Das Problem bestimmt schon jetzt den Alltag von Hunderten Berliner Eltern. Und es wird noch schlimmer. Die Zustände auf dem Dahlemer Weg in Steglitz-Zehlendorf verhindern, dass sie ihre Kinder allein zur Schule schicken können. „Die Straße ist zu gefährlich. Ich habe da Angst um sie“, sagt etwa Anwohner Adam. Die zweifache Mutter Wiebke hat daher eine Petition gestartet. Mit konkreten Forderungen an Bezirk und Senatsverkehrsverwaltung kämpft sie für mehr Sicherheit.

Die 45-Jährige ist im Viertel groß geworden. Sie kennt die Zeit, als die US-Armee in West-Berlin stationiert war. Um die Ecke, wo neue Wohnquartiere später geschätzt 500 Familien anzogen, befanden sich damals auf 120.000 Quadratmetern die McNair-Barracks.
Straßenlärm und fehlender Schutz sorgen für Unsicherheit
Jetzt lebt Wiebke wieder mit Ehemann und zwei Söhnen im alten Elternhaus. Doch einiges hat sich geändert. „Früher wurde ich durch den Gesang der vorbeijoggenden, exerzierenden Soldaten wach. Heute weckt mich der Straßenlärm.“
Auch interessant
Ihre Söhne – der eine ist fünf Monate alt, der andere dreieinhalb – werden es zukünftig mit dem veränderten Dahlemer Weg zu tun bekommen, sagt die ausgebildete Architektin und Projektleiterin bei einer Agentur. Die Straße sei für die Verkehrsströme völlig ungeeignet. Es gibt keinen Mittelstreifen, der die zwei Richtungen trennt. „Oft sieht man hier geparkte Autos mit kaputten Außenspiegeln“, sagt Wiebke
Raser auf dem Dahlemer Weg: Anwohner fordern mehr Kontrollen
Bis acht Uhr donnert dichter Berufsverkehr vorbei. Zwischen 14.30 Uhr und 15 Uhr geht es stadtauswärts los. Nachts wird die Straße zur Rennpiste. „Der Dahlemer Weg ist spätestens ab der Kreuzung Seehofstraße gerade und übersichtlich. Da ist man versucht, aufs Gas zu drücken.“

Als die Polizei vor einiger Zeit an der Ecke Dahlemer Weg und Sundgauer Straße kontrollierte, ging Wiebke deshalb zu den Beamten. Weiter unten, in Richtung Goerzallee, riet sie ihnen, könnten sie noch weit mehr und höhere Treffer erzielen.
Gefährlicher Schulweg: Eltern suchen Lösungen für fehlende Überwege
Während sie an diesem Mittwochmorgen ihr schlafendes Baby mit dem Kinderwagen in Richtung Park schiebt, unterweist der 52-Jährige Adam auf der anderen Straßenseite seine zwei Töchter eindringlich, wie sie mit ihren Rädern sicher über den Dahlemer Weg gelangen. „Sie sind neun und sechs, die Große wäre eigentlich alt genug“, sagt der Vater. Aber allein dürfen sie nicht über diese Straße.
Die Mädchen gehören zu jenen in der Nachbarschaft, die auf der für sie falschen Seite der Straße wohnen. Eltern, die ihre Kinder auf der John-F.-Kennedy-Schule oder der Schweizerhof-Grundschule haben, müssen Lösungen dafür haben, dass die Stadt ihnen keinen sicheren Überweg bietet. In umgedrehter Richtung trifft es etwa Kinder der Athene-Grundschule.
Gefahr auf dem Dahlemer Weg: Schulweg wird zum Hindernisparcours
Ein Gedankenspiel: Wer etwa von der McNair-Siedlung kommt und von dort auf den Dahlemer Weg trifft, müsste zur nächsten Ampel, jener an der Seehofstraße, zusätzlich 850 Meter laufen. Elf Minuten. Mehr Strecke und Zeit, als wenn man – obwohl riskanter – direkt an der McNair-Promenade den Dahlemer Weg kreuzt. „Und“, so Wiebke, „selbst wenn Eltern ihrem Schulkind das auftragen: sehr unwahrscheinlich, dass es sich dran hält.“

Das Problem endet nicht mit der Fahrbahn. Dort schließt sich ein etwa sechs Meter breiter Streifen an, den sich Fußgänger, E-Biker, Radfahrer, Autos auf der Suche nach einem Parkplatz und Lieferdienste teilen, die in hohem Tempo über den unbefestigten Boden sausen. Gerade für Kinder und Senioren: höchst unsicher.
Auch interessant
Petition fordert sichere Lösungen für den Teltower Damm
Wiebke ist besorgt, dass sich die Gefahrenlage verschärfen wird. Auf dem Teltower Damm haben die Berliner Wasserbetriebe im Sommer Leitungsarbeiten aufgenommen. Bis April 2031 wird in sechs Abschnitten gebaut. Dabei sind Sperrungen geplant. Von Nord nach Süd wird der Verkehr des Teltower Damms umgeleitet. Den Dahlemer Weg trifft dann täglich eine zusätzliche Verkehrswelle.
Anwohner fordern Tempo 30 und sichere Querungsstellen am Dahlemer Weg
Mit der Petition „Für einen sicheren Dahlemer Weg“ wollen Wiebke und die Anwohnerinitiative Dahlemer Weg den politisch Verantwortlichen klar machen, dass die Anwohner rechtzeitig sichere Lösungen erwarten. Forderungen sind etwa dauerhaftes Tempo 30 auf dem gesamten Dahlemer Weg, gesicherte Querungsstellen und regelmäßige Geschwindigkeitskontrollen.
In der Bezirksverordnetenversammlung ist der Unmut der Anwohner längst angekommen. Drei Jahre ist es her, dass ein CDU-Antrag beschlossen wurde, nach dem das Bezirksamt bei den zuständigen Stellen darauf drängen soll, an der Ecke Dahlemer Weg/Jänickestraße eine Ampel aufzustellen. Wiebke sagt, dass genau das jetzt eine große Erleichterung für die Eltern in der Umgebung bedeuten würde.
Auch interessant
Ampel an Gefahrenkreuzung würde Eltern entlasten
- Dahlem: Baustart für zwei Stadtvillen im alten Biergarten der „Luise“
- Zehlendorf: Lebensgefährliche Elterntaxi-Anarchie vor Grundschule
- Zehlendorf: Neuer Zeitplan? So soll es mit dem U3-Ausbau weitergehen
- Steglitz: Bröckelnder Bierpinsel ist eine Gefahr für Passanten – und Weihnachtsgeschäft
- Zehlendorf: Eine erste „Rote Bank“: Warum sie mehr als nur ein neuer Sitzplatz ist
- Wannsee: Radweg des Schreckens: „Streckenweise fürchterlich“
- Steglitz-Zehlendorf: Das sind die beliebtesten Schulen
- Übersicht: Hier finden Sie alle News aus Steglitz-Zehlendorf
Allerdings liegt die Straße in Zuständigkeit des Landes. Das meldete das Bezirksamt auch Wiebke, als sie einen Brief mit der Bitte um Unterstützung geschrieben hatte. Einen neuen sicheren Überweg für die Menschen im Wohnviertel gibt es bis heute nicht.
Zur Petition geht es hier.







