Mobile Payment

Berliner Start-ups fordern die großen Banken heraus

Internet-Start-ups machen Banken und Sparkassen Konkurrenz und entwickeln digitale Lösungen für den Transfer von Geld und die Konto-Verwaltung. Auf diese vier Projekte sollte man achten.

Foto: cringle

Weltweit machen rund 3500 Start-ups traditionellen Geldhäusern Konkurrenz, darunter auch einige Berliner. Banken könnten mehr als ein Drittel ihrer Erträge an die neuen Wettbewerber verlieren, schätzen Marktforscher. Und auch Internetkonzerne wie Google, Facebook und Apple könnten zum Angriff auf die Finanzbranche blasen. Grund genug nachzusehen, an welchen Projekten Gründer arbeiten.

Avuba: Girokonto auf dem iPhone

Das Berliner Start-up Avuba will mit einer Smartphone-App und einem eigenen Girokonto auf den Markt kommen. Die Berliner Gründer arbeiten dazu mit einer lizenzierten Partnerbank zusammen, die für die Kapitaleinlagen, Daten- und Transaktionssicherheit bürgt. Doch zunächst will Avuba als Bezahldienst zwischen Freunden auf den Markt gehen – eine Art digitale Geldbörse. Nutzer senden mit der App Geld. Der Empfänger erhält eine SMS mit Link. Ist der Empfänger ebenfalls Nutzer der Plattform, wird der beauftragte Betrag direkt angewiesen. Ist er kein Nutzer, muss er seine Kontodaten in ein Webformular eintragen, das sich nach einem Klick auf den Weblink der SMS öffnet.

Später wollen die Gründer dieses Angebot um eine Analytik zur Ausgabenkontrolle, Benachrichtigungen und einem Budgetplaner ergänzen. Ferner ist geplant, eine Kreditkarte anzubieten, mit der weltweit kostenfrei Geld abgehoben werden kann. Wann diese Angebote verfügbar sind, ist noch unklar. „Ende 2014 oder Anfang 2015 wird Avuba um neue Funktionen erweitert“, sagt Marketing-Chef Carl-Christian Bruns.

Apps haben nach Einschätzung von Bruns gute Chancen, den Banken Kunden wegzunehmen. „Für Banken war das Girokonto jahrelang vornehmlich Vertriebskanal für andere Produkte“, sagt er. Nur im Umfeld des Girokontos habe es Innovationen gegeben. Bankfilialen haben aus seiner Sicht keine Zukunft mehr. Er ist sicher, dass in ein paar Jahren alle Finanzgeschäfte aus Apps heraus abgewickelt werden. „Banken sind gut für die Vergabe von Krediten. Sie können vieles, aber kein Onlinegeschäft“, sagt Jonas Piela, einer der Avuba-Gründer.

Number26: Fokus Kreditkarte

Während Avuba das Konto ins Zentrum der Banking-App stellt, legt das Start-up Number26 den Fokus auf die Kreditkarte. Angefangen haben die beiden Gründer Valentin Stalf (28) und Maximilian Tayenthal (33) mit dem Projekt Papayer, einer Onlineplattform zur Verwaltung einer Prepaid-Masterkarte für Jugendliche und deren Eltern. Die App zeigte alle Ausgaben an. Jugendliche können mit der App den Umgang mit „Plastikgeld“ lernen und die Kontrolle über ihre Ausgaben behalten. Eltern sehen, wo ihre Kinder das Taschengeld ausgeben.

„Wir haben festgestellt, dass Eltern die ursprünglich für Jugendliche konzipierte App selbst verwendeten“, erläutert Maximilian Tayenthal die Neuausrichtung des Unternehmens. Deshalb haben die beiden Gründer Number26 entwickelt, ein App-gesteuertes Girokonto, bei dem die MasterCard im Mittelpunkt steht. Die App soll alle Ausgaben in Echtzeit mit Hilfe selbstlernender Statistiken darstellen.

Wie ihre Kollegen von Avuba wollen auch die Number26-Gründer das Banking transparenter machen. „Online-Banking sieht meist aus wie aus den 90ern, mobile Apps gibt es teilweise gar nicht und es werden versteckte Gebühren verrechnet“, sagt Maximilian Tayenthal. Papayer zeigte bereits, in welche Richtung dieser Trend geht.

Neben den Grundfunktionen eines Kontos wie Überweisungen, Daueraufträgen und Lastschriften konzentriert sich Number26 auf den mobilen Zugriff auf alle Funktionen durch die Kunden. So kann die Karte mit nur einem Klick in der mobilen App gesperrt und entsperrt werden. Für jeden Umsatz wird eine Mitteilung aufs Handy gesendet. Kunden können weltweit gebührenfrei Geld abheben. „Die Kostenvorteile durch den Entfall des Filialnetzes werden direkt an die Kunden weitergegeben“, versichern die Gründer. Die App befindet sich momentan in einer geschlossenen Beta-Testphase. Der Launch ist für September 2014 geplant.

Cringle: Transfer unter Freunden

Jeden Tag wechseln in Deutschland 116 Millionen Euro den Besitzer – 90 Prozent in Bargeld, zitiert Malte Klussmann aus einer Studie der Bundesbank. Er ist Mitgründer des Start-ups Cringle, das eine App für Bargeld-Transaktionen zwischen Freunden entwickelt. Sie nutzen dabei ihre vorhandenen Girokonten.

Cringle kann als Social Payment bezeichnet werden. Ein Anwendungsfall ist ein gemeinsames Essen von Freunden im Restaurant, das einer aus der Runde bezahlt. Er teilt den anderen per Chat-Nachricht mit, wie hoch ihr Anteil ist und welchen Betrag er bekommt. Sie senden ihren Anteil der Zeche per App. Das geschieht mit wenigen Klicks bargeldlos. Die App nutzt dazu das Sepa-Lastschriftverfahren.

Cringle plant, im dritten Quartal 2014 mit einer iPhone- und einer Android-App auf den Markt zu gehen. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die App bis dahin perfekt und sicher läuft. Laut Unternehmensberatung PWC ist der Zeitpunkt für den Start solcher Angebote ideal: 45 Prozent der Befragten einer Studie wünschen sich eine digitale Geldbörse. Ebenso viele Nutzer (43 Prozent) können sich damit anfreunden, sie als Kreditkartenersatz zu nutzen und 66 Prozent würden sie als digitales Ticket für etwa Busse und Bahnen nutzen. „Jetzt ist der richtige Zeitpunkt“, sagt Malte Klussmann. PWC weist aber darauf hin, dass die potenziellen Nutzer solcher Apps noch zahlreiche Bedenken haben. „Die Anbieter sind gefordert, diese Furcht vor allem durch clevere Sicherheitsmechanismen auszuräumen“, heißt es in der Studie.

Numbrs: App verwaltet das Konto

Mit der auch in Deutschland verbreiteten Schweizer iPhone-App Numbrs lassen sich bestehende Girokonten bei mehr als 3500 unterstützten Banken in Deutschland verwalten. Die App zeigt Umsätze an, ermöglicht Überweisungen, schickt Nachrichten über Transaktionen und kategorisiert die Ausgaben mithilfe eines Algorithmus. Wie alle Banking-Apps beteuert auch Numbrs, dass sie höchste Sicherheit gewährt. Kundendaten würden niemals verkauft, entkräftet das Unternehmen auf seiner Website eine Sorge von Verbraucherschützern. Daten würden verschlüsselt auf Servern gespeichert, die unter deutschem Datenschutzrecht stehen.

Banking-Apps sind trotzdem Vertrauenssache. Wer Numbrs nutzen will, muss bereit sein, seine Konto- und Zugangsdaten für das Onlinebanking einschließlich seiner Pin in das App-Formular einzutragen und auf Wunsch auch zu speichern, damit sie nicht immer wieder eingegeben werden muss. Für Überweisungen werden Mobile-Tans benutzt.

Numbrs rührt kräftig die Werbetrommel: Das Schweizer Unternehmen vereinbarte mit der Mediengruppe ProSiebenSat.1 ein Media-Investment unbekannter Höhe. Das bedeutet den Tausch von Werbezeit gegen Unternehmensanteile. Durch die große Nachfrage seien nach den Werbespots die Server des Unternehmens ausgefallen, entschuldigt sich die Firma auf ihrer Webseite.