„Wir haben nicht den Ausstellungsraum, den wir brauchen“, sagt Gerhard Mizera, während er durch einen der überfüllten Räume von „Jukeland“, seinem Geschäft in Schöneberg, watet. Als der 67-Jährige durch eine Tür in den hinteren Teil des Ladengeschäfts tritt, schaltet er das Licht ein, aber die Glühbirne flackert nur ärgerlich.
„Das ist das erste Mal in 30 Jahren, dass ich ein Problem damit habe“, sagt er. Einen Moment später leuchtet die Glühbirne auf und enthüllt einen weiteren Raum, der bis unter die Decke mit US-amerikanischen 1950er-Jahre-Dekorationsartikeln, Möbeln und natürlich Jukeboxen vollgestopft ist. Einige der Geräte müssen gewartet werden, andere stehen zum Verkauf, wieder andere sind zu vermieten.
Diese Old-School-Musikabspielgeräte sind nur ein Bruchteil von Mizeras „Jukeland“-Reich. „Wir haben etwa 50 Jukeboxen auf Lager“, sagt er. Die würden wegen des begrenzten Raumes aber woanders stehen. Wo, das verrät er nicht. Schließlich handelt es sich um teure Raritäten.
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"Jeden Tag ein paar Melodien"
Heute hat Mizera, der sein Geschäft 1989 eröffnete, wenig Zeit zum Ausruhen. „Manchmal nehme ich eine Jukebox mit nach Hause, weil wir in der Werkstatt zu wenig Zeit haben und voll sind. Oft arbeite ich sonnabends an einer Jukebox“. In diesem Jahr zwang ihn die ständig wachsende Arbeitsbelastung sogar dazu, seit September keine neuen Reparaturaufträge mehr anzunehmen. Dennoch hilft er, wo er kann, vor allem bei denjenigen, die bei ihm Jukeboxen gekauft haben. „Das Wichtigste sind unsere eigenen Kunden. Wenn neue Kunden kommen, müssen sie warten. Wir haben kaum Kapazität.“
Während die Pandemie vielerorts Geschäfte zum Erliegen brachte, erlebte Mizera das genaue Gegenteil: Zu seinem Erstaunen mussten plötzlich mehr Jukeboxen repariert werden. „Niemand hatte erwartet, dass so viele Jukeboxen darauf warten, wieder zum Leben erweckt zu werden“, sagt er. „Viele Menschen haben ihre Jukeboxen vor 30 Jahren gekauft und sich in den vergangenen 20 Jahren kaum um sie gekümmert.“ Dabei wäre es so einfach, das Gerät fit zu halten, meint Mizera, den viele nur „Dr. Juke“ nennen: „Jeden Tag ein paar Melodien spielen.“
Für 800 D-Mark kaufte er sein erstes Gerät
Probleme treten auf, wenn Jukeboxen vergessen werden – und ihre Wiederherstellung kann langwierig sein. „Man kann eine Jukebox in zwei Tagen reparieren, aber manchmal dauert es ein halbes Jahr oder länger, wenn man nach Ersatzteilen suchen muss.“ Wenn es um nicht gefährliche Kratzer geht, sieht Mizera das als Zeichen von Charakter. „Es gibt Kunden, die sagen: ‚Die Jukebox muss wie neu aussehen.‘ Aber das ist nicht mein Ding.“
Bevor er seine Leidenschaft zum Beruf machte, studierte Mizera Soziale Arbeit und war mehr als zehn Jahre lang mit jungen Menschen zusammen. Aber egal, was er beruflich tat, sein Interesse an Musik blieb bestehen – er hörte sie und machte sie mit seiner Band Cultur Pur. Im Laufe der Zeit sammelte er stapelweise Vinyl-Schallplatten, aber das manuelle Herausnehmen der Platten aus den Hüllen und das Auflegen auf den Plattenteller ging ihm auf die Nerven. Als er über eine Lösung nachdachte, erinnerte sich Mizera an etwas, das er als Student in einer Kreuzberger Kneipe gesehen hatte: eine Jukebox, die Platten automatisch einlegte.
Für 800 D-Mark kaufte er 1982 sein erstes Gerät. „Es war eine amerikanische Jukebox, Seeburg – die erste Jukebox, die für kleine Schallplatten gebaut wurde“, sagt er. „Und dann ging es los. Ich war fasziniert von der Technik, dem Mechanismus und wie dieser funktioniert.“ Noch heute begeistert ihn die Funktionsweise. „Man drückt die Knöpfe und dann bewegt es sich. Und das ist es, was die Leute mögen. Man sieht tatsächlich etwas“, sagt er, während das Wurlitzer-Modell „One More Time“ beginnt, „Beautiful Sunday“ von Daniel Boone aufzulegen und abzuspielen.
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Die Pandemie hat sein Geschäft verschont
Mit seinem wachsenden Interesse an Jukeboxen eröffnete Mizera das Geschäft. Aber selbst seine 30-jährige Erfahrung hätte ihn nicht auf die Pandemie vorbereiten können. „Die vergangenen zwei Jahre waren ganz anders als die Jahre zuvor“, sagt er. Corona hat Mizera nicht nur mit Arbeit zugeschüttet, sondern auch Fragen zu seiner Gesundheit und seinen Zukunftsplänen aufgeworfen.
„Vor drei Jahren habe ich mir darüber keine Gedanken gemacht, aber jetzt, mit Covid, sind Freunde und andere Händler in Holland und den USA verstorben.“ Und da es immer weniger Menschen gibt, die Reparaturen durchführen, machen sich auch die Liebhaber von Musikboxen Sorgen um die Zukunft ihrer Geräte. „Sie denken darüber nach, wie lange wir noch im Geschäft bleiben werden. Ich bekomme immer wieder dieselben Fragen gestellt: ‚Wann hört ihr auf? Wann gehen Sie in den Ruhestand?‘“
„Dr. Juke“ ist zwar froh, dass die Pandemie sein Geschäft verschont hat, aber er denkt auch darüber nach, irgendwann einmal kürzer zu treten. „Ich werde ein bisschen müde“, gibt er zu. Da er sieht, wie viele Menschen ihre Jukeboxen wieder mit Leben füllen wollen, hofft er, dass die nächste Generation die Tradition fortführen kann. Sein Sohn engagiert sich „immer mehr, vielleicht sieht er hier seine Zukunft“.
Jukeland Crellestraße 14, Schöneberg, Tel. 782 33 35 Di.–Fr. 14–18 Uhr, Sbd. 11–14 Uhr, www.jukeland.de
Musikinstrumente und Reparaturservices in Berlin
- Akkordeon Centrum Brusch Holsteinische Str. 19, Friedenau, Tel. 85 07 85 09, Mo.–Fr. 10–18.30 Uhr, Sbd. 10–14 Uhr, www.accordeoncentrum.de
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- JustMusic Oranienstr. 140, Kreuzberg, Tel. 88 77 55 00, Mo.–Fr. 10–19 Uhr, Sbd. 10–18 Uhr
- Musikhaus Lichterfelde Lankwitzer Straße 1, Lichterfelde, Tel. 772 24 60, Mo.–Fr. 11–18 Uhr, Sbd. 11-14 Uhr, www.musikhaus-lichterfelde.de
- Musikhaus Spandau Moritzstraße 9b, Spandau, Tel. 333 39 46, Mo.–Fr. 10–18.30 Uhr, Sbd. 10–15 Uhr, www.musikhausspandau.de


