Die Wahlen zum neuen Berliner Abgeordnetenhaus finden erst am 20. September statt – und schon gibt es die nächste Panne. Im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf wurden die falschen Briefwahlunterlagen verschickt. Dies geht aus einer Mitteilung des Landeswahlleiters Stephan Bröchler vom Mittwoch hervor.

Betroffen sind die Wahlkreise 3 und 4, deren Briefwahlunterlagen am 24. und 25. August 2026 ausgestellt worden sind. Aufgefallen sei der Fehler bislang in sechs Fällen: So viele Meldungen liegen dem Bezirkswahlamt in Charlottenburg-Wilmersdorf nach Angaben der Landeswahlleitung vor. Das Bezirksamt selbst spricht allerdings lediglich von einem einzigen bekannten Fall. Beim Eintüten der Unterlagen – im Amtsdeutsch „Kuvertierung“ – seien Stimmzettel eines anderen Wahlkreises in die Umschläge geraten, heißt es.

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Panne bei Briefwahl: Rund 1400 Wählerinnen und Wähler sind betroffen

„Ich nehme diesen Vorgang in Charlottenburg-Wilmersdorf sehr ernst. Menschliche Fehler sind bei keiner Wahl hundertprozentig auszuschließen. Jetzt geht es darum, den Fehler so gut wie möglich zu beheben. Stimmen, die auf falschen Stimmzetteln abgegeben wurden, wären ungültig“, wird Landeswahlleiter Bröchler in der Mitteilung zitiert.

Als mögliche Quelle für den Fehler nennt der Landeswahlleiter auf Nachfrage unserer Redaktion die schiere Menge an Post. Das Bezirkswahlamt gehe davon aus, dass die Stimmzettel wegen eines besonders hohen Versandaufkommens am 24. und 25. August versehentlich falsch zugeordnet wurden. Wichtig sei dabei: „Die Stimmzettel selbst sind nicht fehlerhaft, sondern es wurde der Stimmzettel eines anderen Wahlkreises verschickt.“ Gedruckt ist also alles korrekt – nur eben für die falsche Adresse.

Laut Bezirksamt sei am 4. September im Wahlamt Heerstraße ein falscher Wahlschein gemeldet und sofort ausgetauscht worden. „Wir gehen derzeit von einem einzelnen, menschlichen Fehler aus“, heißt es. Vorsorglich würden dennoch alle Unterlagen aus dem Zeitraum geprüft. Die Anschreiben seien bereits verschickt worden, zusätzliche Schichten sollen die Erreichbarkeit sichern. Bezirksbürgermeisterin Kirstin Bauch und die Bezirkswahlleiterin erklären, diese eine Stimme sei Anlass genug für den Schritt: „Es geht um den Schutz der Demokratie.“

Panne bei Berlin-Wahl: So reagiert der Regierende Bürgermeister

Konsequenzen zieht die Landeswahlleitung berlinweit. Alle Bezirke seien nach dem Vorfall „noch mehr sensibilisiert, was mögliche Fehlerquellen beim Versenden der Briefwahlunterlagen betrifft“, und hätten ihre Abläufe entsprechend strukturiert, so Bröchler.

Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) sagte dazu: „Wahlen sind das Herzstück unserer Demokratie. Jede Stimme zählt. Und jede Berlinerin und jeder Berliner muss sich darauf verlassen können, dass Wahlen in Berlin sicher, fair und zugänglich ablaufen. Ich danke der Bezirksbürgermeisterin von Charlottenburg-Wilmersdorf, Kirstin Bauch, genau das sicherzustellen.“

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Um dies tatsächlich sicherzustellen, dass jede Person mit einem richtigen Stimmzettel an der Wahl teilnehmen kann, will das Bezirkswahlamt Charlottenburg-Wilmersdorf alle rund 1400 Wahlberechtigten, die davon betroffen sein können, anschreiben. Wer falsche Stimmzettel erhalten hat oder unsicher ist, einen richtigen Stimmzettel zurückgesandt zu haben, kann sich an das Bezirkswahlamt Charlottenburg-Wilmersdorf wenden und neue Briefwahlunterlagen beantragen.

Falsche Briefwahlunterlagen: So müssen Betroffene reagieren

Laut Mitteilung des Landeswahlleiters würden unverzüglich Unterlagen mit den richtigen Stimmzetteln ausgestellt. Zuvor abgegebene Stimmen seien dann ungültig. Eine doppelte Stimmabgabe sei ausgeschlossen. Das Wahlgeheimnis bleibe gewahrt. Wer falsche Unterlagen hat und bis zum Wahltag nichts unternimmt, riskiert dagegen, dass sein Kreuz nicht gezählt wird.

„Am 20. September wird gewählt. Ich gehe davon aus, dass die Innensenatorin und der Landeswahlleiter gemeinsam sicherstellen, dass diese Wahl überall in Berlin reibungslos funktioniert – auch in Charlottenburg-Wilmersdorf. Das ist eine Kernaufgabe des Staates, und das sind wir den Berlinerinnen und Berlinern schuldig“, sagte Wegner.

Wahlpanne in Charlottenburg-Wilmersdorf: So wurde der Fehler aufgedeckt

Aufgedeckt wurde die Panne offenbar durch Hinweise aus der Nachbarschaft. Der SPD-Direktkandidat im Wahlkreis 3, Kian Niroomand, schildert, er habe nach Meldungen von Bürgerinnen und Bürgern umgehend die zuständigen Stellen kontaktiert. Die daraufhin eingeleitete Überprüfung habe den Fehler ans Licht gebracht.

Dass Landeswahlleitung und Bezirkswahlamt den Fall ernst nehmen und schnell beheben wollen, begrüßt Niroomand. Doch er bleibt skeptisch, ob ein Anschreiben reicht. Der Fehler verlagere zusätzlichen Aufwand auf die Bürgerinnen und Bürger: Sie müssten den Brief überhaupt wahrnehmen, die Informationen richtig einordnen und sich anschließend selbst um neue Unterlagen kümmern oder ihre bereits abgegebene Stimme korrigieren. „Das sind sehr viele zusätzliche Schritte, die von den Wahlberechtigten abverlangt werden“, sagt er.

Schon im August gab es eine Panne vor der Berlin-Wahl 2026

Besonders heikel findet er die Gruppe der Frühwählerinnen und Frühwähler. Wer seine Unterlagen bewusst früh beantragt und schnell zurückgeschickt habe, sei womöglich genau deshalb gar nicht mehr in Berlin – etwa im Urlaub. Ein Brief könne übersehen werden, und kaum jemand erinnere sich Wochen später noch an die Namen auf dem Stimmzettel. Entscheidend sei am Ende, dass keine einzige Stimme wegen eines Verwaltungsfehlers ungültig werde: „Wir kämpfen seit Monaten ehrenamtlich um jede einzelne Stimme“, so Niroomand. Er erwarte, dass alles Mögliche getan werde, um die Betroffenen direkt zu erreichen.

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Es ist nicht die erste Panne, die Berlin vor der Wahl in diesem Jahr erlebt. Bereits Anfang August war ein Fehler auf Millionen Wahlzetteln festgestellt worden. Wie die Kleinpartei „Die Urbane“ am 10. August 2026 bekannt gegeben hatte, war der Name des Kandidaten Raphael Moussa Hillebrand fälschlicherweise als Raphael Hillebrand Moussa gedruckt worden. Die Partei aus der Berliner Hip-Hop-Szene zeigte trotz des Fehlers Verständnis und verzichtete auf den Neudruck der Wahlzettel.