3:1 gegen Darmstadt

Union Berlin bleibt mit Sieg an Spitzenduo dran

Union bleibt mit dem Sieg gegen Darmstadt auch nach 15 Spielen ohne Niederlage und festigt Rang drei.

1. FC Union Berlin - SV Darmstadt 98 im Stadion An der Alten Försterei.

1. FC Union Berlin - SV Darmstadt 98 im Stadion An der Alten Försterei.

Foto: Annegret Hilse/dpa

Der Gesang, den die Anhänger des 1. FC Union im Stadion an der Alten Försterei anstimmten, war deutlich zu hören. „Die erste Bundesliga ist zum greifen nah, die Zeit ist nun gekommen, ihr werdet’s schon sehen“, schallte es kurz vor dem Ende der Partie gegen Darmstadt 98 aus dem Fanblock. Und noch lauter, als sich die Mannschaft wenige Minuten später auf der Ehrenrunde befand. Überzogene Euphorie? Vielleicht sogar Größenwahn? Eher Realismus. Denn Union hat mit dem 3:1 (2:0) gegen die Darmstädter am Sonnabend auch die 15. Partie in dieser Saison nicht verloren, und – fast noch wichtiger – den dritten Platz gefestigt.

Wie verdient dieser Erfolg vor 21.474 Zuschauern gewesen ist, fasste Urs Fischer in einem Satz zusammen. „Wir haben 70 Minuten ein gutes Union gesehen, das keine Fehler gemacht hat“, sagte der Trainer des Berliner Fußball-Zweitligisten. Dass sich die Köpenicker in der Schlussphase eine kleine Blöße gaben, war zu verschmerzen angesichts des klaren 3:0-Vorsprungs, den sich Union zu diesem Zeitpunkt bereits erarbeitet hatte. Der Auftritt hat ein weiteres Mal gezeigt, dass es die Berliner sein werden, die das Spitzenduo „vor sich hertreiben“ werden, wie es Klubchef Dirk Zingler am Mittwoch bei der Mitgliederversammlung bezeichnete. Denn während Spitzenreiter Hamburger SV fünf Tage nach dem 2:2 gegen Union nun bei Schlusslicht FC Ingolstadt 2:1 gewann (und damit Unions Ex-Trainer Jens Keller in Ingolstadt die Aufgabe erschwert), hielt sich der 1. FC Köln mit einem 4:0 gegen Greuther Fürth schadlos. Der FC St. Pauli liegt nach dem 1:1 gegen Dresden nun zwei Zähler hinter Union auf Rang vier.

Stürmer Andersson kehrt mit einem Doppelpack zurück

Die Atmosphäre auf den Rängen entsprach in der ersten Halbzeit dem Geschehen auf dem Rasen. Ruhig, mit wenig Höhepunkten. Die aktive Fanszene auf beiden Seiten hatte ihre Ankündigung wahr gemacht und exakt 45 Minuten lang geschwiegen, um ihren stillen Protest gegen die Anstoßzeiten zum Ausdruck zu bringen. „Montagsspiele abschaffen, denn Fußball findet am Wochenende statt“, stand auf einem Transparent vor dem Union-Block. Auf dem der Darmstädter war „Die Vereine haben es in der Hand – alle Montagsspiele abschaffen“ zu lesen. „Da konnte man sich wenigstens gut gegenseitig coachen“, versuchte Unions Kapitän Christopher Trimmel mit einem Augenzwinkern, der Stille etwas Positives abzuringen. Es gelang nicht. Denn: „Das will kein Fußballer“, so der Linksverteidiger.

Sebastian Andersson nahm es ganz pragmatisch. „Wir waren ja darauf vorbereitet und wussten, warum die Fans schweigen“, sagte der Schwede – und ließ sich von der ungewohnten Stimmung erst gar nicht beeinflussen. Andersson machte bei seinem Startelf-Comeback, nachdem er drei Partien Sebastian Polter den Vorzug hatte geben müssen, genau das, was man von einem Stürmer erwartet: Tore schießen.

Wenig war passiert bis zur 28 Minute, beide Mannschaft hatten vor allem mit langen Bällen ihr Heil zu finden versucht – vergeblich. Wobei Union „defensiv sehr gut gearbeitet hat, gerade nach Ballverlusten“, wie Darmstadt-Coach Dirk Schuster analysierte. Doch nach eben 28 Minuten schlug Union in Person von Andersson eiskalt zu. Ken Reichel drosch den Ball vor das Tor, Andersson hielt den Fuß hin, 1:0. Drei Minuten vor der Pause dann der zweite Streich des Blondschopfs. Nach Vorlage von Joshua Mees hämmerte Andersson den Ball – leicht, aber damit unhaltbar von Marcel Franke abgefälscht – oben rechts ins Eck (42.).

Als Union nach der Pause den Druck erhöhte, nun wieder lautstark von den Rängen unterstützt, war Unions Nummer zehn erneut zur Stelle. Marvin Friedrichs Kopfball gab Andersson die entscheidende Richtungsänderung, Gäste-Kapitän Aytac Sulu schob den Ball schließlich über die Linie (65.). „Wenn ich nicht rangehe, geht der Ball nicht rein“, nahm es der 27-Jährige gelassen, dass es offiziell doch nicht für einen Dreierpack gereicht hat. Mit sechs Saisontreffern ist er nun dennoch Unions bester Schütze.

Nur die Schlussphase wollte den Hausherren nicht wirklich gelingen. „Durch das Gegentor kam Hektik auf“, erklärte Trimmel. Tatsächlich spürten die Darmstädter nach dem Anschlusstreffer durch Serdar Dursun (73.) doch noch so etwas wie Hoffnung auf einen Punkt, wenn auch nur kurz. „So eine Serie wie unsere habe ich noch nicht erlebt“, sagte Kapitän Trimmel, „das hat aber nichts mit Glück zu tun, das haben wir uns hart erarbeitet.“ So tat Coach Fischer, was er seit Wochen tut: Ruhe vorleben. „Für uns heißt es, schön auf dem Boden zu bleiben. Das gilt auch für den Trainer“, sagte der Schweizer. Einige Fans sehen das inzwischen anders.

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