"Trink Coca-Cola eiskalt" stand jahrzehntelang weit sichtbar in großen roten Leuchtbuchstaben und in der geschwungenen Schrift des markanten Coca-Cola-Logos auf dem Dach des Gebäudes in der Hildburghauser Straße. Fast 60 Jahre lang wurde von diesem Standort aus Berlin mit Brause versorgt. Doch mit der Wende kam das Aus – da half auch nicht, dass die Abfüllfabrik in Werken wie Billy Wilders "Eins, zwei, drei" (1961) und "Good Bye, Lenin!" (2003) verewigt wurde. Die wichtigsten Infos zu dem ehemaligen Lost Place.
Das sind die Fakten zur Coca-Cola-Fabrik im Überblick:
- Adresse: Hildburghauser Straße 224–228, 12209 Berlin-Lichterfelde
- Geschichte: 1936 als Coca-Cola-Abfüllwerk in einem ehemaligen Brauereigebäude eingerichtet; Stilllegung in den Kriegsjahren wegen Rohstoffmangels; 1948 Wiederinbetriebnahme; 1957 bis 1958 Bau des neuen Produktions- und Verwaltungsbaus nach Plänen des Architekten Hans Simon (1909–1982); nach 1992 Leerstand infolge der Verlegung der Coca-Cola-Produktion nach Hohenschönhausen
- Führungen: Keine
- Denkmalschutz: Objekt-Nr. 09055139
- Status: Ehemaliger Lost Place. 2012 wurde das 18 Hektar große Gelände geteilt; das alte Produktions- und Verwaltungsgebäude saniert und von einer Kfz-Reparaturwerkstatt bezogen
Wo liegt die Coca-Cola-Fabrik genau?
Das ehemalige Produktions- und Verwaltungsgebäude von Coca-Cola steht in der Hildburghauser Straße 224–228 im Ortsteil Lichterfelde des Bezirks Steglitz-Zehlendorf. Das Gebäude befindet sich in Sichtweite der Haltestelle. Alternativ kann auch der S-Bahnhof Osdorfer Straße (S25, S26) genutzt werden, von dem aus man etwa drei Minuten zu Fuß entlang der Hildburghauser Straße bis zu dem Industriegebäude benötigt. Auch interessant: Lost Places: Diese Strafen drohen bei Hausfriedensbruch
Das sind die wichtigsten Etappen der Geschichte der Coca-Cola-Fabrik:
Ausgangslage: Coca-Cola für das Dritte Reich und die Olympischen Spiele 1936

1936 entstand die erste Coca-Cola-Abfüllanlage in Berlin in einem ehemaligen Brauereigebäude auf dem Grundstück Hildburghauser Straße 224. Gerade rechtzeitig hatte es der US-Konzern geschafft, seine Produktion in der Hauptstadt aufzubauen, um die pompöse Eröffnungsfeier der Nationalsozialisten, mit denen die Olympischen Sommerspiele 1936 begannen, begleiten zu können. Seit sechs Jahren war der offensiv vermarktete Softdrink des Limonadenherstellers offizielles Erfrischungsgetränk der Spiele. Daran sollte sich auch im Hakenkreuzfahnenmeer von Berlin 1936 nichts ändern.
In Deutschland war der US-Konzern schon seit ein paar Jahren vertreten. 1929 war in Essen die erste Coca-Cola-Flasche in Deutschland abgefüllt worden. Doch erst mit den Olympischen Spielen schaffte das Getränkeunternehmen in den 1930er-Jahren den Durchbruch auf dem deutschen Markt: Wurden 1929 eher magere 5.840 Kisten aus der Essener Zentrale an den Mann und die Frau gebracht, gab es 1939 bereits 50 Fabriken in ganz Deutschland und einen Jahresabsatz von 4,5 Millionen Kisten zu verbuchen, von denen 200.000 Kisten aus dem Berliner Werk stammten.
Unter der Leitung des Unternehmers Max Keith, von 1937 bis 1968 Geschäftsführer der Coca-Cola GmbH, begannen sich die Deutschen an die zuckrige Brause zu gewöhnen – bis die Produktion im Krieg eingestellt werden musste. Im Berliner Werk in der Hildburghauser Straße standen die Abfüllmaschinen aufgrund von Rohstoffmangel still. In Essen ließ Max Keith unterdessen ein Ersatzprodukt auf Molkebasis entwickeln. Es war die Geburtsstunde der Fanta und die Rettung für die deutsche Sektion des Unternehmens. Zwischen 1942 und 1949 konzentrierte sich die Coca-Cola GmbH ausschließlich auf den Vertrieb des Ersatzproduktes. Doch die Berliner waren zunächst außen vor. Ein Bombentreffer hatte die Anlagen in Lichterfelde zerstört.
Coca-Cola-Fabrik: Neubau der Anlage in den 1950er-Jahren

Direkt nach Kriegsende begann der Wiederaufbau der Abfüllanlagen an der Hildburghauser Straße. 1948 konnte der Betrieb wiederaufgenommen werden. Die Lage des Werks war perfekt: Lichterfelde lag als Ortsteil von Steglitz im US-amerikanischen Sektor der geteilten Stadt und hatte kurze Lieferwege, um die GIs mit dem Lieblingsgetränk ihrer Heimat zu versorgen. Mit den McNair Barracks an der Goerzallee, den Roosevelt Barracks am Gardeschützenweg und den Andrews Barracks in der Finckensteinallee fanden sich Großabnehmer, die den Neustart der Produktion nach dem Krieg in Berlin beschleunigten. In Charlottenburg befand sich ein zweites Werk, das die englischen und französischen Sektoren belieferte.

Rasch eroberte sich der Getränkehersteller Marktanteile in Berlin zurück, und spätestens als Boxweltmeister Max Schmeling in den 1950er-Jahren als Konzessionär für Coca-Cola in Hamburg gewonnen werden konnte und prominentes Werbegesicht der Marke wurde, schossen die Produktions- und Absatzzahlen auf dem (west-)deutschen Markt in ungeahnte Höhen.
Die Fabrikanlagen in der Hildburghauser Straße wurden stetig erweitert, bis die Gesamtanlage für den gestiegenen Bedarf nicht mehr ausreichte. Ende der 1950er-Jahre entschlossen sich die Verantwortlichen die alten Brauereigebäude zugunsten eines Neubaus abzureißen. Beauftragt wurde der Architekt Hans Simon (1909–1982), der bereits einige Jahre zuvor für Coca-Cola in Charlottenburg tätig geworden war.
Coca-Cola-Fabrik: So war die Anlage aufgebaut
In Lichterfelde schuf Hans Simon ein repräsentatives Fabrik- und Verwaltungsgebäude mit typischen Elementen der Nachkriegsmoderne: eine durch vertikale Betonstreben und türkisfarbene Glasmosaiksteine gegliederte Fassade und ein luftiges Foyer mit dynamisch aufstrebendem Treppenhaus. Während die beiden oberen Etagen des dreigeschossigen Baus hinter einer Rasterfassade zurücktraten, war das Erdgeschoss mit großen Fensteröffnungen und einem abschließenden Gesims hervorgehoben.
Bis 1958 waren die Arbeiten abgeschlossen und der Betrieb konnte seine Produktion aufnehmen. Coca-Cola realisierte in Lichterfelde eine gläserne Fabrik. Kein Zaun trennte das Grundstück vom Straßenraum. Die Nachbarn sollten sehen, wie sauber und modern bei Coca-Cola gearbeitet wurde. Neben dem Foyer lag die Abfüllstation im Erdgeschoss, Zucker- und Kronkorkenlager, Sirupraum, Schulungsräumen und Büroräumen in den Obergeschossen. Im hinteren Teil des Grundstückes befand sich die Verladestation. Kolonnen von Lkws rollten Tag für Tag auf das Gelände und lieferten die kostbare Fracht in Westberlin aus.
Für die Kinder der Siedlung war das neue Cola-Werk eine Sensation. Sie konnten durch die Schaufenster des Erdgeschosses die Füllanlage sehen und die Arbeiter dabei beobachten, wie sie die Flaschen kontrollierten. Einmal im Monat gab es einen Tag der offenen Tür. Außer der begehrten "Coke" konnten sie dort kleine Werbegeschenke ergattern – Flaschenöffner, Luftballons und Wimpel mit Cola-Logo.
Coca-Cola-Fabrik: "Mach mal Pause… – Trink Coca-Cola"
In der Wirtschaftswunderzeit liefen die Geschäfte gut: Der Absatz stieg, die Maschinen ratterten ohne Unterlass. Berlin war immer noch innovativ. Im April 1957 wurde hier die erste 0,7 Liter Familienflasche abgefüllt – bisher üblich waren 0,2 Liter Standardflaschen. Als die Schultheiss Brauerei AG die Abfüllanlage 1960 übernahm, wurden jährlich bereits mehr als 25 Millionen Flaschen Coca-Cola in dem Berliner Werk abgefüllt und vertrieben – und dann wehte auch noch ein Hauch von Hollywood nach Lichterfelde. Billy Wilder verewigte die Produktionsstätte in seiner Filmkomödie "Eins, zwei, drei" (1961). In der Satire will Direktor MacNamara (James Cagney) den Vertrieb von Coca-Cola hinter dem Eisernen Vorhang vorantreiben – für ihn mithin "alles unerschlossenes Gebiet, 300 Millionen durstige Genossen, Wolgaschiffer und Kosaken."

Für die Dreharbeiten stellte Coca-Cola die Betriebsstätte in Lichterfelde zur Verfügung, an der nicht viel verändert werden musste. In den Außenaufnahmen mit Horst Buchholz, Pamela Tiffin und Liselotte Pulver sieht man die Produktionsstätte der 60er-Jahre. Für die Szenen in MacNamaras Büro musste kurzerhand das echte Direktorenbüro samt Direktorenschreibtisch herhalten. Nur einige der Cola-Requisiten und einen Fahrstuhl im Foyer gab es so nicht. Während der Dreharbeiten wurde Billy Wilder von den echten Ereignissen in Berlin überrascht: Im August 1961 hatte die DDR mit dem Bau der Berliner Mauer begonnen. Geplante Dreharbeiten am Brandenburger Tor mussten abgebrochen werden.
Coca-Cola-Fabrik: Gratisflaschen für DDR-Grenzer in der Wendezeit
Mit der raschen Umsatzsteigerung im Ostblock wurde es so zwar nichts, doch auch in der geteilten Stadt konnte Coca-Cola noch Wachstum verzeichnen. In Lichterfelde wurde nicht nur Coca-Cola und Fanta produziert, sondern auch Marken wie Sprite und Mezzo-Mix liefen über die Abfüllanlage. Das Werk versorgte zusammen mit der Charlottenburger Abfüllstation in der Franklinstraße 24 die Märkte in ganz Westberlin. 1969 konnte Schultheiss das Betriebsgelände erweitern und das angrenzende Grundstück der ehemaligen Gewächshausfirma Böttcher und Eschenhorn erwerben. Größere Lagerhallen wurden gebaut und neue Ein- und Ausfahrten entstanden für den Coca-Cola-Fuhrpark.
Knapp vier Jahrzehnte lang versorgte das Coca-Cola-Abfüllwerk in Lichterfelde den Bedarf in Westberlin, dann kam die Wiedervereinigung. In der Wendezeit muss sich der Direktor der Lichterfelder Niederlassung, Paul-Gerhard Ritter, an sein filmisches Pendant MacNamara erinnert gefühlt haben. Am Abend des 10. November 1989 ließ er mehrere Firmenlastwagen zum Kurfürstendamm, zum Europacenter und zur Gedächtniskirche fahren und von der Ladefläche Gratisdosen verteilen. Tags darauf fuhr er selbst zur Mauer und verteilte Cola-Flaschen. Wie es heißt, sollen auch die DDR-Grenzer nicht leer ausgegangen sein. Ab Januar 1990 konnte man die Cola-Produkte in Berlin für DDR-Mark kaufen und zwei Monate später wurde die "Coca‑Cola Erfrischungsgetränke GmbH" für das Geschäft im Osten gegründet.
Coca-Cola-Fabrik: Lost Place in Lichterfelde seit den 1990er-Jahren
Mit der Wiedervereinigung kam aber auch das Aus für den Standort an der Hildburghauser Straße. Genauso wie das Charlottenburger Werk wurde es Anfang der 1990er-Jahre aufgegeben. Nachdem Coca-Cola 1992 die Produktion und Abfüllung nach Hohenschönhausen verlegte, gingen an dem traditionsreichen Lichterfelder Standort die Lichter aus. Die letzten Mitarbeiter verließen die Abfüllstationen, die letzten Flaschen wurden verkront und die letzten Cola-Kästen verladen. Dann war endgültig Schluss für das Cola-Werk an der Hildburghauser Straße. Die Nebengebäude und Lagerhallen wurden abgerissen. Das unter Denkmalschutz stehende Hauptgebäude fiel als Lost Place in einen jahrzehntelangen Dornröschenschlaf – nur unterbrochen von erneuten Dreharbeiten.
In Wolfgang Beckers Wende-Komödie "Good Bye, Lenin!" (2003) wurde das leerstehende Gebäude noch einmal zur Filmkulisse. Der Film erzählt von einer Frau, die im Oktober 1989 ins Koma fällt und nach Wiedererwachen von ihrem Sohn in der Illusion gehalten wird, sie lebe nach wie vor in der "alten" DDR. Um eine Cola-Werbung zu erklären, fingieren die Freunde Denis (Florian Lukas) und Alex (Daniel Brühl) einen Bericht der "Aktuellen Kamera", in der Coca-Cola als sozialistische Erfindung dargestellt wird. Es sind verzweifelte Versuche die Täuschung aufrechtzuerhalten.
Zum Zeitpunkt der Filmaufnahmen stand das Gebäude an der Hildburghauser Straße bereits seit zehn Jahren leer und verfiel immer mehr. Das alte Industriestandort war dem Verfall preisgegeben und erlitt Vandalismus-Schäden. An den Fassaden verewigten sich Graffiti-Künstler, der Putz begann zu bröckeln und auf der Grünfläche zur Straße hin wucherten Pflanzen und Büsche. Längst war auch der charakteristische Schriftzug an der Front des Gebäudes entfernt worden.
Coca-Cola-Fabrik: Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes
Zwanzig Jahre lang stand die ehemalige Abfüllanlage leer und verrottete langsam. Bis 2012 eine Autoreparaturwerkstatt einzog. Ein Zaun wurde um das Werk errichtet, die Schaufenster verspiegelt und das ehemalige Coca-Cola-Verwaltungs- und Fabrikgebäude aufwendig nach den Vorgaben des Denkmalschutzes saniert. Das einst etwa 18 Hektar große Gelände wurde geteilt.
Rund 3,7 Hektar entfielen auf das Grundstück Hildburghauser Straße 224–228 auf dem die alte Coca-Cola-Fabrik stand. In dem Produktions- und Verwaltungsgebäude der Abfüllfabrik hat der neue Eigentümer eine Kfz-Werkstatt eingerichtet. Auf dem übrigen Grundstücksteil mit fast 14 Hektar an der Hildburghauser Straße 230–232 war eine Bebauung mit Einfamilienhäusern geplant, die aber bis heute nicht erfolgt ist.
- Überblick: Alle Artikel zu Lost Places in Berlin
- Experte: Dieser Mann erklärt den Kult um Lost Places
- Hausfriedensbruch: Lost Places besuchen – Diese Strafen drohen


