Zweite Liga

Union bittet zum Tanz um den Aufstieg

Union eröffnet den Dreikampf um den Bundesliga-Aufstieg. Und die Chancen gegen die Schwergewichte Hamburg und Köln sind nicht schlecht.

Die Profis des 1. FC Union feiern das 15. Saisonspiel ohne Niederlage

Die Profis des 1. FC Union feiern das 15. Saisonspiel ohne Niederlage

Foto: O.Behrendt / imago/Contrast

Berlin.  Da verschlug es selbst Urs Fischer die Sprache. Der Schweizer – stets wortgewandt, wenn es darum geht, der guten sportlichen Situation des 1. FC Union die Euphorie zu entziehen – war seines größten Trumpfes beraubt. Die aktuelle Lage ohne die geliebte „Momentaufnahme“ zu beschreiben, war jedoch nur kurz eine Herausforderung für den Trainer des Fußball-Zweitligisten . „Das Momentum liegt auf unserer Seite“, sagte Fischer also. Spitzenreiter Hamburger SV und der 1. FC Köln seien weiter die klaren Favoriten auf den Aufstieg. Doch es ist Union, das daraus einen Dreikampf macht, mit nicht den schlechtesten Chancen. Union bittet im Aufstiegsrennen zum Tanz, die Morgenpost erklärt warum.

Intakte Mannschaft

Union ist nach dem 3:1 gegen Darmstadt auch nach 15 Spielen noch ohne Niederlage. Eine Serie, die das Selbstvertrauen immer mehr steigert. Dank der besten Defensive der Liga (elf Gegentore) haben die Berliner den HSV (15) und Köln (18) fest im Blick. Dies begründet sich vor allem auf die Erfahrung, die Oliver Ruhnert, Unions Geschäftsführer Profifußball, der Hintermannschaft verpasst hat, durch die Zugänge Manuel Schmiedebach, Florian Hübner , Ken Reichel und Torwart Rafal Gikiewicz. Ein Quartett, das es mit der Routine der immer noch durchaus erstligatauglichen Kader der beiden Absteiger aufnehmen kann. Union sei defensiv kaum zu überwinden, sagte HSV-Trainer Hannes Wolf: „Die werden bis zum Ende oben bleiben.“

In Sachen Torjäger überstrahlt Kölns Simon Terodde zwar alles, der Ex-Unioner hat 19 Mal getroffen, zehn Mal mehr als alle anderen in der Torjägerliste. Zudem steht Rückkehrer Anthony Modeste in den Startlöchern. Auch wird sich der HSV wieder auf Pierre-Michel Lasogga (sieben Tore) verlassen können, wenn er seinen Muskelfaserriss auskuriert hat. Dem hat Union jedoch Sebastian Andersson (sechs) und natürlich Sebastian Polter (vier) entgegenzusetzen. Nicht die schlechtesten Voraussetzungen für einen Dreikampf auf dem Rasen.

Ruhiges Umfeld

Dass sich das Spitzentrio auf die Unterstützung einer großen Fangemeinde verlassen kann, steht außer Frage. Doch beim Spitzenduo muss hinzugefügt werden: wenn es gut läuft. Die Erwartungshaltung in Köln und bei den Hamburgern ist ungleich höher als in Köpenick. Das trifft für das Saisonziel zu, das schon obligatorisch an Rhein und Elbe nur Rückkehr in die Bundesliga heißen kann. Läuft es nicht wie erwartet, schlägt die Stimmung schnell um.

Die Hamburger sahen sich sogar schon genötigt, den Trainer zu wechseln, weil sie das Erreichen des Ziels in Gefahr sahen (Rang fünf nach zehn Spieltagen). Unter Wolf, Nachfolger von Christian Titz, hat der HSV zwar wieder in die Erfolgsspur gefunden, doch neben dem Aufstieg sind auch noch herausragende Leistungen gefordert. Läuft es auf dem Rasen mal nicht für Hamburg, wie gerade erst über weite Strecken bei Unions Remis im Volksparkstadion zu beobachten, kommt sofort Unmut auf.

Das gilt auch für Köln, nicht aber für Union. Ob Rückstand oder Gegentor, selbst wenn die Leistung zu wünschen übrig lässt – der Anhang feiert sein Team. „Jeder weiß, dass die Fans zu uns gehören“, machte Union-Kapitän Christopher Trimmel nach dem Sieg gegen Darmstadt deutlich. Diese Symbiose ist mit ein Grund dafür, warum die runderneuerte Mannschaft nach Rückschlägen nicht mehr auseinanderfällt und bis zuletzt an sich glaubt.

Wenig Druck

Es dürfte außer Frage stehen, dass einige bei Union den Aufstieg herbeisehnen, wenn auch nur innerlich. Die Köpenicker spielen seit 2009 ununterbrochen im Unterhaus, so lange wie kein anderer aktueller Zweitligist. Es endlich einmal schaffen, den nächsten Schritt machen zu wollen, liegt in der Natur der Sache. Dennoch verkündete Klubchef Dirk Zingler , sicher auch mit der Erfahrung der missratenen vergangenen Saison, gerade erst wieder: „Ziel bleibt, dass wir mittelfristig in die Bundesliga aufsteigen wollen.“ Von (öffentlichem) Druck ist kaum etwas zu spüren.

Anders in Köln und Hamburg. Allein schon wegen der kostspieligen Etats für die Lizenzspielerabteilungen – Köln gibt 24 Millionen Euro aus, der HSV 28 Millionen, Union 13,3 Millionen – ist die Rückkehr in die erste Liga ein Muss, um einen totalen Neuaufbau in Liga zwei zu verhindern. Vor allem in Hamburg ist der finanzielle Druck gewaltig, nachdem der Klub gerade zum achten Mal in Folge ein Bilanzminus ausgewiesen hat: 5,8 Millionen Euro. Verbindlichkeiten in Höhe von 85,5 Millionen belasten den HSV zusätzlich. Und relevante Gewinne, um den Schuldenberg weiter abzubauen, lassen sich nur in der Bundesliga erwirtschaften.

Schwächelnde Verfolger

Wer nun mit Blick auf die Tabelle anmerkt, dass Union nur eine Gruppe von Verfolgern anführe, hat im ersten Moment recht. Doch bei genauerem Hinsehen wird deutlich: Teams wie dem FC St. Pauli, VfL Bochum oder Holstein Kiel fehlt es an Konstanz. Alle haben mindestens schon dreimal verloren. So konnte Kiel den Abstand mit dem 4:0 am Sonntag in Duisburg nur konstant bei drei Zählern halten, während Bochum (0:0 beim nächsten Union-Gegner Magdeburg) und St. Pauli (1:1 gegen Dresden) wichtige Punkte verloren.

Zudem zeigte sich: Union war in Köln (1:1) und beim HSV (2:2) mindestens eine Halbzeit lang ebenbürtig. St. Pauli dagegen ließ sich in Köln vorführen (3:5) und erkrampfte sich ein 0:0 beim Lokalrivalen. Bochum verlor gegen die Rheinländer (0:2) und ermauerte sich eine Nullnummer im Volksparkstadion. Kiel überraschte den HSV am ersten Spieltag mit 3:0, dazu ein 1:1 gegen Köln. Dafür wurden im ersten Saisondrittel woanders viele Punkte liegen gelassen. Spätestens jetzt wird deutlich, wie wertvoll Unions neun Remis tatsächlich sind.

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