Der zu trauriger Berühmtheit gelangte Berliner Bankenskandal ist für Beteiligte und Betroffene noch nicht ganz ausgestanden, da kommt auf die Bankgesellschaft neues Ungemach zu. Wie Morgenpost Online aus Ermittlerkreisen erfuhr, sind erneut Verantwortliche der Bank und ihrer Immobilientöchter ins Visier der Justiz geraten. Diesmal im Zusammenhang mit den ebenso skandalösen Vorfällen um die McNair-Siedlung in Lichterfelde, ein Projekt der Bankgesellschaft, das durch Baupfusch und verseuchte Böden zu einem Pleiteobjekt geworden ist.

Der Vorwurf: Während knapp 200 Hauskäufer bis heute ganz oder teilweise auf ihren insgesamt 30 Millionen Euro Mehrkosten für Mängelbeseitigungen an den Gebäuden sitzen geblieben sind, hat sich die Bankgesellschaft die von den Erwerbern geleisteten Kaufsummen, insgesamt 38 Millionen Euro, an Land gezogen. Möglich wurde dies offenbar durch ein kompliziertes Firmengeflecht, das die Bank rund um das Projekt McNair-Siedlung errichtete.

Als Eigentümer der Siedlung, auf dem um die Jahrtausendwende 500 Reihen- und Doppelhäuser errichtet wurden, fungierte die Prometheus KG, eine Immobilientochter der Bank. Im Juni 2004 meldete die Prometheus Insolvenz an, nicht zuletzt, weil die Senatsverwaltung für Finanzen die landeseigene Bankgesellschaft zuvor angewiesen hatte, in das „risikobehaftete Projekt“ kein Geld mehr zu stecken. Unter anderem um Schaden vom Land Berlin und dem Steuerzahler abzuwenden, wie es ein Sprecher damals formulierte.

Die Anleger interessierten offenbar nicht

Der Schaden für die Anleger, die Wohneigentum in der Siedlung erworben hatten, interessierte die Verantwortlichen dabei offensichtlich weniger. Ganz im Gegenteil. Die Kaufsummen der Erwerber nahm die Bankgesellschaft dankend an. Sie landeten, erstaunlich genug, nicht auf den Konten der bankrotten Prometheus KG. Sondern bei der Bavaria, einer weiteren mit der McNair-Siedlung befassten Tochter der Bank. Von dort, hieß es aus Bankerkreisen, gingen diese Gelder direkt an die Bank.

„Durch die Pleite der Prometheus und die dadurch verursachten Baustopps sind die Hauskäufer bis heute auf ihren Kosten sitzen geblieben. Ihre gezahlten Kaufsummen sind hingegen fast zeitgleich mit dem Insolvenzantrag der Prometheus über die Bavaria an die Bank geflossen, das riecht nach Mauschelei“, erklärte ein Insider der landeseigenen Bank gegenüber WELT ONLINE. Diese Merkwürdigkeit habe offenbar die Staatsanwälte auf den Plan gerufen, die inzwischen bei Durchsuchungen zahlreiche Unterlagen beschlagnahmt hätten, berichtete der Banker weiter.

Justizsprecher Michael Grunwald äußerte sich nur zurückhaltend. „Es laufen Ermittlungen im Zusammenhang mit Insolvenzdelikten und Untreue“, bestätigte Grunwald am Dienstag. Dabei seien auch Unterlagen „erhoben“ worden. Weitere Auskünfte seien wegen des laufenden Verfahrens nicht möglich, so der Justizsprecher.

Während die Justiz ihre Ermittlungen aufgenommen hat, versucht Prometheus-Insolvenzverwalter Udo Feser seit Jahren Gelder aufzutreiben, um die Forderungen der Gläubiger zumindest teilweise zu befriedigen. Dabei stehe er auch in Verhandlungen mit der Bankgesellschaft, sagte Feser. Über den Stand der Verhandlungen und die zur Debatte stehende Summe wollte er sich nicht äußern. Die ganzen 38 Millionen werden es aber wohl nicht werden.