An die Schwimmhalle in der Holzmarktstraße dürften zahlreiche Berliner eigene Erinnerungen haben. Tausende Friedrichshainer haben hier das Schwimmen erlernt, Hunderttausende Besucher jährlich im zentralen Wasserbassin der 1976 eröffneten 3. Volksschwimmhalle Ostberlins von 6 Uhr morgens bis abends ihre Bahnen gezogen, sich in der Sauna im Keller entspannt oder sich an den Sportgeräten des Fitnessraums erprobt. Mehr als 40 Jahre lang war die DDR-Schwimmhalle eine feste Institution im Kiez. Dann kam das Aus für die in die Jahre gekommene Anlage – und mit dem Leerstand der Verfall. In Friedrichshain gibt es seit der Schließung keine betriebsbereite Badehalle mehr. Alle Infos zu dem Lost Place.
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Das sind die Fakten zur Schwimmhalle Holzmarktstraße im Überblick:
- Adresse: Holzmarktstraße 51, 10243 Berlin-Friedrichshain
- Geschichte: Im Januar 1976 als 3. Volksschwimmhalle Ostberlins an der Holzmarktstraße in Friedrichshain eröffnet; die Schwimmhalle vom Bautyp C mit 25-Becken, Nichtschwimmerbecken, Fitnessräumen und Sauna war täglich geöffnet und bot neben dem öffentlichen Betrieb Kapazitäten für Schulsport; Tausende Berliner erlernten hier das Schwimmen; nach der Wende umfassend saniert und behindertengerecht ausgestattet, wurde die Schwimmhalle im Oktober 2018 aufgrund erheblicher Schäden an der Bausubstanz geschlossen; danach Leerstand und Verfall
- Führungen: Keine
- Denkmalschutz: Nein
- Status: Lost Place
Wo liegt die Schwimmhalle genau?
Die Schwimmhalle liegt an der Adresse Holzmarktstraße 51 im Ortsteil Friedrichshain des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg. Die Google-Koordinaten (Open-Location-Code) für das Objekt lauten: GC7G+6F Berlin. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist der Standort am besten mit den Buslinien 300 und N40 (Haltestelle Holzmarktstraße) zu erreichen. Von der Station ist es ein rund vierminütiger Fußweg entlang der Holzmarktstraße bis zu der Schwimmbadruine. Achtung: Die Halle ist baufällig und kann nicht betreten werden. Das Gelände ist umzäunt und gesichert. Auch interessant: Lost Places: Diese Strafen drohen bei Hausfriedensbruch
Das sind die wichtigsten Etappen der Geschichte der Schwimmhalle Holzmarktstraße:
Ausgangslage: Schwimmbecken-Wettrüsten im Berlin des Kalten Krieges

„Eingeschränkter Winterdienst – Betreten auf eigene Gefahr“ warnt ein umgefallenes Schild im dichten Unterholz am Wegesrand, der einst zum Eingang der Schwimmhalle Holzmarktstraße geführt hat – vergebens, denn Badegäste hat die verwunschene Anlage in Friedrichshain schon lange keine mehr gesehen. Wer sich seinen Weg zu der mit Graffiti überzogenen Ruine bahnt, sucht entweder Unterschlupf, oder fühlt sich vom morbiden Charme moderner Stadtruinen angezogen, die mitten in der Stadt ein Bild von Verwahrlosung und Verfall zeichnen. Das war einmal anders, als in der Halle neben Tausenden Schülern jährlich, ein Hauch von sozialistischem Aufbruch mitschwamm.
In der Frontstadt des Kalten Krieges hatte sich seit den 60er-Jahren beidseits der Mauer ein Wettkampf um Badehallen-Neubauten entfacht, eine Blockkonfrontation am Beckenrand, bei der es neben Breitensport und Ertüchtigung, um Symbolpolitik und die Dominanz im olympischen Medaillenspiegel ging. 1968 sollten die BRD und DDR erstmals mit getrennten Mannschaften antreten: der Ausgang ist bekannt. Die DDR-Delegation ließ im deutsch-deutschen Duell den Klassenfeind im eigenen Kielwasser weit hinter sich und belegte in den Schwimmwettbewerben Platz drei hinter Australien – seitdem kämpften die DDR-Schwimmer immer ganz vorne mit.
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Schwimmhalle Holzmarktstraße: Nach Anklam und Bitterfeld folgt das Erfolgsmodell Berlin
Ein Jahr vor dem Olympiaerfolg war der Leipziger Architekt Eitel Jackowski 1967 mit der Entwicklung einer preiswerten Schwimmhalle – einem funktionalen Typenbau mit 25-Meter-Becken und fünf Wettkampfbahnen – beauftragt worden, deren Fertigung nicht mehr als eine Million (Ost-)Mark kosten sollte. Die Tinte auf den Bauplänen war noch nicht getrocknet, da entwarf Jackowski den Nachfolger: die Volksschwimmhalle Typ B („Bitterfeld“) mit wellenförmigen VT-Faltendach und Nichtschwimmerbecken, die Anfang der 1970er-Jahre zur Volksschwimmhalle Typ C („Berlin“) weiterentwickelt wurde. Sie wurde vor allem in Ostberlin schnell zum gewohnten Anblick. Die ersten dieser Hallenbäder wurden 1973 und 1975 in der Weinstraße und in Pankow gebaut. Die dritte Halle sollte 1976 an der Holzmarktstraße entstehen.
Der fast sechs Kilometer lange Straßenzug, der sich vom Molkenmarkt über den Ostbahnhof bis nach Alt-Stralau erstreckt, hatte seinen Namen vom städtischen Holzlager, das sich jahrhundertelang in der Nähe des Stralauer Platzes befand. Das Holz, das per Kahn aus der Berliner „Kämmerei“-Waldungen in die Stadt gelangte, wurde hier angelandet und gestapelt. Am Ufer der Spree entstanden außerdem Kalkscheunen und in der Holzmarktstraße königliche Kalkbrennereien, Zuckersiedereien und Schifffahrtskontore. Auf dem Areal zwischen Lang- und Holzmarktstraße, das für die neue Schwimmhalle ausgewählt wurde, hatte sich vor dem Zweiten Weltkrieg ein dichtbebauter Wohnblock von Gründerzeitbauten befunden, von denen im Bombenkrieg aber nicht viel mehr als einzelne Häuserstümpfe zurückgeblieben waren. Die Friedrichshainer Freifläche bot sich für das Bauprojekt an, das Mitte der 1970er-Jahre geplant und in Angriff genommen wurde.
Schwimmhalle Holzmarktstraße: Erster Spatenstich und erste Lecks
Bereits im Vorfeld der Bauarbeiten wuchs im Kiez die Vorfreude auf die angekündigte Schwimmhalle. 1975 begannen die Arbeiten, die vom Kombinat Ingenieurhochbau unter der Aufsicht von Bauleiter Bodo Hintze übernommen wurden. Die Berliner Zeitung berichtete im Oktober 1975 von der Baustelle, auf der etwa „70 Bauarbeiter aller Gewerke“ beschäftigt waren, um die Halle wie geplant bis Anfang 1976 fertigzustellen: „Blau wird die Halle, gelb der Fußboden, und die Farbe der Fliesen für das Schwimmbecken eine Überraschung. Während die Vorderseite metallbedampftes Mehrschichtglas erhält, wird die Rückseite von Glasziegeln gebildet: Kein Einblick für Neugierige.“
Abgesehen davon, dass jetzt aufgelöst werden kann, dass für die Fliesen des Schwimmbeckens ein Mattblau ausgewählt wurde, und rund 134.000 Fliesen per Hand verlegt wurden, berichtete die Berliner Zeitung von kleineren Lecks beim Bau des „12,5 mal 25 großen Beckens mit einer Tiefe von 1,80 bis 2,20 Metern“ und des Nichtschwimmerbeckens, die nach probeweiser Befüllung und dem Anbaden durch das Baukollektiv entdeckt und ausgebessert werden konnten, und notierte zur Ausstattung des Bades: „Neben den beiden Wasserbecken sowie den üblichen Umkleide- und Duschräumen wird noch eine Sauna eingebaut“. Der Außenbereich sollte noch durch Tischtennisplatten, Volleyballplätze und Liegewiesen ergänzt werden.
Schwimmhalle Holzmarktstraße: Jubelnde Kinder begleiten 1976 die Eröffnung
Im Januar 1976 war es soweit. Die Friedrichshainer konnten ihre neue Schwimmhalle in Empfang nehmen. Von der feierlichen Eröffnung berichtete unter anderem die DDR-Tagezeitung „Neue Zeit“, die schrieb, dass Oberbürgermeister Erhard Krack (1931–2000) „unter dem Jubel von rund 250 Kindern der Alex-Wedding-Oberschule und dem Beifall zahlreicher Ehrengäste“ das weiße Band durchschnitt und damit die „3. Volksschwimmhalle der Hauptstadt“ für die Badefreunde Ostberlins freigab. Die Berliner Sportstättenverwaltung rechnete damit, dass die Schwimmhalle von rund 360.000 Besuchern jährlich besucht werde. In Ostberlin ging die Erweiterung der Hallenkapazitäten weiter. Bis 1980 plante der Magistrat, zehn weitere Schwimmhallen in Betrieb nehmen zu können.
An der Holzmarktstraße konnten sich die Friedrichshainer derweil ins beheizte Nass stürzen. Die auf exakt 29 Grad Celsius gewärmte Halle bot neben dem großen 25-Meter-Schwimmbecken mit 27 Grad Wassertemperatur und dem 10 mal 12,5 Meter großen Nichtschwimmerbecken eine 90 bis 100 Grad Trockensauna mit Tauchbecken in den Kellerräumen, die täglich wechselnd für Männer und Frauen – am Wochenende gemischt – geöffnet war, und ein mit Fitnessgeräten ausgestatteten Konditionsraum, in denen Besucher allerlei Sportgeräte vorfanden.
Schwimmhalle Holzmarktstraße: So war die Anlage aufgebaut
In Sammelumkleiden konnten sich die Badenden umziehen, in mintgrünen Spinden ihre Wertsachen verstauen. Durch die große Glasfront mit metallbeschichteten Teraflex-Glasscheiben – gegen die Algenbildung – wurde die Anlage mit Tagesslicht durchflutet. Der eingelassene Schallschutz an der Decke des Bades wirkte wie eine Holzvertäfelung. Das Herzstück des Bades, das den Betrieb erst ermöglichte, blieb für die Besucher verborgen: die unter den Wasserbecken gelegenen Technikräume, ein Labyrinth von Maschinen, Pumpen, Filtern und Heizanlagen. Zur Eröffnung wurde die Halle von einem 23-köpfigen Arbeitskollektiv unter Führung der Leiterin Gerda Dietze betrieben.
Die Schwimmhalle war täglich zwischen 6 und 22 Uhr geöffnet, die Preise moderat. Erwachsene zahlten, wie in den anderen Ostberliner Hallenbädern, eine Mark Eintritt, Kinder, Jugendliche und Rentner 50 Pfennig, Vorschulkinder 25 Pfennig. Die Sauna war etwas teurer: sie kostete für Erwachsene für 90 Minuten vier Mark. 20 Personen konnten hier gleichzeitig ins Schwitzen kommen, während in der Badehalle 200 Besucher stündlich Einlass fanden. Etwa zwei Drittel der Öffnungszeiten waren für öffentliches Schwimmen vorgesehen, der Rest für den Schulsport reserviert. In den vierzig Jahren, in denen die Halle an der Holzmarktstraße in Betrieb war, wurde sie von Millionen Berlinern besucht. Generationen von Schülern aus Friedrichshain und Umgebung haben in den mit rotweißblauen Schwimmern getrennten Bahnen das Schwimmen erlernt und für Sportabzeichen trainiert.
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Schwimmhalle Holzmarktstraße: Nach der Wende modernisiert – dann geschlossen
In der Nachwendezeit wurde die Halle noch einmal aufwendig saniert. Neben der Sauna fanden Besucher nun auch ein hauseigenes Sonnenstudio vor, dessen überflüssige Abwärme mittels einer Rückgewinnungsanlage das Duschwasser im Hallenbad beheizte. Die Schwimmhalle wurde bis 1992 rollstuhlgerecht und barrierearm für den Besuch von Mobilgeschädigten und Behindertenschwimmgruppen umgestaltet. Bei der Ausstattung kamen eine Kinderrutsche sowie ein kleiner Gastronomiebereich hinzu; für Entspannung sorgte die neue Hydro-Jet-Massage und der renovierte Saunabereich, bis das trotz der Modernisierungen in die Jahre gekommene Bad im Oktober 2018 geschlossen werden musste.
Gutachter hatten an der Bausubstanz von Becken und Beckenumgang erhebliche Schäden bemängelt. Durch Lecks war aggressives Chlorwasser gesickert und hatte den Beton angegriffen. Temporär hielten Metallstützen die Wände im Keller in Form. Die Sanierungskosten bezifferten die Berliner Bäderbetriebe (BBB), die das Holzmarktbad nach der Wende übernommen hatten, 2019 auf rund sieben Millionen Euro. Zu unwirtschaftlich, so das Urteil der Bäderbetriebe. Der allgemeine Gebäudezustand des mehr als 40 Jahre alten Bades würde die Investition in die Beseitigung der Schäden, nicht mehr rechtfertigen. Ein Neubau schien interessanter. Doch zunächst schloss das traditionsreiche Hallenbad an der Holzmarktstraße für immer seine Pforten; das Wasser aus den Becken wurde abgelassen, die Türen verschlossen – das verwaiste und trockengelegte Bad in einen dauerhaften Dornröschenschlaf versetzt.
Schwimmhalle Holzmarktstraße: Vandalismus und Verfall an der Berliner Bade-Ruine
Mit den Jahren verwilderte das Grundstück des Friedrichshainer Geisterbades, die Maschinen im Keller setzten Rost an und die mit Graffiti großflächig beschmierten Fassaden des Bauwerks aus DDR-Zeiten machten einen immer baufälligeren Eindruck. Die große Fensterfront und die Eingänge wurden mit dicken Holzplatten versiegelt, um sie vor Vandalismus zu schützen und den Zugang zu dem verlassenen Gebäude zu erschweren. Es half wenig. Bald zeugten graffitiverzierte Wände und Unrat im Inneren davon, dass es immer noch möglich war, die Halle zu betreten.
Durch das Pflaster vor der Halle brachen wildwuchernde Pflanzen, die VT-Platte wurde von nistenden Vögeln bevölkert. „Bitte vor Tauchbeckenbenutzung duschen“ und „Springen verboten“ standen noch auf angegilbten Schildern in der ausgestorbenen Schwimmhalle. Auch wenn es keine Adressaten mehr gab, die die Halle auf gewohntem Wege betraten, den Hinweis des Sprungverbots haben sich hoffentlich auch „Urbexer“ – Fans des Erkundens moderner Ruinen – angesichts des fehlenden Wassers im Becken zu Herzen genommen. Zuletzt gab es auch Berichte von Obdachsuchenden, die die alte Schwimmhalle als provisorisches Quartier nutzten.
Schwimmhalle Holzmarktstraße: Kaum betriebsbereite Bäder in Friedrichshain-Kreuzberg
Mit der Schließung des Holzmarktbades 2018 verschlechterte sich die ohnehin angespannte Lage für Amateur- und Sportschwimmer in Friedrichshain-Kreuzberg dramatisch. Seit Juni 2023 hat der Bezirk kein einziges geöffnetes Schwimmbad. Das Wellenbad am Spreewaldplatz nahe dem Görlitzer Park wird seit diesem Zeitpunkt saniert. Das Baerwaldbad im Bezirk mit zuletzt zwei Becken ist in so schlechtem Zustand, dass seine Sanierung zweistellige Millionenbeträge verschlingen würde – die weder Bezirk noch Land aufwenden können oder wollen.
Angesichts der Mangelsituation, Schüler mussten für den Schulsport in ohnehin überfüllte Bäder anderer Bezirke ausweichen, wurde 2021 am Sommerbad Kreuzberg eine Interimslösung geschaffen: ein Containerbau mit provisorischer Schwimmhalle, die sich nach der Eröffnung allerdings als immer wieder geschlossene Dauerbaustelle erwies. Um dringend gebotene Abhilfe zu schaffen, verfolgten seit den 2020er-Jahren die Berliner Bäderbetriebe in Kooperation mit der landeseigenen Immobiliengesellschaft Berlinovo ein Leuchtturmprojekt mit dem der Standort Holzmarktstraße wieder reaktiviert werden soll.
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„Holzmarkt 51“: Neubauprojekt soll die alte DDR-Halle ersetzen

Der Plan: Unten wird geschwommen, darüber gewohnt. Der Badebereich in der deutlich größeren Schwimmhalle im Neubau „Holzmarkt 51“ soll gegenüber der alten DDR-Halle deutlich großzügiger ausfallen. Über dem Bad im Sockelgeschoss sind in acht weiteren Geschossen 375 möblierte Mini-Apartments für Studenten vorgesehen, die 16 bis 29 Quadratmeter groß sein sollen. Die Pläne für das hybride Quartier sehen auf dem rund 6.300 Quadratmeter großen Grundstück einen mehrgeschossigen Gebäudekomplex vor, der eine Hoffläche mit bis zu elfgeschossigen Gebäudeteilen und begrünten Dachflächen umschließt. Im Erdgeschoss werden außerdem Büros und Geschäfte eingerichtet. Die Entwürfe für das Bauprojekt stammen vom Architekturbüro „Eller + Eller“.
Für die Schwimmhalle sind zwei 25-Meter-Becken à fünf Bahnen geplant, die per Glaswand getrennt betrieben werden, eines davon öffentlich, das andere für Schul-, Kurs- und Vereinsbetrieb. Zusätzlich soll ein Nichtschwimmerbecken und ein multifunktionales Therapiebecken mit Hubboden entstehen, das mittels separatem Wasserkreislauf höhere Temperaturen für Babyschwimmen, Aqua-Fitness-Kurse und ähnliche Angebote ermöglicht. Die Berlinovo übernimmt im Rahmen eines Generalübernehmervertrages die Planung und Bauleistungen für die Errichtung der neuen Schwimmhalle, die schlüssel- beziehungswiese badefertig an die BBB übergeben werden soll.
Schwimmhalle Holzmarktstraße: Eröffnung der neuen Anlage 2030 geplant

Das Konzept für den Neubau war fertig – doch dann tat sich an der Holzmarktstraße 51 lange Zeit nichts. Denn ein solcher Mixed-Use-Komplex wurde in Berlin bislang noch nicht realisiert. Um eine Baugenehmigung zu erhalten, musste das Areal zwischen den beiden Wohnhochhäusern und der Bahntrasse zunächst im Bebauungsplan umgewidmet werden, denn es war bisher als reine Sportstätte ausgewiesen. 2023 bekam das Bauprojekt – nach einigen Verzögerungen in der Planungsphase – von Seiten des Bezirks grünes Licht, nachdem Berlinovo im Mai 2022 den Bauantrag eingereicht hatte.
Nach einer weiteren monatelangen Phase ohne erkennbaren Fortschritt, kam es im Februar 2025 zu ersten Rodungsarbeiten rings um die verfallene Schwimmhalle, mit denen das Grundstück für die geplanten Baumaßnahmen vorbereitet wurde. Jetzt sollte alles ganz schnell gehen. Der Abriss der Schwimmhalle war für das Frühjahr 2026 vorgesehen. Der Abschluss des Bauprojekts und die Eröffnung des neuen Holzmarktbades sind laut Senat für das erste Quartal 2030 geplant. Doch kurz vor dem ersten Bauabschnitt geriet das verwaiste Gelände der Schwimmhalle erneut in die Schlagzeilen.
Schwimmhalle Holzmarktstraße: Feuerwehreinsatz am Lost Place kurz vor dem geplanten Abriss

Am 14. Februar 2026 ging um 12.59 Uhr bei der Feuerwehr ein Notruf ein, als Passanten in der Holzmarktstraße dichten Rauch aufsteigen sahen. In der seit Jahren leerstehenden Halle war ein Brand ausgebrochen. 60 Einsatzkräfte rückten zur Bandlöschung aus. Mit mehreren Trupps wurde die weitläufige Halle unter Atemschutz durchsucht, da befürchtet wurde, dass in der Schwimmhalle, die regelmäßig von Obdachsuchenden als Unterschlupf genutzt wird, noch Personen gefährdet sein könnten. Zum Glück konnten die Retter Entwarnung geben. Nur eine Person, die sich am Gebäude aufhielt, erlitt eine leichte Rauchvergiftung. Zur Brandursache ermittelte die Polizei. Nach ersten Erkenntnissen hatte brennendes Gerümpel das Feuer entfacht.
Für das Schicksal der Ex-DDR-Schwimmhalle, in der das Feuer ausgebrochen ist, macht es keinen Unterschied mehr. Ihre letzten Stunden sind angebrochen. Laut Bauplan dürfte sie sich bereits im Abriss befinden und wenn, wie geplant, 2030 die ersten Badbesucher die Becken der Nachfolgehalle füllen, werden sich außer den Erinnerungen von Tausenden Berlinern, die seit den 70er-Jahren in der Halle an der Holzmarktstraße das Schwimmen erlernten, keine Spuren der früheren Anlage in Berlin mehr zu finden sein.



