Wer ist Ahmed D.? Und wie viel Einfluss hat der 34-Jährige in der Unterwelt der Hauptstadt? Eine mögliche Antwort auf diese Frage könnte das Landgericht Berlin nun erbringen. Seit Dienstag sitzt D. hier auf der Anklagebank. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm gefährliche Körperverletzung und Verstöße gegen das Waffengesetz vor. Hintergrund ist ein Anschlag auf einen Konkurrenten von D. - siebenmal wurde am 30. März in die Beine des wehrlosen 36-jährigen Geschädigten geschossen. Von hinten, am helllichten Tag, mitten in Spandau.
Doch hat sich D. damals den Ermittlern zufolge nicht selbst die Hände schmutzig gemacht. Mit angeklagt sind die beiden Heranwachsenden Bedri C. und Eyüp Y., beide 21 Jahre alt. Wie D. auch sind sie türkische Staatsbürger. Vor allem aber sollen sie seine willfährigen Werkzeuge gewesen sein. In der Anklage heißt es, D. und eine weitere unbekannte Personen hätten das Opfer, dem D. in Feindschaft verbunden war, „bestrafen“ wollen. Hierzu hätten sie C. und Y. eine Waffe samt Munition verschafft und ihnen die Wohnadresse des Konkurrenten gegeben. Der Tod des Mannes sei dabei zumindest in Kauf genommen worden.
Der planmäßige Schütze bekam vor dem Attentat Muffensausen
Planmäßig hätte eigentlich Y. als Schütze fungieren sollen, doch kurz vor der Ausführung der Tat „habe ihn der Mut verlassen“. Darauf habe C. in einer Art Freundschaftsdienst übernommen, damit Y. sein Gesicht nicht verliere - auch aus Furcht vor dem Drahtzieher Ahmed D. Das gab C. am Dienstag zum Prozessauftakt zu. „Ich habe einen schweren Fehler begangen“, ließ er über seinen Verteidiger mitteilen. „Ich weiß heute nicht mehr, warum ich das gemacht habe.“ Weitere Hintergründe zu dem Attentat blieben zunächst aus. Die anderen Angeklagten schwiegen.
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Der Fall ist deshalb bemerkenswert, weil der Name Ahmed D. bereits am Montag im Kriminalgericht Moabit gefallen ist. Und zwar als „Ahmed von den Daltons“, Chef einer nach den Gangster-Figuren aus den „Lucky Luke“-Comics benannten Bande, die im März versucht hatte, führende Mitarbeiter der türkischen Supermarktkette „Eurogida“ zu erpressen. Und das nahezu zeitgleich zu den Schüssen von Spandau, wegen denen D. nun in Untersuchungshaft sitzt.
Ahmed D. soll als Mittelsmann für die organisierte Kriminalität fungieren
Wegen der versuchten räuberischen Erpressung der Supermarktketten-Mitarbeiter steht derzeit nämlich auch der 20-jährige Alican C. vor Gericht. Er gab am Montag zu, für die Schüsse auf zwei Filialen verantwortlich gewesen zu sein. Sein Auftraggeber: Ahmed D. Dieser habe einer Gruppe junger türkischer Männer vorgestanden und sei selbst einem mysteriösen Boss untergeben gewesen, der nur als „Der Schmetterling“ bekannt ist. Inwiefern die „Daltons“ in Berlins vielfältige Organisierte Kriminalität eingebettet sind, ist unklar.
Anders der Plan der Gruppe: leitende Mitarbeiter der Berliner Supermarktkette durch die Androhung erheblicher Gewalttaten zu erpressen. Immer wieder hätten die Mittäter des 20-jährigen C. ihre Opfer angerufen und Zahlungen von 250.000 bis 500.000 Euro verlangt. Es handele sich um „Schutzzölle“.
Andernfalls drohten sie damit, mehrere Marktfilialen zu sprengen und einem Filialleiter in die Füße zu schießen - eine Parallele zum Attentat von Spandau. Außerdem gaben sie an, die Familien der Angestellten brutal töten zu wollen. Zu einer Geldübergabe ist es trotz der Schüsse und der kriminellen Drohanrufe allerdings nie gekommen. Vorher schlug die Polizei zu.
Modus Operandi: Rekrutiert Ahmed D. für den „Schmetterling“ in Asylunterkünften?
Dabei scheint sich ein Modus Operandi von D. herauszubilden. Alican C. gab an, 2022 als Flüchtling aus der Türkei nach Deutschland gekommen zu sein. Danach zog er durch wahllose Asylheime von Nordrhein-Westfalen bis Mecklenburg-Vorpommern. Erst Anfang dieses Jahres sei er auf Einladung eines Freundes nach Berlin gereist. Dort habe er mit sechs weiteren jungen Männern in einer Wohnung in Spandau gewohnt. Es soll Ahmed D. gewesen sein, der der Gruppe dieses Dach über dem Kopf organisiert und sie - scheinbar ohne Gegenleistung - mit Drogen und Essen versorgt habe. Um dadurch Werkzeuge für seine Pläne zu rekrutieren?
So scheint es zumindest, denn Alican C. habe als „Bezahlung“ für Kost und Logis, für Alkohol, Kokain und Marihuana, schließlich auf die Supermarkt-Filialen schießen müssen. Das Verfahren gegen drei gesondert Tatverdächtige in diesem Fall wird in den nächsten Woche begingen.
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Ob die wegen den Schüssen von Spandau Angeklagten Bedri C. und Eyüp Y. ebenfalls auf diese Weise in Asylheimen rekrutiert wurden, blieb am Dienstag derweil unbeantwortet. Klar ist nur, dass Beweise gegen sie auch in einer Wohnanlage in Blankenheim (Nordrhein-Westfalen) sichergestellt wurden, in der auch der „Eurogida“-Schütze Alican C. einmal gelebt hat. Letzterer wurde von der Polizei schließlich in Duisburg aufgespürt und festgenommen. Der Prozess gegen Ahmed D. und seine beiden Komplizen wird am Donnerstag (11. September) fortgeführt.



