Liebe Leserin, lieber Leser,
es gibt so einige Geschäfte, da traue ich mich nur noch unter Bewachung rein, ähnlich einem Häftling bei einem begleiteten Freigang. Gitarren-Geschäfte gehören beispielsweise dazu, seit ich mir während der Corona-Lockdowns Gitarre spielen beigebracht habe. Online-Kurse machten es möglich, mir als totalem Anfänger zumindest etwas Mittelmäßigkeit anzutrainieren. Geschäfte mit einer großen Auswahl an Kochbüchern? Sehr problematisch, mit leeren Händen gehe ich dort eigentlich nie raus, trotz der riesigen Anzahl an entsprechenden Werken in meinem Bücherregal.

Ganz oben an der Spitze stand für mich als Hobby-Koch bislang aber das Frische-Paradies in Charlottenburg an der Morsestraße. Entsetzlich. Ich verfalle schon direkt hinter dem Eingang in einen unkontrollierbaren Rausch, während ich die San-Marzano-Tomaten bewundere, frisch, nicht in Dosen! Daneben die Datterini-Tomaten, bevorzugt von Spitzenköchen wie Tim Raue. Oder die tiefgefrorenen Fruchtpürees von Ponthier sowie die frischen Wildkräuter in dem klimatisierten Extra-Raum. Dahinter wird es noch schlimmer: die Fischtheke mit ausgesuchten Fischen, Garnelen, Lobstern, Austern. Katastrophal!
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Von dort in die Fleisch-Abteilung. Ein Albtraum! Osso Bucco vom Tiroler Milchkalb, die zarteste Versuchung, feinste Steaks, Geflügel, Salami aus der Toskana, Käse, Butter. Und dann der Killer schlechthin: die Wein-Abteilung. Beim Verpacken an der Kasse frage ich mich immer, wie um alles in der Welt ich das nach Hause bringen will, vor allem, weil ich meistens mit dem Fahrrad oder meinem Motorroller da bin – aus Gründen der Selbstbeschränkung. Und ich frage mich, wie ich das alles zubereiten will, bevor es verdirbt, ich habe schließlich kein Restaurant, aber einen immer vollen Tiefkühler. Und am wichtigsten: Wie soll ich das meiner Frau erklären, die mir höchstwahrscheinlich sagen wird, ich solle nicht immer für eine Kompanie kochen.
Neues Schlaraffenland für Feinschmecker und Hobbyköche in Wilmersdorf

Nun, diese Woche habe ich einen neuen Sehnsuchtsort entdeckt, der fatalerweise aus Friedenau auch noch besser zu erreichen ist als das Frische-Paradies. Ich war zur Eröffnung eines neuen Feinkostladens mit dem schlichten Namen „Vom Einfachen das Gute“ eingeladen, direkt am Olivaer Platz Ecke Xantener Straße.
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Jörg Reuter und Manuela Rehn haben bereits 2013 ein solches Geschäft aufgemacht, allerdings in der Invalidenstraße in Mitte, wo ich nur auf dem Weg von und zu Terminen vorbeikomme. Im Dezember 2024 folgte dann zum ersten Mal eine Expansion. Bis dahin habe man den Laden eher als Hobby betrieben, so erzählte es mir Jörg Reuter bei meinem Besuch am Montag, eine Stunde vor der Eröffnungsfeier. Die Neueröffnung war allerdings in Friedrichshagen, wo ich so gut wie nie hinkomme.

Aber jetzt: Olivaer Platz! Wilmersdorf! Mit einer der beeindruckendsten Käsetheken, die ich je gesehen habe. Acht Meter zieht sie sich durch das helle und freundlich eingerichtete Geschäft. Natascha Gisselmann verwaltet hier 70 bis 80 Käsesorten, vornehmlich aus der Schweiz, außerdem aus Österreich, Deutschland, Italien, Frankreich. Ein unschlagbares Angebot. Dazu kommen ausgesuchte Wurst- und Schinkenspezialitäten, Weine, Marmeladen, Spirituosen, Fertiggerichte, Pasta, Schokoladen. Es ist mindestens so „entsetzlich“ wie das Frische-Paradies. Zum Glück ist die Auswahl an frischem Fleisch vom Gut Kerkow noch recht klein.
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Aber schon während des Termins ertappte ich mich ständig dabei, dass ich dieses oder jenes kaufen wollte, was leider noch nicht ging. Ich hatte mir schon mal für ein Rezept die Haxen nach Ricotta Salata abgelaufen, hier steht er ganz normal im Kühlregal. Und Salzzitronen? Musste ich schlussendlich im Internet bestellen, weil sie nicht mal in türkischen, arabischen oder anderen mediterranen Geschäften erhältlich, ja, nicht einmal bekannt waren. Hier? Zwei Etagen über dem Ricotta.
Man darf alles in der Theke auch probieren
Beim Käse möchte man sich durch alles durchprobieren und entdecken, darunter seltene Sorten, die man noch nie gehört oder gekostet hat. Auch Käse von Willi Schmid aus der Schweiz ist dabei, der laut Reuter vielen als der beste der Welt gelte. Das Team des Ladens hat durchaus Drogendealer-Qualitäten, sie verteilen kostenlose Pröbchen ihrer Suchtmittel. Reuter ist das wichtig, dass jeder Kunde vorher probieren könne, ob er den Käse oder die Wurst kaufen möchte. Klar, abhängig wird man auf jeden Fall davon. Natürlich könne man nicht jedes Glas oder jeden Wein aller 400 Produkte aufmachen, aber es soll auch Wochen geben, wo beispielsweise mal alle Pestos offen sind. Können Sie sich das vorstellen? Geht es noch suchtfördernder?

Die Nachbarn sind jedenfalls sehr angetan, schon vor der Eröffnung versuchten ständig potenzielle Kunden, in den Laden zu kommen, so erzählt es Reuter. Und auch während meines Besuchs standen mehrfach Menschen im Geschäft, mit diesem gewissen Glanz in den Augen, und mussten auf den nächsten Tag vertröstet werden.

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Reuter und Rehn wissen, was sie da verkaufen, sie haben jeden Produzenten wenigstens einmal vor Ort besucht, jede Ware wenigstens einmal probiert. Feinste Qualität ist also garantiert. Dazu kommt erstmals eine kleine Gastronomie, wo es zumindest Stullen oder Sandwiches, Kaffee und Wein gibt. Quasi als Einstiegsdroge in diese spezielle Welt. Wenn Sie ebenfalls auf solche Delikatessen stehen, dann erfahren Sie in meinem Bericht alles Wichtige über das Schlaraffenland von Manuela Rehn und Jörg Reuter in Wilmersdorf. Eines steht fest: Alleine sollte ich „Vom Einfachen das Gute“ ebenso wenig einen Besuch abstatten, wie dem „Frische-Paradies“, sondern nur mit einer Kontrollperson – am besten meiner Frau.
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Hunde im Restaurant – Hier sind sie willkommen
Mögen Sie Hunde? Bei mir ist es ein klares „Kommt drauf an“. Ich habe keine Angst vor Hunden, im Gegenteil: Ich kann im schlimmsten Fall dafür sorgen, dass Hunde Angst vor mir haben. 😇 Alle Tierliebhaber mögen mir den Scherz verzeihen. Nein, im Ernst: Ich mag Hunde generell schon, nur nicht die kleinen Sorten „für die Handtasche“, die man so häufig kläffend auf der Straße sieht. An der Leine werden sie von Damen geführt, bei denen ich häufig den Verdacht hege, sie hielten sich den Hund als Accessoire wie ihre mehr oder weniger echte Handtasche mit dem LV-Logo. Leider hatte ich nie die Zeit für einen eigenen Hund, ich könnte es nicht mit meinem Gewissen vereinbaren, das Tier im Zweifel aus Zeitmangel zu vernachlässigen.

Inzwischen haben wir einige Bürohunde, seit Corona ist das kein Problem mehr, und sie sind eine absolute Bereicherung. Vor allem „Mumpitz“, der Border Collie eines unserer Fotografen, sorgt immer wieder für gute Stimmung und wilde Kuscheleinlagen seitens Kolleginnen, die die Atmosphäre auflockern und allen ein Lächeln aufs Gesicht zaubern. Der Wasserverbrauch ist wahrscheinlich auch deutlich gestiegen, denn man bekommt automatisch Durst, wenn man hört, wie „Mumpitz“ aus seiner Schale das Wasser schlappt.
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Hunde in der Redaktion sind also kein Problem. Aber wie ist das mit Restaurants? Nun, auch hier ein klares „Kommt drauf an“, von meiner Seite aus jedenfalls. Hunde, die brav unter dem Tisch liegen, bitte gern. Hunde, die auf dem Schoß von Frauchen oder Herrchen sitzen und mit den Fingern vom Teller gefüttert werden und dann ihrem Besitzer das Gesicht dankbar abschlecken? Nein, danke. Es geht auch nicht, wenn der fremde Hund sich neben meinen Stuhl setzt, um mich anzubetteln oder mir sogar vertraulich die Pfoten auf den Oberschenkel legt, um sich daran aufzurichten und näher an meiner Gabel zu sein. Das ist absolut störend und, nein, es ist nicht „Oooooh, wie süüüüß, er mag Sie“. Wohl eher mein Steak, aber sei's drum.
Ich habe es auch schon einmal erlebt, wie ein Hund auf einer Restaurant-Terrasse direkt neben dem Tisch sein kleines Geschäft verrichtete. Die Besitzerinnen bemerkten es gar nicht und fanden es dann putzig. Ich fand es eher ekelerregend. Der Service fand es wohl auch „putzig“, er musste die Schweinerei schließlich wegputzen. Begeisterung sieht anders aus.
Insofern kann ich mir vorstellen, dass viele ein gespaltenes Verhältnis zu Hunden in Restaurants haben. Dennoch gibt es natürlich viele Hundebesitzer, die auch mit ihrem Liebling essen gehen wollen. Und es gibt auch in Berlin Gastronomen, die sehr hundefreundlich eingestellt sind. Hier werden die Hunde sogar bedient. Es gibt einen Wassernapf und auch die eine oder andere Leckerei, falls die Besitzer damit einverstanden sind. Das beweist aus meiner Sicht nicht nur Tierliebe, sondern auch Intelligenz. Ein satter Hund dürfte wohl nicht betteln. Wichtig, das betonen die Gastronomen, die Manuela Blisse auf ihrer Suche nach Restaurants befragt hat, die sich auf tierische Begleiter ihrer Gäste freuen: Der Hund muss gut erzogen sein. Das kann ich als gelegentlicher Zuschauer der Sendungen von Hunde-Papst Martin Rütter nur unterschreiben.
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Berlin feiert wieder die Food Week

Herbstzeit ist Hochsaison für Termine im kulinarischen Kalender. Eigentlich stapeln sich die Einladungen im Oktober und November, aber in diesem Jahr geht es schon im September los. Vergangenen Donnerstagabend hätte ich gleich in drei Restaurants gehen können, die einen neuen Küchenchef, ein neues Konzept und/oder eine neue Speisekarte bei einem Pressedinner präsentieren wollten. Da das Klonen dummerweise immer noch in den Kinderschuhen steckt, konnte ich nur eine Veranstaltung wahrnehmen. Zurzeit kann man sagen, dass ich in manchen Wochen an drei bis vier Tagen aushäusig essen gehe, auch wenn ich alles, was nicht halbwegs interessant ist, rigoros ablehne.
Eine dicke Entschuldigung an dieser Stelle an alle PR-Firmen, die so fleißig und nett an mich denken, soviel Wert auf meine professionelle Meinung legen (und so hartnäckig nachfragen, wenn ich mich nicht melde), es geht einfach nicht immer, weil es sonst zu viel würde. Man muss auch als Gastro-Redakteur wählerisch sein und Rosinen picken, zumindest in einer Zeit, wo alle einladen. In der Saure-Gurken-Zeit ist das durchaus etwas anderes. Und da ist noch ein Aspekt, an den ich zu denken habe, denn Tim Raue beäugte neulich im „Sphere“ schon interessiert meinen Leibesumfang, hat er doch ordentlich abgenommen, der Glückliche.
In diese hohe Zeit der Kulinarik fällt auch jedes Jahr die Berlin Food Week (6. bis 12. Oktober), jetzt schon zum elften Mal in unserem Millionendorf. Michael Hetzinger und Alexandra Laubrinus sind die Initiatoren des Formats, ihnen geht es um Nachhaltigkeit und Ernährungsperspektiven für die Zukunft. Gastland ist in diesem Jahr Österreich. Und nein, es gibt nicht nur vegane und vegetarische Köstlichkeiten zu entdecken, wie man vielleicht befürchten könnte. „Auf der Berlin Food Week kann man entdecken, wie die einzigartige Verbindung von Geschmack und Natur auf dem Teller schmeckt und jene Kulinarik Österreichs erleben, die weit über bekannte Klassiker hinausgeht“, sagt Sören Kliemann, Head of Market Deutschland bei Austria Tourism. „Die Gäste sollen spüren, dass österreichische Küche authentisch, regional verwurzelt und gleichzeitig innovativ ist.“
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Das klingt doch gar nicht mal so schlecht. Es gibt zahlreiche Kooperationen von österreichischen Originalen und Berliner Spitzenköchen, darunter im „Bonvivant“, im „Pluto“, im „Brikz“ und im „Manon“. Nicht zu vergessen das „House of Food“, eine Art moderne Mini-Grüne-Woche, bei der mehr als 40 Berliner Manufakturen, internationale Food-Marken, Start-ups und kleine Produzentinnen und Produzenten ihre neuesten Produkte präsentieren. Der Eintritt ist frei und „umsonst nehmwa allet“, wie meine erste Partnerin mal sagte. Aber auch davon unabhängig dürfte sich der Besuch wieder lohnen. Einen Überblick über das Programm liefert Ihnen meine Kollegin Gesa Noormann.
Also dann, vielleicht sehen wir uns ja an den Sehnsuchtsorten „Frische-Paradies“ oder „Vom Einfachen das Gute“, auf einem meiner zahllosen Termine in den Restaurants dieser Stadt – wenn Ihr Hund gut erzogen ist, dürfen Sie auch gerne „Hallo“ sagen – oder bei der Food Week. Ich wünsche Ihnen in jedem Fall wie immer eine genussvolle Woche.
Herzlich, Ihr
Alexander Uhl
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