„Ulis Fahrradladen“ liegt in einer unscheinbaren Seitenstraße, irgendwo in Spandau. Ulrich Feick, so der komplette Name des Inhabers, wirkt etwas furchteinflößend, wenn er aus dem Hinterzimmer seiner Werkstatt hervortritt. Feicks Körpergröße von 1,90 Meter täuscht allerdings über die sanfte Art des 61-Jährigen hinweg.
Tatsächlich macht Feick mit seinem schütteren Haaransatz, dem stechenden Blick und dem Doc-Holliday-Bart, einer tief ausgeschnittenen, doppelreihigen schwarzen Weste mit großen weißen Knöpfen und einer blauen Jeans eine gute Figur. Als Händler, Mechaniker, Kurator, Verleiher und Sammler von alten Fahrrädern von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis in die 1970er-Jahre ist Feick Berlins erste Anlaufstelle für alte Räder und Ersatzteile.
Nachdem er als Teenager die Räder seiner Kumpels repariert und als junger Mann bei dem erfahrenen Rahmenbauer Erich Polauke gearbeitet hatte, eröffnete Feick 1983 im Alter von nur 21 Jahren seinen eigenen Laden. Es war die Geburtsstunde des bis heute existenten Geschäfts.
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Requisiteure leihen bei Uli Feick Räder für Filmproduktionen aus
Obwohl sein Hauptinteresse den alten Fahrrädern gilt, hat Feick seine Werkstatt auch für den modernen Fahrradmarkt eingerichtet. Er will seinen Service allen anbieten. Zudem hilft ihm das, seine Leidenschaft zu refinanzieren. Denn die „alten Dinger“ sind nicht gerade billig. „Ein Hochrad kostet zwischen 2000 und 3000 Euro“, sagt Feick.
„Ulis Fahrradladen“ ist nicht nur eine etablierte Zweiradwerkstatt. Im Jahr 2008 richtete Feick im hinteren Teil des Geschäfts ein Museum für alte Fahrräder ein: Mit rund 40 Fahrrädern ist es die größte Sammlung historischer Räder in der Hauptstadt. Weitere 200 hat Feick im Museumskeller und um die 40, so schätzt er, in einem Raum in seiner Wohnung.
„Ja, das ist meine einzige Liebe“, gibt er zu. Manchmal kämen Requisiteure bei ihm vorbei, die sich aus Uli Feicks Bestand ein Rad für eine Produktion leihen wollen – so wie für Michael Hanekes „Das weiße Band“ (2009), ein Film, der im protestantischen Deutschland vor dem Ersten Weltkrieg spielt.
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Als das Rad noch dem Pferd Konkurrenz machte
Zu dieser Zeit war das Rad längst erfunden. Das Museum zeigt dessen Historie. An der Wand hängt der Nachbau von Karl Drais’ Laufrad – ein pedalloser Holzrahmen auf zwei Rädern –, das Anfang des 19. Jahrhunderts dem Pferd Konkurrenz machen sollte und für mächtig Aufregung sorgte. Denn mit ihm konnte der Erfinder Karl Freiherr von Drais schon bis zu 15 Stundenkilometer erreichen.
Darunter steht ein Veloziped von 1869 mit Vorderradpedalen neben seinem Nachfolger, einem Hochrad aus den 1880er-Jahren. Die Fahrräder gegenüber stammen aus der Zeit der Jahrhundertwende und waren noch mit Petroleum- und Karbidlampen ausgestattet. Und an einer Wand hängen formschöne Rennräder aus den Jahren 1927 bis 1980.
Früher fuhr Feick selbst ein historisches Rad der Firma August Stukenbrock aus dem Jahr 1907. Mit dem legte er in 20 Jahren mehr als 5000 Kilometer zurück – alles ohne technische Hilfsmittel wie eine Gangschaltung. Eine Krankheit hindert ihn mittlerweile daran, längere Touren zu unternehmen. Deshalb bevorzugt er ein eher „moderneres“ Gefährt: ein Drei-Gang-Rad aus dem Jahr 1951.
Retro-Fahrt durch Berlin
Feick legt jährlich noch etwa 300 Kilometer auf seinem Oldtimer-Fahrrad zurück und unternimmt sechs oder sieben Ausflüge auf zwei Rädern mit seinen im Retro-Look gekleideten Freunden vom Verein „Historische Fahrräder Berlin“, einer bunt gemischten Gruppe passionierter Fahrradfahrer im Alter von 22 bis weit über 80 Jahre.
Zu den jährlichen Höhepunkten gehört eine nächtliche Fahrt in voller Retro-Ausrüstung, sei es als bekannte Diva aus der Stummfilmzeit oder als Großstädter aus den 1940er-Jahren, bei der die Lampen der Drahtesel, egal ob mit Öl oder Kerzen betrieben, die Nacht erhellen.
Ulis Fahrradladen Jagowstraße 28, Spandau, Tel. 336 69 87, Mo.–Fr. 10–18.30 Uhr, Sbd. 10–14 Uhr, www.historische-fahrraeder-berlin.de
Fahrradläden in Berlin (Auswahl)
- Bikedudes Berlin Landsberger Allee 53, Friedrichshain, Tel. 49 85 58 48, Di.–Fr. 10–19 Uhr, Sbd. 10–15.30 Uhr, www.bikedudes.de
- Rad Company Hauptstr. 163, Schöneberg, Tel. 78 89 41 23, Mo.–Fr. 10–19 Uhr, Sbd. 10–16 Uhr, www.radcompany.de
- Bike Market City Uhlandstr. 63, Wilmersdorf, Tel. 861 00 07, Di.–Fr. 11–18.30 Uhr, Sbd. 11–16.30 Uhr, www.bikemarketcity.de
- Fahrradland Ritterlandweg 43, Reinickendorf, Tel. 491 10 66, Mo.–Fr. 10–18.30 Uhr, Sbd. 9.30–14 Uhr, www.das-fahrradland-berlin.de
- Fahrradladen Mehringhof Gneisenaustr. 2a, Kreuzberg, Tel. 691 60 27, Di., Do. und Fr. 10–19 Uhr, Mi. 7–19 Uhr, Sbd. 11–15 Uhr, www.fahrradladen-mehringhof.de
- Fahrradstation Berlin Dorotheenstr. 30, Mitte, Tel. 20 45 45 00, Mo.–Fr. 10–19 Uhr, Sbd. 10–16 Uhr, www.fahrradstation.de
- Radhaus Biesdorf Alt-Biesdorf 45, Biesdorf, Tel. 51 06 37 70, Mo.–Sbd. 10–19 Uhr, www.das-radhaus.de
- Zweirad-Center Stadler August-Lindemann-Str. 9, Prenzl. Berg, Tel. 20 07 62 50, Mo.–Sbd. 10–20 Uhr, shop.zweirad-stadler.de
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