Der unspektakulär wirkende Laden liegt in einer ruhigen Ecke von Kreuzberg. Keines der ausgestellten Stücke zieht sofort die Aufmerksamkeit auf sich. Kaum jemand würde vermuten, dass es sich hierbei um eines der am besten bewerteten Vintage-Modegeschäfte Berlins handelt. Aber genau das ist es – dank der zierlichen griechischen Berlinerin, die das Unternehmen mit viel Herzblut, Entschlossenheit und einem guten Gespür für Trends betreibt.
Vasiliki Voulgari ist die Gründerin und Inhaberin von „VV Berlin“. Jeder Aufenthalt bei Voulgari, ob in ihrem Laden oder anderswo, ist eine Erfahrung, die von der Stärke ihrer Persönlichkeit geprägt ist – einer Mischung aus Gastfreundschaft und Berliner Mach-es-doch-selbst-Attitüde, ergänzt durch eine gesunde Portion Selbstbewusstsein.
Als Voulgari vor fünf Jahren dauerhaft nach Berlin zog, war sie auf der Suche nach einer neuen Herausforderung. Sie hatte bereits einen ersten Vintage-Laden in Griechenland eröffnet, den sie immer noch aus der Ferne leitet. „Als ich vor 13 Jahren in Athen anfing, Kleidung zu verkaufen, gab es noch keinen Vintage-Trend“, sagt Voulgari. „Es ging mehr darum, günstige Outfits für Freunde zusammenzustellen.“ Die griechische Hauptstadt litt damals unter den Folgen der Finanzkrise. Nach ein paar Besuchen in Berlin beschloss Voulgari, hierher zu kommen und ein neues Geschäft aufzubauen.
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Anfangs verkaufte Voulgari Kleidung in ihrer Mietwohnung
Anfangs hatte sie nicht das Geld, um einen eigenen Laden zu eröffnen – kurzum verkaufte sie die Vintage-Ware in ihrer Wohnung. Ursprünglich befand sich das „VV Berlin“ also in einem Zimmer im sechsten Stock eines Plattenbaus am Alexanderplatz. „Es war ein geheimer Ort. Man musste mich anrufen um reinzukommen.“ Unter den Modekennern avancierte „VV Berlin“ zu einem angesagten Ort, dessen Anziehungskraft durch den brillanten Einsatz der Social-Media-Plattform Instagram gestärkt wurde.
Das Konzept hatte Vor- und Nachteile. Einerseits ermöglichte der heimische Verkauf eine intime Begegnung – die Kunden mussten Voulgari kennenlernen, wenn sie etwas wollten. Andererseits konnte das nicht auf Dauer gutgehen. Als sich das ungewöhnliche Geschäft mit den guten Preisen und der tadellosen Auswahl herumsprach, geriet es außer Kontrolle. Die Kunden standen vor der Haustür Schlange. Eine einflussreiche Modeseite verkündete, „VV Berlin“ sei der beste Vintage-Laden der Stadt, vielleicht sogar in Deutschland.
„Das hat mich ziemlich fertig gemacht“, sagt Voulgari. „Vor meinem Laden standen sogar Menschen, die extra aus Japan gekommen waren.“ Erst beschwerten sich die Nachbarn, dann kam das Ordnungsamt. Bald wurde der geheime Laden geschlossen – und Voulgari aus der Wohnung geworfen. Als sie nach fünf Jahren in Berlin obdach- und arbeitslos wurde, beschloss sie, einen richtigen Shop zu eröffnen. Innerhalb eines Monats hatte sie die Verkaufsfläche an der Markgrafenstraße in Kreuzberg gefunden. Dort ist „VV Berlin“ noch heute ansässig.
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Es gibt auch Designerware aus Griechenland
Die Kollektion ist schwer zu charakterisieren. Tatsächlich ist sie nicht immer genau Vintage, da ein Großteil der von Voulgari verkauften Kleidungsstücke überschüssige Designerware aus Griechenland ist, die noch nie getragen wurde. Ein Teil der Anziehungskraft des Ladens mag in der Verfügbarkeit kleinerer Größen liegen, ein seltenes Phänomen für Secondhand-Kleidung in Deutschland. „Vom Stil her würde ich sagen, sind es hauptsächlich die 1990er- bis 2000er-Jahre“, erklärt sie. „Und ich habe einige Stücke, die eher an die 1970er-Jahre erinnern. Ich denke, jeder kann hier einkaufen, von 15 bis 85 Jahren, das ist kein Problem.“
Voulgari sagt, sie lasse sich von den Menschen inspirieren, denen sie begegnet. „Wenn ich draußen oder in öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs bin, beobachte ich die Menschen, um zu sehen, was sie tragen. Meine größte Inspiration sind ältere Menschen, sie verblüffen mich immer wieder mit ihren Farbkombinationen“, sagt sie. „Wenn es darum geht, Kleidung zu kaufen, folge ich einfach meinem Instinkt. Und bis jetzt habe ich mich noch nie geirrt.“ Manchmal kauft sie ein Kleidungsstück auch, weil sie es sich an einer Freundin oder einer Stammkundin vorstellen kann – ob diese Person die Ware kauft oder nicht, spielt keine Rolle.
Voulgari lässt sich auch vom Geist Berlins inspirieren, einer Stadt, deren Geschichte, Künstler und Clubkultur zur Stärke der Vintage-Bewegung beigetragen haben. „VV Berlin“ ist ein Geschäft, das nach dem Vorbild der Menschen gebaut wurde, die es besuchen, und das vom Eifer und der Persönlichkeit seines Besitzers durchdrungen ist. Wer wissen will, was das bedeutet, sollte lieber heute als morgen vorbeischauen. „Ich weiß nicht, wie viele Berliner Winter ich noch ertragen kann.“
VV Berlin Markgrafenstraße 88, Kreuzberg, Tel. 0176/66 91 57 45, Mo.–Sbd. 13–19 Uhr, www.instagram.com/vv_berlin
Hier gibt es Mode und edle Stoffe in Berlin
- Andreas Murkudis Potsdamer Straße 81, Tiergarten, Tel. 680 79 83 06, Mo.–Sbd. 11–19 Uhr, andreasmurkudis.com
- Esther Perbandt Almstadtstraße 3, Mitte, Tel. 88 53 67 91, Di.–Fr. 10–19 Uhr, Sbd. 12–18 Uhr, www.claudiaskoda.com
- Darklands Lindower Straße 22, Wedding Mo., Fr., Sbd. 11–18 Uhr, www.darklandsberlin.com
- Konk Kleine Hamburger Straße 15, Mitte, Tel. 28 09 78 39, Mo.–Fr. 12–19 Uhr, Sbd. 12–18 Uhr, www.konk-berlin.de
- Lala Berlin Alte Schönhauser Straße 3, Mitte, Tel. 20 09 53 63, Mo.–Sbd. 11–19 Uhr, www.lalaberlin.com
- Marcel Ostertag Store Schlüterstraße 12, Charlottenburg, Tel. 0173–539 75 65, Mo.–Sbd. 10–19 Uhr, www.marcelostertag.com
- Odeeh Store Potsdamer Straße 81a, Haus J, Tiergarten, Tel. 26 39 11 59, Mi.–Sbd. 12–18 Uhr, www.odeeh.com
- Sabrina Dehoff Auguststraße 26a, Mitte, Tel. 97 00 41 60, Mo.–Sbd. 12–19 Uhr, www.sabrinadehoff.com
- Herr von Eden Alte Schönhauser Straße 14, Mitte, Mo.–Sbd. 12–18 Uhr, Tel. 288 743 54, www.herrvoneden.com
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