Zweite Liga

Letzter Halt für den Gegner: Florian Hübner

Der Verteidiger ist der Garant, dass Union die beste Defensive der Liga hat. Gegen Darmstadt ist der Abwehrchef gefragt.

Dortmunds Shinji Kagawa (l.) im Zweikampf mit Unions Florian Hübner

Dortmunds Shinji Kagawa (l.) im Zweikampf mit Unions Florian Hübner

Foto: Bernd Thissen / dpa

Unweigerlich sucht man nach der feinen Klinge, die er doch irgendwo bei sich tragen muss. Einer Waffe, wie sie sich für Männer seiner Erscheinung geziemt, mit dem Bart eines Helden, der jeden Mantel- und Degenfilm schmücken würde, höflich und spitzbübisch zugleich. Florian Hübner liebt die direkten Duelle, auch wenn er für ein erfolgreiches Abschneiden schon mal zu etwas gröberen Mitteln greifen muss. Nicht um sein Gegenüber zu verletzen, sondern um Gefahr von den eigenen Reihen fernzuhalten. „Wenn du unter Druck gerätst und dann deinen Mann stehen musst, das ist für einen Innenverteidiger schon ganz cool“, sagt Hübner.

Dass er sein Metier beherrscht, zeigt er seit Wochen beim 1. FC Union. Florian Hübner, 27 Jahre alt, geboren in Wiesbaden, ist ein Garant dafür, warum der Berliner Fußball-Zweitligist die beste Abwehr der Liga besitzt (zehn Gegentore in 14 Spielen). Kopfballstark, dank 1,91 Meter Körpergröße. In den Zweikämpfen oft den entscheidenden Moment schneller am Ball als der Gegner. Qualitäten, die auch am Sonnabend gegen Darmstadt 98 gefragt sein werden (13 Uhr, Alte Försterei).

Seit dem dritten Spieltag immer dabei

„Ich versuche, das Spiel schon vorher ein bisschen zu lesen, zu schauen, was kommen könnte und versuche, dann schnell zu reagieren und direkt im Zweikampf zu sein“, spricht Hübner über seine Stärken. „Im Moment machen wir es als Team ganz gut, und dass ich meinen Teil dazu beitragen kann, ist natürlich umso schöner.“

Hübner tut dies seit dem dritten Spieltag. Keine Minute hat er seit jenem 4:1 gegen den FC St. Pauli gefehlt. Trainer Urs Fischer setzt auf ihn, Hübner zahlt das Vertrauen zurück. Robust, mit einem Höchstmaß an Emotion, was so gar nicht zum smarten Helden mit der feinen Klinge passen will. „Im Spiel ist es immer etwas anders. Da bin ich aggressiver, das ist meine Spielweise. Natürlich kommen die Emotionen hoch“, erklärt Hübner, „damit kann ich mich selbst auch ein bisschen anstacheln. Das macht Spaß.“ Seine Gegenspieler werden dies ohne Zweifel etwas anders sehen. Für sie gilt: letzter Halt – Hübner.

Als Sohn des früheren Kaiserslauterer Bundesliga-Profis Bruno Hübner (57), heute Sportdirektor von Eintracht Frankfurt, und mit zwei älteren Brüdern – Christoph Hübner (32) spielte für Darmstadt und Wiesbaden, Benjamin Hübner (29) derzeit für Hoffenheim – war der Weg vorbestimmt. Über Borussia Dortmund II, den SV Sandhausen und Hannover 96 (neun Bundesliga-Einsätze) ging es zu Union. Und zu einem höchst unglücklichen Neustart.

Ein Team als guter Haufen

„Ich habe zwei Wochen mittrainiert, dann hatte ich schon die erste kleine Verletzung“, erinnert sich Hübner. Kurz vor dem Saisonstart setzten ihn dann muskuläre Probleme außer Gefecht. „Das war natürlich ganz, ganz bitter, weil du den Leuten ja zeigen willst, warum sie dich geholt haben“, so der Abwehrspieler. Motivation zog er nicht zuletzt aus dem guten Start seiner neuen Mannschaft mit dem Last-Minute-Sieg gegen Aue (1:0) und dem achtbaren Remis bei Absteiger 1. FC Köln (1:1).

Zwei Spiele, die ihm bei seinem Debüt geholfen haben. „Ich glaube, es ist leichter, in eine Mannschaft zu kommen, die schon erfolgreich ist“, sagt Hübner, erkennt dabei ein „gewisses Selbstverständnis“ bei seinen Mitspielern, welches es einem einfacher macht, sich ins Teamgefüge einzufinden. „Ich habe mich gegen St. Pauli nicht wie ein Fremdkörper gefühlt, sondern war direkt eingebunden in die Geschehnisse. Das war ein gutes Gefühl. Und dieses Gefühl hat jeder, der von draußen reinrutscht. Wir sind ein sehr, sehr guter Haufen im Moment.“ Mit einem Abwehrchef, der sich nie zu schade ist, mal ruppig dazwischenzugehen, wenn es die Situation erfordert. Ein Degen hat auf einem Fußballplatz ja schließlich auch nichts zu suchen.

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