Die Berlin-Wahl 2026 am kommenden Sonntag, 20. September, steht unter besonderer Beobachtung. Bereits im Vorfeld der Wahlen machten Angriffe aus unterschiedlichen Bereichen Schlagzeilen. Da wären die Desinformationskampagnen in den sozialen Medien, die sich teils gezielt gegen Spitzenkandidaten richten. Und da wäre der schwerwiegende Cyberangriff, dem die Hauptstadt zum Opfer gefallen ist. Nur wenige Wochen ist es her, dass Kriminelle 5,79 Terabyte Daten zum Kauf angeboten hatten. Zuvor hatten sie diese aus dem Landesnetz gestohlen. Wie viele Mitarbeitende der beiden Senatsverwaltungen betroffen sind, ist noch unklar.
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Nach derzeitigem Stand sei die Wahlumgebung von diesem Angriff nicht betroffen. Das macht Landeswahlleiter Professor Stephan Bröchler bei einer Pressekonferenz deutlich, zu der er an diesem Dienstag eingeladen hatte.
Die Wahl könne ohne die Gefährdung durch den jüngsten Angriff stattfinden. „Nach derzeitigem Stand“ sei laut Bröchler aber keine reine Floskel. Auf Nachfrage dieser Redaktion bestätigte der Landeswahlleiter schließlich: „Wir können nicht ausschließen, dass es weitere Angriffe geben wird.“ Es gebe keine 100-prozentige Sicherheit. Man habe es mit Kriminellen zu tun, die auf einem sehr hohen technischen Niveau arbeiten. Das dürfe man auf keinen Fall unterschätzen. „Wir dürfen uns aber auf der anderen Seite nicht in so eine Angstsituation begeben. Wir müssen selbstbewusst damit umgehen, aber wachsam sein“, sagt Bröchler.

Briefwahl: Wahlleiter warnt vor Manipulationsvorwürfen
Aktuell gibt es laut Landeswahlleiter keinen Grund zur Sorge. „Derzeit haben wir keine Anzeichen, dass die Wahlorganisation angegriffen wird“, sagt er. Es werde dennoch ein Schutzschirm gespannt, um sich vor möglichen Angriffen zu schützen. „Es wird nicht nur geschaut, wie es gestern oder vor zwei Wochen war. Es wird aktiv gescannt, ob es Angriffe gibt“, sagt Bröchler. Sofern es Angriffe gibt, werde das mitgeteilt. Bröchler selbst sei Mitglied des zuständigen Gremiums und würde in diesem Fall auch öffentlich kommunizieren.
News zur Berlin-Wahl 2026
Die Gefahr von möglichen Cyberangriffen ist aber nicht die einzige Herausforderung bei der kommenden Wahl zum Abgeordnetenhaus und den Bezirksverordnetenversammlungen (BVV). Bröchler sieht sich zudem mit der Infragestellung der Briefwahl konfrontiert. „Das ist ein Stück weit aus den USA zu uns herübergeschwappt“, so der Wahlleiter. US-Präsident Donald Trump zweifelt immer wieder die Sicherheit von Briefwahlen an. Zudem vermehrten sich auch Vorwürfe in den sozialen Medien, die Briefwahl sei nicht sicher. Etwa durch Manipulationen in Seniorenheimen oder Krankenhäusern.
Es wird nicht nur geschaut, wie es gestern oder vor zwei Wochen war. Es wird aktiv gescannt, ob es Angriffe gibt.
Stephan Bröchler, Landeswahlleiter Berlin
Auch vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September warnten AfD-Anhänger vor einer Stimmabgabe per Brief. Stephan Bröchler hält dagegen. „Die Briefwahl ist nicht die Schmuddelecke demokratischer Werte“, sagt er. „Die Briefwahl ist seriös.“ Es gebe viele Kontrollmechanismen. Sofern es Fehler oder Missbrauch gebe, würden diese Fälle organisatorisch und strafrechtlich aufgeklärt. Bröchler betont zudem, dass die Briefwahl in Berlin von vielen Wählerinnen und Wählern genutzt werde. Trotz der Herausforderungen wegen der Infragestellung dieser Abstimmungsart sei das als positives Zeichen zu werten.
Desinformation bei Berlin-Wahl: KI-Tool „Gretchen“ soll Fakes entlarven
Als dritte Herausforderung gebe es nach wie vor die Gefahr von Desinformationskampagnen. Vor wenigen Wochen wurden bereits falsche Informationen über den Regierenden Bürgermeister Kai Wegner verbreitet. Auch SPD-Spitzenmann Steffen Krach wurde laut Bröchler Opfer. Aus Gesprächen mit dem Verfassungsschutz wisse man, dass man besonders seitens Russland im Fokus solcher Kampagnen stehe, mahnt der Landeswahlleiter an. Derzeit gebe es jedoch keine Informationen, dass „wahlgefährdende Desinformation“ verbreitet werde. Das wäre etwa gegeben, wenn durch KI-generierte Videos verbreitet würde, dass die Wahl in Berlin abgesagt werde oder Wahllokale geschlossen seien.
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Schon im August sagte Bröchler dieser Redaktion, er stufe das Risiko von Desinformationskampagnen bei dieser Wahl als „vergleichsweise hoch“ ein. Im Zeitalter von Social Media und Künstlicher Intelligenz zeige sich, wie verletzlich offene Gesellschaften wie Berlin sind. Als Reaktion darauf gibt es mittlerweile die „Gretchen‑AI“. Mit diesem Online-Tool können Bürgerinnen und Bürger sich mittels Künstlicher Intelligenz einordnen lassen, ob Text, Video oder Bild tatsächlich der Wahrheit entsprechen. Oder ob es sich um einen Fake handelt. Laut Bröchler sei besonders wichtig, dass die Nutzer nachvollziehen können, wie „Gretchen“ zu ihrer Einschätzung kommt.
Hintergründe zur Berlin-Wahl 2026
Wahlbeobachtung: Kontrolle stärkt Demokratie, birgt jüngst aber Risiken
Ganz ohne digitale Einflüsse, rückt Stephan Bröchler bei der Pressekonferenz noch die Wahlbeobachter in den Fokus. Das sind unabhängige Personen, die am Wahltag den Ablauf der Wahl beobachten und sicherstellen, dass alles nach demokratischen Standards abläuft. Für Bröchler sei das grundsätzlich etwas Positives. „Die Wahl erfolgt nicht in einem Kellerloch“, sagt er und betont, was für ein wichtiges Zeichen das für die Demokratie sei. Mittlerweile aber habe die Wahlbeobachtung auch eine andere Gewichtung bekommen. Sie werde von Personen für das Ziel genutzt, Manipulationen aufzudecken, sagt Bröchler.
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Immer wieder habe es in der Vergangenheit Fälle gegeben, bei denen Wahlhelfende zudem gezielt von ihrer Arbeit abgehalten wurden. Etwa durch aufdringliche Gespräche. Dabei ist genau das den Wahlbeobachtern untersagt. Sowohl die Verstrickung in Diskussionen, die Störung von Ruhe und Ordnung und die Verzögerung der Wahlhandlungen seien nicht erlaubt.












