"You can't beat the feeling" - Man kann das Gefühl nicht schlagen: Coca-Cola ist nicht nur eine koffeinhaltige, süße Limonade, sondern symbolisiert wie kein anderes Getränk das Lebensgefühl vieler Generationen. Seit 1935 gibt es Coke auch in Berlin.

Die wohl bekannteste Getränkemarke der Welt feiert Geburtstag: Vor genau 75 Jahren kam Coca-Cola nach Deutschland. Abgefüllt wurde sie zum allerersten

Mal in Essen, doch das Verhältnis des rot-weißen Unternehmens zu Berlin ist ein ganz besonderes.

"Der Coca-Cola-Verkauf startete 1935 über sieben selbstständige Konzessionäre in der Hauptstadt. Ein Jahr später wurde dann die Abfüllfabrik in Lichterfelde-Ost eröffnet. Schon damals wurden die Teilnehmer und Besucher der Olympischen Spiele ausgestattet", erzählt Rüdiger Henke, Chef des Abfüllwerks in Hohenschönhausen und Coca-Cola-Mitarbeiter seit fast 30 Jahren.

In den Kriegsjahren konnte die braune Limonade wegen der Rohstoffverknappung nicht mehr produziert werden - deshalb wurde Fanta entwickelt, eine Limonade auf Molkebasis. 1948 wurde die Fabrik in Lichterfelde wieder in Betrieb genommen - zunächst jedoch nur zur Versorgung der amerikanischen Truppen in Berlin. Der deutschlandweite Verkaufsstart nach dem Krieg war 1949.

"1953 eröffnete dann der Regierende Bürgermeister Ernst Reuter die Charlottenburger Abfüllanlage, die den britischen und den französischen Sektor belieferte", sagt Henke. Vor der Maueröffnung diente Berlin dem Konzern häufig als Testmarkt für neue Produkte. Mittlerweile hat die Zentrale von Coca-Cola Deutschland ihren Sitz an der Friedrichstraße.

Der gelernte Braumeister Henke startete seine Coca-Cola-Karriere in Charlottenburg. Seit 1993 ist der 60-Jährige für das Abfüllwerk in Hohenschönhausen zuständig. Pro Tag können dort zwischen 500 000 und 600 000 Mehrwegflaschen mit 22 Getränkesorten, die bekanntesten sind nach wie vor Coca-Cola und Fanta, abgefüllt werden. In 24 Stunden werden zwischen 140 und 180 Lastwagen beladen, um Berlin, Brandenburg und Teile Mecklenburg-Vorpommerns zu beliefern.

Alltag für Rüdiger Henke, dessen Arbeitstag um 6.30 Uhr beginnt. "Eines meiner schönsten Erlebnisse war es, als wir 1990 an jeden DDR-Bürger, der zum Werk nach Hohenschönhausen kam, eine Palette Cola-Dosen verschenkten", erzählt der gebürtige Bremer. "Der Andrang war riesig, und die Menschen brachten uns sogar Geschenke mit." Gerade in den ersten Jahren nach der Wende explodierte das Geschäft. "Wir mussten sogar aus Israel Ware beziehen." An seine erste eigene "Coke" erinnert sich Rüdiger Henke noch genau. "Das war in den 50er-Jahren, und ich bekam sie als Belohnung für eine fehlerfreie Fahrradfahrt im Verkehrsgarten der Schule."

Seine eigene Belegschaft hat Kultur-Freund Henke schon ganz anders für gute Leistung belohnt. 1985 mietete er das "Delphi"-Kino an der Kantstraße und schaute mit seinen Mitarbeitern und deren Familien den Billy Wilder-Film "Eins, Zwei, Drei", in dem James Cagney den Berliner Coke-Chef MacNamara spielt. "Der Film wurde 1961 zum Teil an Originalschauplätzen in Lichterfelde gedreht."

Die Produktionsstandorte Lichterfelde und Charlottenburg wurden mittlerweile geschlossen. In Hohenschönhausen und dem neuen Standort Genshagen läuft die Produktion hoch technisiert und fast vollautomatisch. Was sich nicht geändert hat - das Coca-Cola-Rezept ist nach wie vor absolut geheim. "Das Konzentrat wird in verplombten Behältern aus Irland geliefert."

Damit nicht genug, die klassische Coca-Cola wird sogar aus zwei verschiedenen geheimen Sirup-Sorten gemischt.

Am liebsten würde Rüdiger Henke noch bis 67 Jahre weiterarbeiten. "Aber wenn ich dann in den Ruhestand gehe, dann werde ich mir zu Hause ein Zimmer rot-weiß einrichten. Mit Coke-Automat und anderen Sammlerstücken."