Knapp drei Wochen, nachdem der Hack auf das Berliner Landesnetz bekannt wurde, sind die Daten nun öffentlich. Auf der Seite im sogenannten Darknet, auf der bis Freitagnachmittag, 15.36 Uhr, noch ein Countdown lief, führt nun ein Link zu einer Dokumentensammlung. Sie soll knapp 1,44 Millionen Dateien umfassen. „Datenjäger, genießt es“, steht darunter.

Bildschirmfoto, Veröffentlichung der Daten nach Cyberangriff in Berlin
Veröffentlichung der Daten nach Hackerangriff (Bildschirmfoto)© Philipp Siebert | Philipp Siebert

Enthalten sind Daten aus der Senatsverkehrs- und der Senatsbauverwaltung. Unterlagen zu rechtlichen Verfahren, wie Klagen der Deutschen Umwelthilfe, sowie zum Katastrophenschutz, zur kritischen Infrastruktur, zu einzelnen Verkehrsprojekten, internen Leitfäden, Statistiken, Unterlagen zu Personal sind für jeden online abrufbar. Betroffen von dem Hack waren zwischen dem 7. und 12. August die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen sowie die Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt.

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Ursprünglich hatte die Hackergruppe Rhysida 5,79 Terabyte Daten zum Kauf angeboten. Sie verlangte dafür mindestens 30 Bitcoin, umgerechnet zwei Millionen Euro. Ob ein Teil der Daten unveröffentlicht an Kriminelle weiterverkauft wurde, lässt sich nicht mit Gewissheit sagen. Das veröffentlichte Paket umfasst den Angaben nach nur 5,26 Terabyte.

Datenleck bei Berliner Verwaltung: Persönliche Daten frei zugänglich

„Ich vermute, dass eine zentrale Dateiablage der Verwaltung gehackt wurde“, sagt Jochim Selzer, Sprecher des Chaos Computer Clubs (CCC). „Es sieht auch nach sehr hohen Zugriffsrechten aus.“ So finden sich auch personenbezogene Daten von Mitarbeitenden wie Arbeitszeugnisse darunter. „Das sind Dokumente, die normalerweise nicht für alle einsehbar sind.“ Einer der Unterordner heißt etwa „Personelles und weiteres“.

Wie viele Mitarbeitende der Verwaltung betroffen sind, ist unklar. Linke und Grüne fordern, dass die Betroffenen schnell ermittelt und unterstützt werden. Passwörter, Kontodaten und persönliche Informationen von Zehntausenden „könnten für Identitätsdiebstahl und gezielte Phishing-Angriffe genutzt werden“, sagt der Grünen-Fraktionschef und -Spitzenkandidat Werner Graf. Der Linken-Fraktionschef Tobias Schulze fordert einen höheren Sicherheitsstandard für die Berliner IT.

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Während die Opposition ihre offenbar vorbereiteten Statements relativ zeitnah nach dem Leak verschickte, hüllte sich der Berliner Senat zunächst in Schweigen. „Betroffenen Beschäftigten steht ein Beratungsangebot zur Verfügung“, hieß es vor 15.36 Uhr aus der Senatskanzlei. Eine Sondereinheit von Landeskriminalamt und Senatsverkehrsverwaltung würde ermitteln, sichern und beraten. In der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen gibt es einen Krisenstab sowie einen externen Vertrauensanwalt, der die Landesbediensteten in vertraulichen oder rechtlich relevanten Sachverhalten berät.

Am Abend gab es noch eine Information des Senats, darin hieß es: „Derzeit führen die Sicherheitsbehörden eine intensive Datenprüfung durch. Auch IT-Forensiker im Auftrag des Landes Berlin untersuchen die veröffentlichten Daten mit Hochdruck. Daraus werden die entsprechenden Maßnahmen abgeleitet.“ Betroffene Bürgerinnen und Bürger hätten die Möglichkeit, sich an die Berliner Landesdatenschutzbeauftragte zu wenden, mit der der Senat im engen Austausch über eine bestmögliche Unterstützung ist. Zudem sollten sie Strafanzeige erstatten – entweder über die Internetwache der Polizei Berlin oder über jede örtliche Polizeidienststelle.

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Deutliche Kritik kommt von der Gewerkschaft der Polizei (GdP). Landesvize Thorsten Scheider wirft dem Senat vor, das Ausmaß des Angriffs zu unterschätzen. „Es kann nicht sein, dass hier tagelang hochsensible Daten geraubt wurden und die einzige Reaktion scheinbar darin besteht, die Beschäftigten anzuweisen, ihre Passwörter zu ändern. Das zeugt schon von einer gewissen Hilflosigkeit. Unsere Kollegen sind nicht Schuld, dass die IT-Sicherheit im Land Berlin jahrzehntelang an die Wand gefahren wurde.“

Datenhack auf Berliner Landesnetz: Bereits viele weitere Opfer auf der Liste

„Betroffene können dem Land Berlin vorwerfen, dass die Daten nicht mit angemessener Vertraulichkeitsstufe gesichert wurden“, sagt CCC-Sprecher Selzer. Möglicherweise habe das Land Berlin geltende Regelungen der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) nicht eingehalten. Entsprechende Verstöße haben in der Vergangenheit schon empfindliche Bußgelder nach sich gezogen. Der CCC rät auch dazu, Anzeige zu erstatten.

Auf der Auktionsseite im sogenannten Darknet gibt es auch ein Archiv mit mehr als 260 Einträgen. Darauf stehen Behörden aus den USA, Kanada, Mexiko, Chile sowie mehrere europäische Staaten. Auch Gesundheitseinrichtungen sind zu finden. Zum Teil sind hier die Auktionen bereits beendet. Die nicht verkauften Daten sind dort über Links abrufbar. Daten aus dem Netz der Stadt Stuttgart werden komplett und kostenlos angeboten.

Logindaten weiterhin aktiv: Mindestens ein Passwort noch gültig

Die Cyberattacke war am 14. August entdeckt worden. Die betroffenen Senatsverwaltungen wurden daraufhin für mehrere Tage vom Landesnetz isoliert. Zunächst gab der Senat an, dass keine sensiblen Daten abgeflossen seien. Am 28. August tauchte dann aber das Angebot auf. Am selben Tag kündigte Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) an, dass Berlin nicht auf Erpressungsversuche der Hacker eingehen wird. Längst ist vom größten IT-Vorfall der Berliner Geschichte die Rede.