Es ist die Geschichte einer erfolgreichen Transformation. Bürgeler Keramik, produziert seit Jahrhunderten in einem kleinen Thüringer Städtchen, war zu DDR-Zeiten sogenannte Bückware. „Um den Absatz musste man sich einfach nicht kümmern“, sagt Falk Wächter. Nach dem Mauerfall war das plötzlich anders. Verheißungsvolle West-Produkte erschienen den Menschen attraktiver als das heimisch produzierte Kunsthandwerk. Die Töpfereien kamen ins Straucheln, einige rutschten in die Insol­venz, andere mussten schließen.

Falk Wächter – dessen Vater aus Thüringen stammt und der mit den Bürgeler Keramikmeistern eng zusammenarbeitete – schmerzte es zu sehen, wie eine Tradition verlorenzugehen drohte. Er erkannte das Potenzial dieser so markanten Keramik mit der bestechenden blauen Farbe, auf der sich die weißen Punkte wie Tupfer abheben. Und entschied sich, neue Märkte zu erschließen.

Aus zwei Läden wurde schließlich ein großes Geschäft

In beiden Häusern herrscht das ganze Jahr über Weihnachtsstimmung.
In beiden Häusern herrscht das ganze Jahr über Weihnachtsstimmung.© Max Müller

„Anfangs haben wir auf wechselnden Wochenmärkten verkauft“, so Wächter. Ein Trend, der sich schon damals abzeichnete: das touristische Potenzial der Bürgelware. „Vor dem Roten Rathaus lief unser Stand besser als auf den Kiezmärkten.“ Auch deshalb entschied er sich für einen Standort an einem eher touristischen Ort: 1994 eröffnete er das „Bürgelhaus“. Später kam das „Erzgebirgshaus“ hinzu: mit Handwerkskunst aus dem südlichen Sachsen. Vergangenes Jahr fusionierten beide Geschäfte.

Heute findet man sie in der Nähe vom Checkpoint Charlie, unweit der inzwischen autofreien Friedrichstraße, der Wächter versöhnlich gegenübersteht. „Für die Touristen ist das nicht schlecht. Es ist deutlich ruhiger geworden, das lädt zum Bummeln ein. Ich persönlich würde mir aber mehr Liebe bei der Gestaltung wünschen“, so der Anrainer.

Mit liebevoller Gestaltung kennt sich der Inhaber von „Bürgelhaus“ und „Erzgebirgshaus“ aus. Seine Läden gleichen einem Winterwunderland. Hier kommt das gesamte Jahr über ­Weihnachtsstimmung auf, auch wenn Wächter zugeben muss, dass es in der Adventszeit am Besten läuft. „Dann finden auch viele Berliner den Weg zu uns, um neue Nussknacker, Schwibbögen oder Weihnachtspyramiden zu kaufen.“ Die würden sich optisch häufig nicht von ihren Vorgängern unterscheiden – Tradition wird eben großgeschrieben. Die Technik indes ist meist neu, vor allem bei der Beleuchtung: LED statt konventioneller Glühbirnen. „Die halten ewig“, weiß Wächter aus Erfahrung.

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Für amerikanische Kunden gibt es auch Kuckucksuhren

Dem einen oder anderen mag es ­komisch vorkommen, dass Wächter mit zwei Geschäftsnamen wirbt. Tatsächlich muss man aber von Läden im Plural sprechen. Denn auch wenn beide Marken heute an einem Standort ansässig sind, gibt es doch eine klare Unterscheidung zwischen den Bürgeler Produkten und jenen aus der Erzgebirgsregion.

Die Schüsseln, Krüge, Tassen sowie allerlei Dekoratives kommt aus einem einzelnen Töpfereibetrieb, mit dem Wächter von Beginn an eng zusammenarbeitete. Als dieser einzugehen drohte, wankte auch das Geschäftsmodell des Berliner Unternehmers. Kurzerhand übernahm er den Manufakturbetrieb. Bei der Erzgebirgskunst setzt er hingegen auf einen Mix verschiedener Marken: Mehr als 50 Manufakturen führt Wächter in seinem Sortiment. Viel Traditionelles ist dabei, aber auch manch Neues, etwa Ex-Bundeskanzlerin Angela Merkel, Virologe Christian Drosten oder auch Kultsänger Udo Lindenberg als Räuchermännchen.

Bisweilen macht der Inhaber auch Zugeständnisse. „Die amerikanischen Touristen wollen Kuckucksuhren, also bekommen sie welche.“ Ein Alleinstellungsmerkmal des Geschäfts ist, dass dort beide Welten miteinander kombiniert werden, etwa in Form von Holzfiguren aus dem Erzgebirge, die miniaturisierte Bürgelkeramik tragen. Vor allem Sammler wären danach verrückt, sagt Wächter zum Abschied und wünscht „Fröhliche Weihnachten“.

Erzgebirgshaus / Bürgelhaus Friedrichstraße 199, Mitte, Tel. 20 45 09 77, Mo.–Sbd. 10–19 Uhr, www.erzgebirgshaus.de

Manufakturgeschäfte in Berlin (Auswahl)

  • Manufactum Warenhaus Hardenbergstr. 4, Charlottenburg, Tel. 24 03 38 44, Mo.–Fr. 10–20 Uhr, Sbd. 10–18 Uhr, www.manufactum.de
  • Wohnzimmer 36 Paul-Lincke-Ufer 44, Kreuzberg, Tel. 61 62 38 72, Mo.–Fr. 11–19 Uhr, Sbd. 11–18 Uhr
  • Das Goodshaus Kastanienallee 101, Prenzlauer Berg, Tel. 35 12 68 96, Mo.–Sbd. 12–18 Uhr, www.goodshouse.com
  • Hetti. & The Conscious Club Reuterstr. 62, Neukölln, Tel. 0176/ 22 52 25 77, Di.–Fr. 12–19 Uhr, Sbd. 12–17 Uhr, www.hettiberlin.com
  • Lilo Berlin Steifensandstr. 9, Charlottenburg, Tel. 70 08 25 25, Di.–Fr. 12–18.30 Uhr, Sbd. 12–18 Uhr, www.lilo-berlin.de
  • Kunstschule Hufelandstr. 13, Prenzlauer Berg, Tel. 29 77 93 61, Mo.–Fr. 10.30–19 Uhr, Sbd. 10.30–18 Uhr, www.kunstschule.net
  • Villa Ruh Landlädchen Nassauische Str. 62, Wilmersdorf, Tel. 86 30 72 57, Di.–Fr. 10–18 Uhr, Sbd. 10–14 Uhr, www.villa-ruh.de
  • Heimat Local Handmade Design Niederbarnimstr. 17, Friedrichshain, Tel. 74 69 99 14, Mo.–Sbd. 12–18 Uhr, www.facebook.com/heimat.berlin

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