Der Mann in der Zusteller-Uniform muss nicht lang nachdenken: „Das ist heute wieder mein Fahrtweg. Und der ist streckenweise fürchterlich“, sagt der 42-jährige Ricardo. Die Route Zehlendorf-Eiche bis S-Bahnhof Wannsee ist nicht nur bei Profis wie ihm berüchtigt. Ungewöhnlich deutliche Zustimmung kommt auch von der Berliner Senatsverkehrsverwaltung. Der Linken-Fraktionschef in der BVV Steglitz-Zehlendorf und mögliche zukünftige Stadtrat Dennis Egginger-Gonzalez geht in seinem Urteil sogar weiter. Aus seiner Sicht besteht schon ab Schloßstraße Handlungsbedarf.
Wenn es ab kommendem Wochenende eine Stunde früher dunkel wird, nehmen besonders für Kinder und Senioren die Risiken auf der berüchtigten Strecke, der B1 nach Wannsee, zu. Post-Austräger Ricardo nennt unerwartete Schlaglöcher und ein Pflaster, dass an vielen Stellen von den Wurzeln der Straßenbäume hochgedrückt wurde.
Rad- und Fußweg kämpfen mit Platzmangel und schlechten Wegen
Ab der Ecke Potsdamer Straße und Fischerhüttenstraße verläuft der asphalierte Radweg neben Waldboden. Fußgänger laufen deshalb oft lieber auf dem befestigten Untergrund der Radler, wodurch man sich aber in die Quere kommt. „Fußgänger und Radfahrer werden gegeneinander ausgespielt“, sagt Linkenpolitiker Egginger-Gonzalez.

Von der Höhe Neue Straße an ist der Radweg dann plötzlich kaum einen Meter breit. Bis Spanische Allee geht es über Wurzelhügel, geborstene Bodenplatten, Gullideckel, die beim Einbau nie auf Niveau des Radwegs, sondern immer zu hoch oder zu tief eingelassen wurden.
Schlaglöcher und gefährliche Kante gefährden Fahrradfahrer
Zuvor endet an der Kreuzung Lindenthaler Allee der Radweg abrupt an einer daumenbreiten Kante. Ungeübte geraten ins Schlingern, während von links auch noch Autos abbiegen und den Weg kreuzen wollen. Auch wenn nichts passiert: Zumindest bleibt durch die harte Kollision mit der Bodenkante eine „Acht“ im Vorderrad.

Zwei Tunnel führen unter dem Autobahnkreuz Zehlendorf hindurch. Der Boden unter den Reifen ist rutschig. Den Anstieg bewältigt eine Seniorin dank Elektrorad mühelos. Ohne Motorhilfe würde es für sie schwierig.
Egginger-Gonzalez fordert besseres Radfahr-Angebot für Hauptachse
„Stückwerk“, nennt Egginger-Gonzalez den Streckenzustand. „Das ist eine Hauptachse, da muss es doch ein gutes Radfahrtangebot geben“, sagt er. Egginger-Gonzalez‘ Forderungen könnten zukünftig mehr Gewicht im Bezirk bekommen. Nach den Zugewinnen seiner Partei bei der jüngsten Wahl, mit einem Plus von 7,9 Prozent auf nun 12,6 Prozent, könnte er auf einen Stadtratsposten gelangen. Noch aber ist die nächste Zählgemeinschaft in Steglitz-Zehlendorf nicht ausgehandelt. Zuvor wurden er und Lara Wiebelt jetzt zu den Fraktionschefs in der nächsten Bezirksverordnetenversammlung gewählt.
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Der Zustand der Fahrradwege ist bei der Senatsverkehrsverwaltung als schlecht bekannt. Überwiegend entsprächen sie nicht den aktuellen Anforderungen, heißt es auf Anfrage. Das liege etwa an ihrer geringen Breite von überwiegend nur circa einem Meter, teilweise fehlenden oder sehr geringen Abständen zum ruhenden Verkehr und etappenweise unebenem Betonpflasterbelag.
Radweg-Sanierung bleibt Aufgabe des Bezirks
Nach „besonders auffälligen Abschnitten“ gefragt, antwortet man deutlich: „Besonders auffällig sind eher die wenigen guten Abschnitte.“ Zurückliegende Sanierungsmaßnahmen waren laut Senatsverwaltung Radwege im Bereich der Zufahrten am Autobahnkreuz Zehlendorf und im Bereich Lindenthaler Allee und gegenüber der Einmündung Fürstenstraße. Dort wurde ein zu schmaler und von Baumwurzeln teilweise zerstörter Radweg vor einigen Jahren zumindest stadteinwärts durch einen Radfahrstreifen ersetzt.

Ansonsten macht die (CDU-geführte) Senatsverwaltung klar, dass die Zuständigkeit zunächst einmal beim (Grünen-geführten) Bezirk liege. Geht es um teilweise Änderungen des Straßenraums, wie sie bei typischen reinen Radverkehrsmaßnahmen üblich sind, sei auch für die Bundesstraße das Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf der sogenannte Baulastträger. Frühere Sanierungen habe der Bezirk dann in Abstimmung mit der Senatsverwaltung und mit deren finanzieller Unterstützung in Auftrag gegeben.

Auf die Frage, ob weitere Sanierungsmaßnahmen der maroden Radwege geplant sind, heißt es: „Aktuell nach unserem Kenntnisstand nicht, da das Bezirksamt nur über sehr wenig Personal verfügt und andere Straßen als prioritärer einschätzt.“
Im vergangen Jahr hatten Senat, Bezirk und die landeseigene infraVelo auf dem Königsweg insgesamt 1,3 Kilometer zur Fahrradstraße umgebaut. Die Strecke ist für viele zu einer willkommenen Alternative zur holperigen Potsdamer Chaussee geworden.
Parkspur auf der B1: Immer mehr Lücken und abgestellte Anhänger
Zurück zur Tour gen Wannsee: Schon ab der Bahnbrücke nahe der Sprint-Tankstelle ist die Parkspur stadtauswärts immer weniger genutzt. Wohl wegen der ausdünnenden Wohnbebauung. Parklücken sind dort 100, 200 Meter groß. Bauunternehmen stellen langfristig ihre Fahrzeuge ab, ein Bootsanhänger reiht sich an den nächsten. Einer stammt laut Nummernschild sogar aus München.
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Egginger-Gonzalez hat die offensichtlich geringe Nachfrage von Anwohnern nach Stellplätzen auf eine Idee gebracht. „Warum nicht diese Parkspur als Radweg ertüchtigen und den jetzigen Radweg als Parkspur nutzen?“
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Dies würde wohl dann doch in die Zuständigkeit der Senatsverkehrsverwaltung fallen, die über sogenannte grundhafte Umbauten des Straßenraums bestimmt. Aber Post-Ausfahrer Ricardo wäre begeistert. Derzeit gibt es ab Lissabonallee stadteinwärts auf der Fahrbahn einen rund 1,5 Kilometer langen Radstreifen. Der erwartet ihn an diesem Vormittag auf seiner Rückfahrt in Richtung Zehlendorf. „So müsste die ganze Strecke sein“, sagt Ricardo.





