Börsengang

Insider – Rocket-Eigentümer planen nicht den Ausstieg

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Foto: rocket internet

Die Gesellschafter der Berliner Startup-Fabrik – allen voran die Samwer-Brüser – wollen ihre Beteiligungen halten, sollte das Unternehmen an die Börse gehen. Platziert werden sollen nur neue Aktien.

Die Eigentümer der Berliner Startup-Fabrik Rocket Internet wollen Insidern zufolge bei einem Börsengang nicht Kasse machen. „Rocket will nur Geld für weiteres Wachstum“, sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person. Die bestehenden Anteilseigner wollten sich nicht von Anteilen trennen oder Geld aus Rocket Internet herausziehen. Dies gelte sowohl für die Gründer-Brüder Samwer als auch für die schwedische Investmentgesellschaft Kinnevik und Access Industries, die Investmentgesellschaft von Milliardär Len Blavatnik.

Durch die Platzierung neuer Aktien werde die Beteiligung der Investoren jedoch verwässert, erklärten die informierten Personen, die nicht namentlich genannt werden wollten. Rocket könnte noch in diesem Jahr den Sprung auf das Frankfurter Börsenparkett wagen, hatten mit dem Vorgang vertraute Insider gesagt. Der Internet-Konzern könnte dabei mit bis zu fünf Milliarden Euro bewertet werden.

Das Unternehmen, hinter dem die Brüder Oliver, Marc und Alexander Samwer stehen, wurde 2007 gegründet. Die Samwers sind mit 66 Prozent an Rocket beteiligt. Kinnevik hält etwa 25 Prozent der Aktien. Blavatnik stieg 2012 mit mehr als 400 Mio. Dollar in das Unternehmen ein.

75 Rocket-Unternehmen mit 15.000 Beschäftigten

Die Holding mit Sitz in Berlin kopiert erfolgreiche Internet-Geschäftsmodelle und überträgt sie auf Märkte außerhalb von USA und China – von Brasilien über Nigeria bis nach Myanmar.

Unter dem Dach der Startup-Fabrik haben die Samwers in den vergangenen Jahren 75 Unternehmen gegründet mit 15.000 Beschäftigten weltweit. Dazu gehören die Modehändler Lamoda (Russland) und Dafiti (Brasilien), der Pizza-Vermittler Foodpanda (weltweit) oder Auto- und Wohnungssucheportale in Südostasien.

Alando und Jamba waren der Anfang

Die Samwer-Brüder gehören zu den prominentesten Internet-Unternehmern in Deutschland. Begonnen hatte ihre Karriere Ende der 1990er-Jahre, als sie das Internet-Auktionshaus Alando aufbauten und mit hohem Gewinn an EBay verkauften. Ähnliches gelang ihnen mit dem Klingelton-Anbieter Jamba.

2008 finanzierten sie die Gründung von Zalando. Der Berliner Internethändler gilt ebenfalls als Kandidat für einen Gang an die Börse. Er wäre voraussichtlich noch vor Rocket an der Reihe. Kinnevik, die mit 36,5 Prozent größter Zalando-Gesellschafter ist, hatte ihren Anteil zuletzt mit knapp 1,4 Milliarden Euro bewertet. Auf dieser Basis wäre der Online-Händler fast 3,8 Milliarden Euro wert.

Rocket prüft Börsengänge für Westwing und HelloFresh

Medienberichten zufolge könnten auch weitere Unternehmen aus dem Portfolio der Samwers in absehbarer Zeit an die Börse gebracht werden. So das Einrichtungshaus Westwing und der Berliner Lebensmittelversender HelloFresh.

Im vergangenen Jahr hatte Oliver Samwer im einem Reuters-Interview angekündigt, er wolle in fünf Jahren weltweit 200 bis 250 Firmen im Portfolio haben.

Rocket Internet hat die Investmentbanken Berenberg, JPMorgan und Morgan Stanley für einen möglichen Börsengang an Bord geholt. Repräsentanten von Rocket Internet, Kinnevik und Access Industries wollten zu den IPO-Plänen nicht Stellung beziehen.

( rtr/Bloomberg/gri )