euro im Rahmen der Produktionskosten an Unternehmen außerhalb Berlins. Zwölf Millionen Euro blieben demnach in der Stadt. Mit Blick auf die gesamte Wertschöpfung sagte Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) am Donnerstag, der Berlin-Marathon sei „ein echter Wirtschaftsfaktor für die Stadt“.
Über die direkte Wertschöpfung hinaus geht die sogenannte induzierte Wertschöpfung. Gemeint ist damit, dass Unternehmen oder Personen ihr verdientes Geld wieder ausgeben, was wiederum andere Wirtschaftsbereiche ankurbelt und dort für Umsätze sorgt. Diesen Wert beziffert die Studie mit knapp 327 Millionen Euro.
Mehr zum Thema Laufen in Berlin
- Neue Zahlen: Überall nur schlechte Nachrichten? Der Laufsport liefert fünf gute
- Laufen in Berlin: Warum es besonders ist – aber manches auch richtig nervt
- Trainer: Laufcoach über Fehler vor dem Rennen – „Sensible Phase“
- Berlins schönste Laufstrecken: Sieben Tipps für besondere Routen
Wegner nutzt Berlin-Marathon zur Werbung für Olympia-Bewerbung
Neben den monetären Effekten wurden weitere Komponenten wie die Imagewirkung betrachtet. 95 Prozent der Teilnehmer und deren Begleitungen, die nicht in Berlin leben, gaben laut Befragung an, dass sie die Stadt wieder besuchen und empfehlen würden. Bei einer Befragung von Berlinerinnen und Berlinern gaben 89 Prozent an, den Marathon zu kennen. 32 Prozent erklärten, daran Interesse zu haben. Das war im Vergleich zwischen großen Sportevents in der Hauptstadt der zweithöchste Wert hinter dem DFB-Pokalfinale.
Wegner nutzte die Daten zum Marathon zugleich, um für die Bewerbung Berlins für die Olympischen Spiele zu werben. Die Stimmung an der Strecke und die rund 1,2 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer würden zeigen, wie begeisterungsfähig die Berliner sind, wenn es um große Sportveranstaltungen geht, so der CDU-Politiker. Eine deutsche Olympia-Bewerbung ohne Berlin würde es zudem schwieriger haben. „Berlin hat die internationale Strahlkraft, das sieht man auch an den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Berlin-Marathons.“
Auch interessant
Sport soll im kommenden Doppelhaushalt einen Schwerpunkt bilden
Dem Regierenden Bürgermeister zufolge laufen zurzeit die Gespräche zwischen Senatskanzlei und der für Sport zuständigen Senatsverwaltung. „Wir werden eine Senatsvorlage für den 22. Juli erarbeiten, in der wir unser Konzept konkretisieren“, sagte er. Man wolle darin festlegen, welche Struktur für den Bewerbungsprozess geschaffen wird und welche Partner einbezogen werden. Dabei soll es auch um prominente Werber für das Event gehen. „Wir werden auch den einen oder anderen Sportler und das eine oder andere Gesicht finden, das sich für Berlin und Olympische und Paralympische Spiele in Deutschland einsetzt“, kündigte Wegner an.
SCC-Events-Geschäftsführer Jügen Lock sagte, man unterstütze die olympische Idee. Wichtig sei es aber, alle Aktiven mitzunehmen, auch abseits des großen Zuschauersports. Mit Blick auf den Marathon sagte er, man rechne für 2025 damit, dieselbe Teilnehmer- und Begleiterzahl zu erreichen wie im vergangenen Jahr zum großen Jubiläum. „Bei uns geht es weiter“, sagte Lock, der betonte, dass die Studie den Mehrwert des Marathons für Berlin zeige. Die Stadt müsse aber ebenfalls „auch in Zukunft ihren Anteil leisten“. Denn internationale Metropolen – das gilt auch für die Städte, in denen die weltweit größten Marathons stattfinden – würden untereinander konkurrieren, um Touristen anziehen.
Auf die Frage, wie viel Geld im Haushalt denn trotz Sparzwängen in den nächsten Jahren noch für die Förderung des Sports und großer Events wie dem Marathon, zur Verfügung stehen wird, sagte Wegner: „Wir haben im aktuellen Haushalt einen Schwerpunkt auf den Sport gelegt, das werden wir auch in Zukunft tun.“ Trotz der Priorisierung werde das Geld aber auch im Sport nicht reichen. Wegner sprach den „enorm hohen Investitionsbedarf in der Sportinfrastruktur“ an. Hier könne aber eine erfolgreiche Olympiabewerbung helfen.







