Berlin will bauen: Linke, Grüne und SPD streben bis 2031 ganze 100.000 Baugenehmigungen an, die in ebenso viele Wohnungen münden sollen. Ob es dazu kommt, ist mit vielen Fragezeichen versehen. Die schlechte Nachricht für alle, die in Berlin händeringend eine Wohnung suchen: Entspannung ist auch im Berliner Umland nicht zu erwarten, wie aus dem Jahresbericht des BBU Verbands Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen hervorgeht.

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Die Neubauinvestitionen der BBU-Unternehmen im Berliner Umland sanken laut Bericht 2025 um 40,1 Prozent. Brandenburgweit begannen die Mitgliedsunternehmen mit dem Bau von nur 451 Wohnungen, 44,5 Prozent weniger als 2024. Dabei stehen im Umland nur 1,8 Prozent der Wohnungen leer. „Als ausgeglichen gilt ein Markt mit etwa drei Prozent“, so BBU-Vorständin Maren Kern.

Der Hoffnung, dass im Zuge der Vergesellschaftungsdebatte mehr Unternehmen ihre Neubautätigkeit nach Brandenburg verlagern und dort perspektivisch mehr Wohnungen entstehen, erteilte der BBU eine Absage. Vielmehr könnten sich Baukredite wegen der Berliner Eingriffe auch dort verteuern.

Kostenexplosion lässt Neubau-Mieten im Umland stark steigen

Die stark gestiegenen Finanzierungs- und Baukosten sind laut BBU die größte Neubaubremse. Bei Baukosten von 4700 Euro pro Quadratmeter, 80 Prozent Kredit und zwei Prozent Tilgung ergibt sich zu den Zinsen von Mitte Oktober eine Kostenmiete von mindestens 24 Euro, also 1560 Euro nettokalt für 65 Quadratmeter. „Solche Mieten wären für das Gros der Haushalte unerschwinglich“, sagt Kern. Ohne Förderung lasse sich bezahlbarer Neubau nicht wirtschaftlich umsetzen. Rund 86 Prozent der Umland-Unternehmen halten die Förderhöhe für unzureichend. Der BBU fordert, die Förderbeträge regelmäßig an die Baukosten anzupassen.

Koalition plant Wohnungsbau – Verbände äußern Zweifel

Berlin hat dafür wenig Spielraum. Das Sondierungspapier räumt eine „Schieflage“ im Haushalt ein. Linke, Grüne und SPD wollen zwar ein „öffentliches Wohnungsbauprogramm“ starten. Eine Summe dazu gibt es allerdings nicht. Die 16 Milliarden Euro im Papier betreffen nur die Entschädigung bei der Vergesellschaftung. Entsprechend skeptisch reagieren Bau- und Wohnungsverbände.

„Privates Kapital mobilisieren und gleichzeitig Vergesellschaftung vorbereiten, das ist ein wohnungspolitischer Widerspruch“, sagt Katarzyna Siwek, Geschäftsführerin der Fachgemeinschaft Bau Berlin und Brandenburg. Der Verband vertritt rund 900 Betriebe. „Papier schafft keinen Wohnraum. 100.000 Genehmigungen müssen am Ende auch zu 100.000 Wohnungen werden.“ Das gelinge nur, wenn Bauen wieder wirtschaftlicher werde und Investoren auf stabile Spielregeln vertrauen könnten.

Auch die Berliner Wohnungsbaugenossenschaften, denen die Sondierer eine zentrale Rolle bei der Schaffung bezahlbaren Wohnraums zuweisen, haben Vorbehalte. Auf landeseigenen Grundstücken sollen bis zu 25 Prozent genossenschaftlicher Neubau möglich werden. Das sei, sagt Jörg Kneller, Sprecher der Wohnungsbaugenossenschaften, „erst einmal positiv“. Unklar sei aber, zu welchen Bedingungen sie beteiligt werden. Berlin vergibt Grundstücke an Genossenschaften bislang nur per Erbpacht. „Das widerspricht aber der genossenschaftlichen Kernidee von langfristiger Stabilität, wir sind dauerhafte Bestandshalter.“ Für einen Großteil der Genossenschaften sei Erbpacht keine Option.